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	<title>Deutsche Sagen-Sammlung</title>
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	<description>Die Sagas und Epen aus den deutschen Ländern</description>
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		<title>Die Frau von Weissenburg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 18:11:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich IV. von Goseck]]></category>
		<category><![CDATA[Ludwig der Springer]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Volkslied von der „Frauen von Weissenburg“ ist weit mehr als eine bloße Moralerzählung; es basiert auf einem der spektakulärsten Kriminalfälle des deutschen Hochmittelalters. Hinter den Versen verbirgt sich der reale Mord an Pfalzgraf Friedrich IV. von Goseck (auch Friedrich von Putelendorf genannt), der sich am 20. März 1125 ereignete. Dieses Ereignis erschütterte den sächsisch-thüringischen ... <p class="read-more-container"><a title="Die Frau von Weissenburg" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/die-frau-von-weissenburg/#more-798" aria-label="Mehr Informationen über Die Frau von Weissenburg">Continue</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Das Volkslied von der „Frauen von Weissenburg“ ist weit mehr als eine bloße Moralerzählung; es basiert auf einem der spektakulärsten Kriminalfälle des deutschen Hochmittelalters. Hinter den Versen verbirgt sich der reale Mord an <strong>Pfalzgraf Friedrich IV. von Goseck</strong> (auch Friedrich von Putelendorf genannt), der sich am 20. März 1125 ereignete. Dieses Ereignis erschütterte den sächsisch-thüringischen Raum tiefgreifend und wurde über Jahrhunderte hinweg in Chroniken und Liedern verarbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kern der Geschichte ist ein klassisches Dreiecksverhältnis aus Macht, Liebe und Verrat. Der Pfalzgraf Friedrich IV. war ein einflussreicher Adliger, der unter anderem die <strong>Weißenburg</strong> an der Unstrut besaß. Sein Gegenspieler war der ehrgeizige thüringische Landgraf <strong>Ludwig der Springer</strong>, der ein Verhältnis mit Friedrichs Ehefrau, <strong>Adelheid von Stade</strong>, unterhielt. Um den Weg für eine Ehe und die Vereinigung ihrer Machtbereiche frei zu machen, schmiedeten die Liebhaber ein Komplott.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Historische Quellen wie die <em>Cronica Reinhardsbrunnensis</em> bestätigen, dass Ludwig der Springer den Pfalzgrafen während eines Jagdausflugs in der Nähe von Zscheiplitz (unweit der Weißenburg) überfiel. Gemeinsam mit seinen Helfern erstach er den Pfalzgrafen mit Jagdspießen. Anders als im Lied, das Ludwigs Reue und die Zurückweisung der Frau betont, heiratete der Landgraf die Witwe Adelheid in der Realität tatsächlich. Diese Verbindung legte den Grundstein für den massiven Aufstieg der Ludowinger-Dynastie in Thüringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der von dir zitierten Fassung aus Brotuffs Marsburger Chronik wird die Geschichte moralisch zugespitzt. Während die historische Adelheid gemeinsam mit Ludwig die Herrschaft festigte, stellt das Lied sie als die „falsche Frau“ dar, die am Ende an ihrer eigenen Tat verzweifelt. Auch das Motiv der Armbrust und der Szene unter der Linde sind typische poetische Ausschmückungen, die den Mord dramatischer gestalten sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders interessant ist das Ende des Liedes: Der Mörder Ludwig erkennt plötzlich die Sündhaftigkeit der Tat und weist das „veracht gewonnene Gold“ (den Ring) zurück. Dies spiegelt die spätere Legendenbildung wider, nach der Ludwig schwere Buße für den Mord leisten musste. Tatsächlich wurde er für die Tat gefangen gesetzt und entkam der Überlieferung nach nur durch einen kühnen Sprung von der Burg Giebichenstein in die Saale – was ihm seinen berühmten Beinamen „der Springer“ einbrachte. Zur Sühne stiftete er zudem das bedeutende Kloster Reinhardsbrunn.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Frau von Weissenburg</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Aus Meißner&#8217;s und Canzler&#8217;s Quartalschrift für ältere Literatur. II. S. 102. Brotuff&#8217;s Marsburger Chronik.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was wolln wir aber singen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was wollt ihr für ein Lied,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Lied von der Frauen von Weissenburg,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sie ihren Herrn verrieth.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ließ ein Briefelein schreiben,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gar fern ins&nbsp;Thüringer&nbsp;Land,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu ihrem Ludewig Buhlen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daß er da käm zur Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sprach zu seinem Knechte:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du, sattel mir mein Pferd,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir wollen zur Weissenburg reiten,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nun Reitens werth.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">»Gott grüs euch Adelheid schöne,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wünsch euch ein guten Tag:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo ist eur edler Herre,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem ich kämpfen mag?«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau lenkt ihren Herren,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Schein falsches Gemüths,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er reitet Nachts ganz späte</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Hunden nach dem Ried.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Ludewig unter die Linde kam,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja unter die Linde so grün,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da kam der Herr von der Weissenburg</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit seinen Winden so kühn.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">»Willkommen Herr von der Weissenburg,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gott geb euch guten Muth,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr sollt nicht länger leben,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn heut diesen halben Tag.«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">»Soll ich nicht länger leben,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn diesen halben Tag,</p>



<p class="wp-block-paragraph">So klag ichs Christo vom Himmel,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der all Ding wenden mag.«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kamen hart zusammen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Wort und Zorn so groß,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daß einer zu dem andern</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Armbrust abe schoß.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sprach zu seinem Knechte:</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Nun spann dein Armbrust ein,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und schieß den Herrn von der Weissenburg</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur linken Seiten ein.«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">»Warum soll ich ihn schießen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und morden auf dem Plan,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hat er mir doch sein Lebelang,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch nie kein Leid gethan.«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da nahm Ludewig den Jägerspieß</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selber in seine Hand,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durchrannt&#8216; den Pfalzgraf Friederich,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter der Linden zur Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sprach zu seinem Knechte:</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Reiten wir zur Weissenburg,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da sind wir wohl gehalten,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach unserm Herz und Muth.«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da er nun gegen die Weissenburg kam,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wohl unter das hohe Haus,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da sah die falsche Fraue,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Freuden zum Fenster aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">»Gott grüs euch, edle Fraue,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bescher euch Glück und Heil,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eur Will, der ist ergangen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Todt habt ihr euren Gemahl.«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">»Ist denn mein Will ergangen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein edler Herre todt,</p>



<p class="wp-block-paragraph">So will ichs nicht eher glauben,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seh denn sein Blut so roth.«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er zog aus seiner Scheiden,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Schwerdt von Blut so roth;</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Sieh da, du edle Fraue,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Zeichen von seinem Tod.«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie rang ihr weisse Hände,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rauft aus ihr gelbes Haar:</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Hülfreicher Christ vom Himmel,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was hab ich nun gethan!«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zog von ihrem Finger,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Ringelein von Gold:</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Nimm hin, du Ludewig Buhle,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gedenk da meiner Huld.«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">»Was soll mir doch das Fingerlein,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das veracht gewonnen Gold,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich daran gedenke,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Herz wird nimmer hold.«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Des erschrack die Frau von der Weissenburg,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Faßt einen traurigen Muth:</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Verlaß mich holder Fürste nicht,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein edler Herr ist todt.«</p>
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		<title>Childerich und Basina</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 18:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Basina]]></category>
		<category><![CDATA[Childerich]]></category>
		<category><![CDATA[Franken]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Erzählung über Childerich I. und die thüringische Prinzessin Basina stellt eine faszinierende Mischung aus belegbarer Geschichte und politischer Mythenbildung des Frühmittelalters dar. Wenn man die Sage auf ihren historischen Kern hin untersucht, stößt man auf eine Zeit des Umbruchs im 5. Jahrhundert, in der das römische Gallien langsam in die Hände der fränkischen Kleinkönige ... <p class="read-more-container"><a title="Childerich und Basina" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/childerich-und-basina/#more-794" aria-label="Mehr Informationen über Childerich und Basina">Continue</a></p>]]></description>
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<h4 class="wp-block-heading">Die Erzählung über Childerich I. und die thüringische Prinzessin Basina stellt eine faszinierende Mischung aus belegbarer Geschichte und politischer Mythenbildung des Frühmittelalters dar. Wenn man die Sage auf ihren historischen Kern hin untersucht, stößt man auf eine Zeit des Umbruchs im 5. Jahrhundert, in der das römische Gallien langsam in die Hände der fränkischen Kleinkönige überging.</h4>



<h3 class="wp-block-heading">Der gesicherte historische Kern</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hauptfiguren dieser Geschichte sind zweifelsfrei historisch. <strong>Childerich I.</strong> regierte etwa von 457 bis 481 oder 482 nach Christus als Kleinkönig der Salfranken. Seine historische Existenz wurde im Jahr 1653 eindrucksvoll bestätigt, als man in Tournai sein Grab entdeckte. Darin fand man neben einer großen Menge Gold und kostbarer Waffen auch einen Siegelring mit der Aufschrift <em>Childirici Regis</em>, was ihn eindeutig als einen mächtigen Kriegsherrn und Verbündeten Roms ausweist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch sein Gegenspieler <strong>Aegidius</strong> ist historisch belegt. Er war ein römischer Feldherr (Magister militum), der nach dem Zusammenbruch der Zentralmacht in Italien ein gallo-römisches Sonderreich von Soissons aus beherrschte. Dass die Franken ihn zeitweise als Anführer akzeptierten oder er sie militärisch unterwarf, gilt in der Forschung als sehr plausibel, da die Machtverhältnisse zwischen Franken und Römern in dieser Übergangsphase fließend waren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen Exil und Legende</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Episode von Childerichs Flucht nach Thüringen findet sich erstmals beim Chronisten <strong>Gregor von Tours</strong> im späten 6. Jahrhundert. Es ist historisch durchaus wahrscheinlich, dass Childerich aufgrund innerer Unruhen oder militärischer Niederlagen gegen Aegidius zu den Thüringern floh, die damals eine bedeutende Macht im Osten darstellten. Die Gestalt der <strong>Basina</strong> ist ebenfalls historisch greifbar: Sie war die Mutter von Chlodwig I., dem eigentlichen Begründer des Frankenreiches. Dass sie eine thüringische Adlige war, die ihren ersten Ehemann verließ, um sich dem aufstrebenden Childerich anzuschließen, wird von den frühen Quellen einhellig berichtet, auch wenn die romantische Ausgestaltung dieser Flucht sicher legendäre Züge trägt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Literarische Motive und politische Symbolik</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Völlig im Bereich der Sage bewegen sich hingegen die Details der Rückkehr und die prophetischen Visionen. Das Motiv des <strong>geteilten Goldrings</strong> ist ein klassisches Erzählelement, das in der Literatur oft genutzt wird, um die Treue zwischen einem vertriebenen Herrscher und seinem verbliebenen Gefolgsmann (hier Winomadus) zu versinnbildlichen. Es gibt dafür keine zeitgenössischen Beweise; es diente vielmehr dazu, die Rückkehr des Königs als eine fast zwangsläufige, schicksalhafte Heimkehr darzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders deutlich wird die politische Absicht bei der <strong>Vision der wilden Tiere</strong>. Diese Geschichte wurde erst Generationen später niedergeschrieben, als die Merowinger-Dynastie bereits ihren Zenit überschritten hatte. Die Tiere – vom stolzen Löwen (Chlodwig) über die raubgierigen Wölfe (seine zerstrittenen Söhne) bis hin zu den feigen Hunden – sind eine nachträgliche Deutung der fränkischen Geschichte. Die Chronisten nutzten diese Prophezeiung, um den Aufstieg und den späteren Verfall des Herrscherhauses als göttliche oder schicksalhafte Vorsehung zu legitimieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Text einen realen Machtkampf des 5. Jahrhunderts beschreibt, der jedoch mit den Mitteln der germanischen Heldensage und der christlichen Geschichtsdeutung ausgeschmückt wurde, um die Merowinger als ein gottgewolltes und besonderes Geschlecht zu verankern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die originale Sage von Childerich und Basina (Gebrüder Grimm)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Childerich, Merowigs Sohn, hub an übel zu regieren und die Töchter der Edeln zu mißbrauchen; da warfen ihn die Franken vom Thron herab. Landflüchtig wandte er sich zu Bissinus, König der Thüringer, und fand bei ihm Schutz und ehrenvollen Aufenthalt lange Zeit hindurch. Er hatte aber unter den edelsten Franken einen vertrauten Freund gehabt, Winomadus mit Namen, der ihm, als er noch regierte, in allen Dingen riet und beistand. Dieser war auch zur Zeit, da der König aus dem Reiche vertrieben wurde, der Meinung gewesen, Childerich müsse sich notwendig entfernen und erwarten, daß sich allmählich sein übler Ruf in der Abwesenheit mindere; wogegen er sorgsam die Gemüter der Franken stets erforschen und wieder zu ihm hinlenken wolle. Zugleich nahm Winomad seinen Ring und teilte ihn in zwei Hälften, die eine gab er dem König und sprach: »Wenn ich dir die andere sende und beide Teile ineinanderpassen, so soll es dir ein Zeichen sein, daß dir die Franken wieder versöhnt sind, und dann säume nicht, in dein Vaterland zurückzukehren.«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterdessen wählten sich die Franken Ägidius, den Römer, zu ihrem König. Winomadus verstellte sein Herz und wurde bald dessen Vertrauter. Darauf beredete er ihn, nicht nur das Volk mit schweren Abgaben zu belasten, sondern selbst einige der Mächtigsten im Lande hinzurichten; dazu wählte aber Winomad klüglich gerade Childerichs Feinde aus. Die Franken wurden durch solche Grausamkeiten bald von Ägidius abgewandt, und es kam dahin, daß sie bereuten, ihren eingeborenen Herrn verwiesen zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da sandte Winomad einen Boten mit dem halben Goldring nach Thüringen ab, von woher Childerich schnell wiederkehrte, sich allerwärts Volk sammelte und den Ägidius überwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie nun der König in Ruhe sein Reich beherrschte, machte sich Basina, des thüringischen Königs Bissinus Weib, auf, verließ ihren Gemahl und zog zu Childerich, mit dem sie, als er sich dort aufhielt, in vertrauter Liebe gelebt hatte. Dem Childerich sagte sie, kein Hindernis und keine Beschwerde habe sie abhalten können, ihn aufzusuchen; denn sie vermöge keinen Würdigern in der ganzen Welt zu finden als ihn. Childerich aber, der Wohltat, die ihm Bissinus erwiesen, vergessen, weil er ein Heide war, nahm Basina bei Lebzeiten ihres ersten Gemahls zur Ehe. In der Hochzeitnacht nun geschah es, daß Basina den König von der ehelichen Umarmung zurückwies, ihn hinaus vor die Türe der Königsburg treten und, was er da sehen werde, ihr hinterbringen hieß. Childerich folgte ihren Worten und sah vor dem Tore große wilde Tiere, Parder, Einhörner und Löwen, wandeln. Erschrocken eilte er zu seiner Gemahlin zurück und verkündigte ihr alles. Sie ermahnte ihn, ohne Sorge zu sein und zum zweitenmal hinauszugehen. Da sah der König Bären und Wölfe wandeln und hinterbrachte es der Königin, die ihn auch zum drittenmal hinaussandte. Dieses drittemal erblickte er Hunde und kleinere Tiere, die sich untereinander zerrissen. Staunend stieg er ins Ehebett zurück, erzählte alles und verlangte von seiner weisen Frau Auslegung, was diese Wunder bedeuteten. Basina hieß den König die Nacht keusch und enthaltsam zubringen, bei anbrechendem Tag solle er alles erfahren. Nach Sonnenaufgang sagte sie ihm: »Dies bezeichnet zukünftige Dinge und unsere Nachkommen. Unser erster Sohn wird mächtig und stark gleich einem Löwen oder Einhorn werden, seine Kinder raubgierig und frech wie Wölfe und Bären; deren Nachkommen und die Letzten aus unserm Geschlecht feig wie die Hunde. Aber das kleine Getier, was du gesehen hast sich untereinander zerreißen, bedeutet das Volk, welches sich nicht mehr vor dem König scheut, sondern untereinander in Haß und Torheit verfolgt. Dies ist nun die Auslegung der Gesichter, die du gehabt hast.« Childerich aber freute sich über die ausgebreitete Nachkommenschaft, die aus ihm erwachsen sollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Thüringen zur Zeit dieser Sage</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Thüringerreich der Völkerwanderungszeit war zur Regierungszeit Childerichs I. eine der bedeutendsten Machtgruppen im rechtsrheinischen Germanien. Während das Weströmische Reich in Gallien zerfiel, festigten die Thüringer unter ihrer eigenen Dynastie ein Herrschaftsgebiet, das weit über die Grenzen des heutigen Freistaates hinausreichte. Es erstreckte sich von der Elbe im Osten bis tief in das Maingebiet im Süden und stellte einen stabilen Machtblock dar, der sowohl für die Franken als auch für die verbliebenen Römer ein wichtiger politischer Partner war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der Spitze dieses Reiches stand in der Mitte des 5. Jahrhunderts der historisch belegte König <strong>Bissinus</strong> (auch Bisinus genannt). Er ist der Herrscher, der Childerich während dessen Exils Gastfreundschaft gewährte. Bissinus war kein isolierter Stammesfürst, sondern ein europäischer Akteur, der dynastische Verbindungen zu anderen großen Häusern pflegte. Seine Machtstellung war so gefestigt, dass er es sich leisten konnte, einem vertriebenen fränkischen „Rex“ wie Childerich Asyl zu gewähren, ohne Repressalien der Franken oder des römischen Feldherrn Aegidius fürchten zu müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Thüringer Gesellschaft jener Zeit wurde von einer kriegerischen und wohlhabenden Adelskaste dominiert. Archäologische Funde aus Prunkgräbern dieser Epoche zeigen, dass der Thüringer Adel Zugriff auf hochwertige römische Luxusgüter, Goldmünzen und erstklassige Waffen hatte. Dies unterstreicht, dass das Reich des Bissinus ein wirtschaftliches und militärisches Zentrum war. Die in der Sage erwähnte <strong>Basina</strong>, die Childerich schließlich nach Gallien folgte, stammte aus genau diesem Umfeld. Ihre Entscheidung, Bissinus zu verlassen und sich dem Franken anzuschließen, spiegelt – jenseits der romantischen Verklärung – die damals üblichen politischen Bündniswechsel zwischen den aufstrebenden germanischen Dynastien wider.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Tod des Bissinus um das Jahr 500 wurde das Reich unter seinen Söhnen Hermanfried, Berthachar und Baderich aufgeteilt. Diese Zersplitterung leitete das Ende der thüringischen Vorherrschaft ein (siehe dazu die <a href="https://www.deutschesagen.de/amalaberga-von-thueringen/" data-type="post" data-id="787">Sage von Amalaberga</a>). Nur wenige Jahrzehnte nach Childerichs Tod nutzten dessen Nachkommen, die Söhne Chlodwigs, die internen Streitigkeiten der Thüringer aus und zerschlugen das Reich im Jahr 531 endgültig (mehr dazu: <a href="https://www.deutschesagen.de/sage-von-irminfried-iring-und-dieterich/" data-type="post" data-id="781">Iring Sage zum Ende der Thüringer</a>). Damit endete die Ära der thüringischen Großkönige, die zur Zeit Childerichs noch die Geschicke Zentraleuropas maßgeblich mitbestimmt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Die Sachsen und die Thüringer</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 17:51:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Erzählung von den Sachsen und Thüringern ist ein klassisches Beispiel für eine sogenannte Origo gentis, eine Stammesbildungssage, wie sie der Chronist Widukind von Corvey im 10. Jahrhundert in seinen Res gestae Saxonicae niedergeschrieben hat. Historische Belege für den exakten Ablauf dieser Ereignisse gibt es nicht; vielmehr handelt es sich um eine literarische Verdichtung komplexer ... <p class="read-more-container"><a title="Die Sachsen und die Thüringer" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/die-sachsen-und-die-thueringer/#more-791" aria-label="Mehr Informationen über Die Sachsen und die Thüringer">Continue</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Die Erzählung von den Sachsen und Thüringern ist ein klassisches Beispiel für eine sogenannte <strong>Origo gentis</strong>, eine Stammesbildungssage, wie sie der Chronist <strong>Widukind von Corvey</strong> im 10. Jahrhundert in seinen <em>Res gestae Saxonicae</em> niedergeschrieben hat. Historische Belege für den exakten Ablauf dieser Ereignisse gibt es nicht; vielmehr handelt es sich um eine literarische Verdichtung komplexer machtpolitischer Verschiebungen in ein einprägsames, mythisches Bild.</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kern der Erzählung – die Landung an der Elbmündung im Lande Hadeln – spiegelt zwar die maritime Tradition der Sachsen wider, doch die Archäologie zeichnet ein anderes Bild als die Sage. Die Sachsen entstanden nicht als geschlossenes Volk, das plötzlich mit einer Flotte ankam, sondern formierten sich über Jahrhunderte aus verschiedenen germanischen Kleinstämmen zwischen Elbe und Weser. Die Geschichte vom <strong>Erdekauf</strong> mit dem Gold ist dabei ein bekanntes Wandermotiv der antiken und mittelalterlichen Literatur. Sie dient dazu, den späteren Landraub juristisch und moralisch zu legitimieren: Die Sachsen werden als klug und weitsichtig dargestellt, während die Thüringer als gierig und einfältig erscheinen. Der symbolische Tausch von Gold gegen Erde sollte den sächsischen Anspruch auf das Territorium als &#8222;rechtmäßig erworben&#8220; untermauern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders bedeutsam ist das Motiv des Verrats bei der Friedensversammlung. Die Schilderung, wie die Sachsen ihre <strong>Saxe</strong> (einschneidige Hiebmesser) unter den Kleidern verbargen, um die wehrlosen Thüringer zu ermorden, findet sich in fast identischer Form auch in den Gründungssagen der Sachsen in Britannien wieder. Historisch lässt sich dieser &#8222;Verrat&#8220; als Echo der tatsächlichen Zerschlagung des <strong>Thüringer Reiches um das Jahr 531 n. Chr.</strong> deuten (<a href="https://www.deutschesagen.de/sage-von-irminfried-iring-und-dieterich/" data-type="post" data-id="781">mehr dazu in der Iring Saga</a>). Damals verbündeten sich die Sachsen mit den Franken, um die thüringische Vorherrschaft gewaltsam zu beenden. Die Sage komprimiert diesen langjährigen, blutigen Konflikt auf ein einziges, hinterlistiges Ereignis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Namensableitung der Sachsen von ihren Messern ist zwar sprachwissenschaftlich plausibel, doch die dramatische Herleitung aus diesem Massaker ist eine spätere Konstruktion, um den kriegerischen Ruf des Volkes zu festigen. Insgesamt betrachteten die Zeitgenossen Widukinds solche Geschichten nicht als exakte Protokolle, sondern als Identitätsstiftung: Sie erklärten dem mittelalterlichen Leser, warum sein Volk mächtig war, warum ihm das Land gehörte und warum man die sächsische List als Zeichen von Überlegenheit gegenüber den Nachbarn deuten durfte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Sagen  zu den Sachsen und Thüringern im Original (Gebrüder Grimm)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sachsen zogen aus und kamen mit ihren Schiffen an den Ort, der Hadolava heißt, da waren ihnen die Landeseinwohner, die Thüringer, zuwider und stritten heftig. Allein die Sachsen behaupteten den Hafen, und es wurde ein Bund geschlossen, die Sachsen sollten kaufen und verkaufen können, was sie beliebten, aber abstehen von Menschenmord und Länderraub. Dieser Friede wurde nun auch viele Tage gehalten. Als aber den Sachsen Geld fehlte, dachten sie, das Bündnis wäre unnütz. Da geschah, daß einer ihrer Jünglinge aus den Schiffen ans Land trat, mit vielem Gold beladen, mit güldenen Ketten und güldenen Spangen. Ein Thüringer begegnete diesem und sprach: »Was trägst du soviel Gold an deinem ausgehungerten Halse?« – »Ich suche Käufer«, antwortete der Sachse, »und trage dies Gold bloß des Hungers halben, den ich leide; wie sollte ich mich an Gold vergnügen?« Der Thüringer fragte, was es gelten solle. Hierauf sagte der andere: »Mir liegt nichts daran, du sollst mir geben, was du selber magst.« Lächelnd erwiderte jener: »So will ich dir dafür deinen Rock mit Erde füllen;« denn es lag an dem Ort gerade viel Erde angehäuft. Der Sachse hielt also seinen Rock auf, empfing die Erde und gab das Gold hin; sie gingen voneinander, ihres Handels beide froh. Die Thüringer lobten den ihrigen, daß er um so schlechten Preis so vieles Gold erlangt; der Sachse aber kam mit der Erde zu den Schiffen und rief, da ihn etliche töricht schalten, die Sachsen ihm zu folgen auf; bald würden sie seine Torheit gutheißen. Wie sie ihm nun nachfolgten, nahm er Erde, streute sie fein dünne auf die Felder aus und bedeckte einen großen Raum. Die Thüringer aber, welche das sahen, schickten Gesandte und klagten über Friedensbruch. Die Sachsen ließen sagen: »Den Bund haben wir jederzeit und heilig gehalten; das Land, das wir mit unserm Gold erworben, wollen wir ruhig behalten oder es mit den Waffen verteidigen.« Hierauf verwünschten die Einwohner das Gold, und den sie kürzlich gepriesen hatten, hielten sie für ihres Unheiles Ursächer. Die Thüringer rannten nun zornig auf die Sachsen ein, die Sachsen aber behaupteten durch das Recht des Krieges das umliegende Land. Nachdem von beiden Teilen lange und heftig gestritten war und die Thüringer unterlagen, so kamen sie überein, an einem bestimmten Ort, jedoch ohne Waffen, des neuen Friedens wegen zusammenzugehen. Bei den Sachsen nun war es hergebrachte Sitte, große Messer zu tragen, wie die Angeln noch tun, und diese nahmen sie unter ihren Kleidern auch mit in die Versammlung. Als die Sachsen ihre Feinde so wehrlos und ihre Fürsten alle gegenwärtig sahen, achteten sie die Gelegenheit für gut, um sich des ganzen Landes zu bemächtigen, überfielen die Thüringer unversehens mit ihren Messern und erlegten sie alle, daß auch nicht einer überblieb. Dadurch erlangten die Sachsen großen Ruf, und die benachbarten Völker huben sie zu fürchten an. Und verschiedene leiten den Namen von der Tat ab, weil solche Messer in ihrer Sprache Sachse hießen.</p>
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		<title>Amalaberga von Thüringen</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 17:38:42 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Episode vom halb gedeckten Tisch markiert in der Überlieferung den psychologischen Wendepunkt, der den Untergang des Thüringerreichs einleitete. Historisch betrachtet spiegelt sie die realen Machtkämpfe zwischen den Söhnen des Königs Bisinus – Hermenfried, Baderich und Berthar – wider, die das Reich im frühen 6. Jahrhundert unter sich aufgeteilt hatten. Die Erzählung dient dazu, den darauffolgenden Bruderkrieg moralisch zu begründen: Amalaberga, die als machtbewusste Nichte des Ostgotenkönigs Theoderich des Großen eine Schlüsselrolle spielte, wird hier zur personifizierten Hybris stilisiert. Ihr Vorwurf, ein nur hälftig regierender König verdiene auch nur eine halbe Tafel, ist ein tiefgreifendes Symbol für den unbändigen Machtanspruch jener Zeit, der familiäre Bindungen den politischen Zielen unterordnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Geschichtsschreibung, insbesondere bei den fränkischen Chronisten wie Gregor von Tours, erfüllt dieses Motiv einen klaren Zweck: Es legitimiert den späteren fränkischen Einmarsch. Indem Amalaberga als ränkesüchtige Antreiberin des Brudermords dargestellt wird, erscheint das Thüringer Königshaus als moralisch verfallen und innerlich zerrissen. Der darauffolgende Bruderkrieg, in dem Hermenfried mit Hilfe der Franken erst Berthar und schließlich Baderich ausschaltete, schwächte das Reich so massiv, dass es der späteren fränkischen Expansion keinen Widerstand mehr leisten konnte (mehr dazu in der <a href="https://www.deutschesagen.de/sage-von-irminfried-iring-und-dieterich/" data-type="post" data-id="781">Saga von Iring</a>). So verbindet der fließende Übergang von der privaten Beleidigung bei Tisch zum blutigen Schlachtfeld die menschliche Leidenschaft mit dem harten Schicksal eines Volkes und macht die komplexe politische Instabilität des Thüringerreichs zu einer zeitlosen Sage über Hochmut und Fall.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Sage der Amalaberga von Thüringen im Original (Begrüder Grimm)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Thüringen herrschten drei Brüder, Baderich, Hermenfried und Berthar. Den jüngsten tötete Hermenfried auf Anstiften seiner Gemahlin Amalaberga, einer Tochter Theodorichs von Franken. Darauf ruhte sie nicht, sondern reizte ihn, auch den ältesten wegzuräumen, und soll auf folgende listige Weise den Bruderkrieg erweckt haben: Als ihr Gemahl eines Tages zum Mahl kam, war der Tisch nur halb gedeckt. Hermenfried fragte, was dies zu bedeuten hätte. »Wer nur ein halbes Königreich besitzt«, sprach sie, »der muß sich auch mit einer halb gedeckten Tafel begnügen.«</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das weitere Leben der Amalaberga</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem vernichtenden Sieg der Franken und Sachsen an der Unstrut im Jahr 531 nahm das Leben der <strong>Amalaberga</strong> eine dramatische Wendung, die sie weit weg von den Trümmern Thüringens führte. Während ihr Ehemann Hermenfried der Legende nach heimtückisch ermordet wurde, gelang ihr die Flucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Amalaberga floh zunächst mit ihren Kindern, darunter ihr Sohn <strong>Amalfrid</strong>, zu ihrem Bruder Theodahad in das <strong>Ostgotenreich</strong> nach Italien. Sie hoffte dort auf Schutz, da sie als Nichte Theoderichs des Großen zur höchsten gotischen Aristokratie gehörte. Doch ihre Sicherheit war nur von kurzer Dauer, da das Ostgotenreich selbst unter den Angriffen des Oströmischen Reiches (Byzanz) unter Kaiser Justinian I. zu wanken begann. Im Jahr 540 fiel die ostgotische Hauptstadt <strong>Ravenna</strong> an den oströmischen Feldherrn <strong>Belisar</strong>. Amalaberga wurde zusammen mit der gotischen Königsfamilie gefangen genommen und als wertvolle Geisel nach <strong>Konstantinopel</strong> geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dort endete ihr Weg als &#8222;politische Trophäe&#8220;:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Exil am Kaiserhof:</strong> Sie verbrachte den Rest ihres Lebens in der byzantinischen Hauptstadt. Dort wurde sie ehrenvoll, aber unter ständiger Kontrolle gehalten.</li>



<li><strong>Die Rolle ihres Sohnes:</strong> Ihr Sohn Amalfrid schlug eine Karriere im oströmischen Militär ein und stieg zum kaiserlichen Feldherrn auf. Dies verdeutlicht, wie die einstige thüringische Herrschaftslinie vollständig in die byzantinische Welt integriert wurde.</li>



<li><strong>Historisches Verschwinden:</strong> Über ihr genaues Todesdatum gibt es keine gesicherten Aufzeichnungen. Sie verschwand aus den Chroniken, ein Schicksal, das viele entthronte Herrscherinnen jener Zeit teilten.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Amalaberga, die einst als stolze Königin den Bruderkrieg in Thüringen anstiftete, endete als Exilantin am Bosporus. Ihr Schicksal markiert das endgültige Ende des eigenständigen thüringischen Königshauses und den Übergang ihrer Nachkommen in den Dienst fremder Mächte.</p>
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		<title>Sage von Irminfried, Iring und Dieterich</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 17:26:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Sage von Iring und dem Untergang des Thüringerreichs verwebt den historischen Zusammenbruch eines mächtigen germanischen Königreichs mit den dramatischen Motiven von Ehre, Verrat und Schicksal. Im Kern basiert die Erzählung auf den realen Machtkämpfen des frühen 6. Jahrhunderts, als das Thüringerreich unter König Irminfried (Hermanifrid) mit dem expandierenden Frankenreich der Merowinger unter Theuderich I. ... <p class="read-more-container"><a title="Sage von Irminfried, Iring und Dieterich" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/sage-von-irminfried-iring-und-dieterich/#more-781" aria-label="Mehr Informationen über Sage von Irminfried, Iring und Dieterich">Continue</a></p>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Sage von Iring und dem Untergang des Thüringerreichs verwebt den historischen Zusammenbruch eines mächtigen germanischen Königreichs mit den dramatischen Motiven von Ehre, Verrat und Schicksal. Im Kern basiert die Erzählung auf den realen Machtkämpfen des frühen 6. Jahrhunderts, als das Thüringerreich unter König Irminfried (Hermanifrid) mit dem expandierenden Frankenreich der Merowinger unter Theuderich I. (Dieterich) kollidierte. Historisch gesichert ist dabei die entscheidende Schlacht an der Unstrut um das Jahr 531, in der die Franken – unterstürzt durch sächsische Verbündete – die Thüringer vernichtend schlugen und deren politische Eigenständigkeit für Jahrhunderte beendeten. Die in der Sage beschriebene Landvergabe an die Sachsen spiegelt die tatsächliche Besiedlung nordthüringischer Gebiete durch sächsische Stämme nach dem Krieg wider.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der politische Rahmen den Tatsachen entspricht, ist die Gestalt des Iring eine rein literarische Schöpfung, die als Sinnbild für den tragischen Helden dient. In der Geschichtsschreibung wurde König Irminfried nicht von seinem eigenen Berater in einer blutigen Rachetat erstochen, sondern fiel vermutlich einem heimtückischen Mord zum Opfer, als er während späterer Verhandlungen in Zülpich von einer Mauer gestoßen wurde. Die Sage verdichtet diese komplexen machtpolitischen Vorgänge zu einem persönlichen Drama: Motive wie die hochmütige Königin, die List mit dem Sperber und der finale Doppelmord machen die unübersichtlichen Kriege der Völkerwanderungszeit greifbar und moralisch deutbar. So bleibt die Geschichte zwar in ihren Details eine Legende, fängt aber die traumatische Erfahrung des Untergangs und die darauffolgende Neuordnung des germanischen Raums treffend ein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Sage im Origjnal (Gebrüder Grimm)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Frankenkönig Hugo (Chlodwig) hinterließ keinen rechtmäßigen Erben außer seiner Tochter Amelberg, die an Irminfried, König von Thüringen, vermählt war. Die Franken aber wählten seinen unehelichen Sohn Dieterich zum König; der schickte einen Gesandten zu Irminfried um Frieden und Freundschaft; auch empfing ihn derselbe mit allen Ehren und hieß ihn eine Zeitlang an seinem Hofe bleiben. Allein die Königin von Thüringen, welche meinte, daß ihr das Frankenreich mit Recht gehörte und Dieterich ihr Knecht wäre, berief&nbsp;Iring, den Rat des Königs, zu sich und bat ihn, ihrem Gemahl zuzureden, daß er sich nicht mit dem Botschafter eines Knechtes einlassen möchte. Dieser&nbsp;Iring&nbsp;war sehr stark und tapfer, klug und fein in allem Ratgeben und brachte also den König von dem Frieden mit Dieterich ab, wozu ihm die andern Räte geraten hatten. Daher trug Irminfried dem Abgesandten auf, seinem Herrn zu antworten, er möge doch eher sich die Freiheit als ein Reich zu erwerben trachten. Worauf der Gesandte versetzte: »Ich wollte dir lieber mein Haupt geben als solche Worte von dir gehört haben; ich weiß wohl, daß um derentwillen viel Blut der Franken und Thüringer fließen wird.«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Dieterich diese Botschaft vernommen, ward er erzürnt, zog mit einem starken Heere nach Thüringen und fand den Schwager bei Runibergun seiner warten. Am ersten und zweiten Tage ward ohne Entscheidung gefochten; am dritten aber verlor Irminfried die Schlacht und floh mit den übriggebliebenen Leuten in seine Stadt Schiding, am Flusse Unstrut gelegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da berief Dieterich seine Heerführer zusammen. Unter denen riet Waldrich, nachdem man die Toten begraben und die Wunden gepflegt, mit dem übrigen Heere heimzukehren, das nicht hinreiche, den Krieg fortzuführen. Es hatte aber der König einen getreuen, erfahrenen Knecht, der gab andern Ratschlag und sagte, die Standhaftigkeit wäre in edlen Dingen das Schönste, wie bei den Vorfahren; man müßte aus dem eroberten Lande nicht weichen und die Besiegten wieder aufkommen&nbsp;lassen, die sonst durch neue Verbindungen gefährlich werden könnten, jetzt aber allein eingeschlossen wären. – Dieser Rat gefiel auch dem König am besten, und er ließ den Sachsen durch Gesandte anbieten: wenn sie ihm ihre alten Feinde, die Thüringer, bezwingen hälfen, so wollte er ihnen deren Reich und Land auf ewig verleihen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sachsen ohne Säumen schickten neun Anführer, jeden mit tausend Mann, deren starke Leiber, fremde Sitten, Waffen und Kleider die Franken bewunderten. Sie lagerten sich aber nach Mittag zu auf den Wiesen am Fluß und stürmten am folgenden Morgen die Stadt; auf beiden Seiten wurde mit großer Tapferkeit gestritten, von den Thüringern für das Vaterland, von den Sachsen für den Erwerb des Landes. In dieser Not schickte Irminfried den&nbsp;Iring&nbsp;ab, Schätze und Unterwerfung für den Frieden dem Frankenkönig anzubieten. Dieterichs Räte, mit Gold gewonnen, rieten um so mehr zur Willfahrung, da die Sachsen sehr gefährliche Nachbarn werden würden, wenn sie Thüringen einbekämen; und also versprach der König, morgenden Tages seinen Schwager wieder aufzunehmen und den Sachsen abzusagen.&nbsp;Iring&nbsp;blieb im Lager der Franken und sandte seinem Herrn einen Boten, um die Stadt zu beruhigen; er selbst wollte sorgen, daß die Nacht die Gesinnungen nicht änderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da nun die Bürger wieder sicher des Friedens waren, ging einer mit seinem Sperber heraus, ihm an dem Flußufer Futter zu suchen. Es geschah aber, daß der Vogel, losgelassen, auf die andere Seite des Wassers flog und von einem Sachsen gefangen wurde. Der Thüringer forderte ihn wieder, der Sachse weigerte ihn. Der Thüringer: »Ich will dir etwas offenbaren, wenn du mir den Vogel lässest, was dir und deinen Gesellen sehr nützlich ist.« Der Sachse: »So sage, wenn du haben willst, was du begehrst!« – »So wisse«, sprach der Thüringer, »daß die Könige Frieden gemacht und vorhaben, euch morgen im Lager zu fangen und zu erschlagen!« Als er nun dieses dem Sachsen nochmals ernstlich beteuert und ihnen die Flucht angeraten hatte, so ließ dieser alsbald den Sperber los und verkündigte seinen Gefährten, was er vernommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sie nun alle in Bestürzung und Zweifel waren, ergriff ein von allen geehrter Greis, genannt Hathugast, ihr heiliges Zeichen, welches eines Löwen und Drachen und darüber fliegenden Adlers Bild war, und sprach: »Bis hierher habe ich unter Sachsen gelebt und sie nie fliehen gesehen; so kann ich auch jetzt nicht genötigt werden, das zu tun, was ich niemals gelernt. Kann ich nicht weiterleben, so ist es mir das liebste, mit den Freunden zu fallen; die erschlagenen Genossen, welche hier liegen, sind mir ein Beispiel der alten Tugend, da sie lieber ihren Geist aufgegeben haben, als vor dem Feinde gewichen sind. Deswegen laßt uns heut in der Nacht die sichere Stadt überwältigen.«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Einbruche der Nacht drangen die Sachsen über die unbewachten Mauern in die Stadt, brachten die Erwachsenen zum Tod und schonten nur die Kinder; Irminfried entfloh mit Weib und Kindern und weniger Begleitung. Die Schlacht geschah am 1. Oktober. Die Sachsen wurden von den Franken des Sieges gerühmt, freundlich empfangen und mit dem ganzen Lande auf ewig begabt. Den entronnenen König ließ Dieterich trüglich zurückrufen und beredete endlich den&nbsp;Iring&nbsp;mit falschen Versprechungen, seinen Herrn zu töten. Als nun Irminfried zurückkam und sich vor Dieterich niederwarf, so stand&nbsp;Iring&nbsp;dabei und erschlug seinen eigenen Herrn. Alsbald verwies ihn der König aus seinen Augen und aus dem Reich, als der um der unnatürlichen Tat allen Menschen verhaßt sein müßte. Da versetzte&nbsp;Iring: »Ehe ich gehe, will ich meinen Herrn rächen«, zog das Schwert und erstach den König Dieterich. Darauf legte er den Leib seines Herrn über den des Dieterich, auf daß der, welcher lebend überwunden worden, im Tod überwände; bahnte sich Weg mit dem Schwert und entrann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irings Ruhm ist so groß, daß der Milchkreis am Himmel Iringsstraße nach ihm benannt wird.</p>



<h6 class="wp-block-heading">Fußnoten: Abweichende Darstellung der Sage bei Goldast: Skript. rerum suevicarum, p. 1-3, wo die Schwaben die Stelle der Sachsen einnehmen.</h6>
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		<title>Freiberg: Sagen und Erzählungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Oct 2023 14:35:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Freiberg]]></category>
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					<description><![CDATA[Freiberg wurde im Jahr 1168 gegründet, nachdem bei Christiansdorf, einem Dorf in der Nähe des heutigen Freibergs, Silbererz gefunden wurde. Die Stadt erhielt den Namen Freiberg, weil hier jedermann Silbererz abbauen konnte. Die Gründung Freibergs war ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Bergbaus im Erzgebirge. Die Stadt entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Handels- ... <p class="read-more-container"><a title="Freiberg: Sagen und Erzählungen" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/freiberg-sagen-und-erzaehlungen/#more-754" aria-label="Mehr Informationen über Freiberg: Sagen und Erzählungen">Continue</a></p>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: rgb(31, 31, 31); font-family: &quot;Google Sans&quot;, &quot;Helvetica Neue&quot;, sans-serif; font-size: 16px;">Freiberg wurde im Jahr 1168 gegründet, nachdem bei Christiansdorf, einem Dorf in der Nähe des heutigen Freibergs, Silbererz gefunden wurde. Die Stadt erhielt den Namen Freiberg, weil hier jedermann Silbererz abbauen konnte</span>. <span style="color: rgb(31, 31, 31); font-family: &quot;Google Sans&quot;, &quot;Helvetica Neue&quot;, sans-serif; font-size: 16px;">Die Gründung Freibergs war ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Bergbaus im Erzgebirge. Die Stadt entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Handels- und Wirtschaftszentrum und war im Mittelalter eine der größten Städte in Sachs</span>en. He<span style="color: rgb(31, 31, 31); font-family: &quot;Google Sans&quot;, &quot;Helvetica Neue&quot;, sans-serif; font-size: 16px;">ute ist Freiberg eine moderne Stadt mit rund 40.000 Einwohnern. Die Stadt ist vor allem bekannt für ihre Bergbaugeschichte und ihre Silbermannsorgel</span>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Sagen und Erzählungen rund um Freiberg</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Auffindung des Freiberger Bergwerkes</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Einst haben Fuhrleute Salz aus Halle an der Saale geholt, um es in Böhmen einzuführen, als sie nun an die Grenze des böhmischen und meißnischen Gebirges kamen, haben sie in der Gegend, wo jetzt die Stadt Freiberg liegt, in einem Wagengeleiße ein Geschiebe von gediegenem Bleierz angetroffen, welches vom Wasser blosgelegt worden war. Weil es nun dem Goslarischen Erz nicht ganz ähnlich sah, haben sie dasselbe auf den Wagen geworfen und hernach mit sich nach Goslar genommen, da sie bisweilen auch Blei von Goslar an andere Orte geführt. Da nun die Bergleute dieser Stadt gedachtes Geschiebe probeirten, so fanden sie, daß es an Silber weit reicher als der Goslarische Glanz- und Bleischweif war, es haben sich also eine Anzahl derselben aufgemacht und nach Anleitung der Fuhrleute dorthin begeben. Dadurch ist die heutige Bergstadt Freiberg nach und nach entstanden, jene Bergleute aber sind, weil ihnen ihr Suchen wohl gelungen, sämtlich reich geworden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Wahrzeichen der Stadt Freiberg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Früher mußte derjenige Handwerker, welcher sich ausweisen sollte, daß er zu Freiberg gewesen, wissen, daß auf dem Dache des alten Thurmes des Petersthores (bis 1631) auf allen vier Seiten ein steinerner Mannskopf zu sehen sei, angeblich zur Erinnerung an den Ueberläufer, der 1297 die Stadt an Kaiser Adolph von Nassau verrathen hatte, ferner daß sich an der Brücke eine große uralte männliche Statue wie ein Roland, mit dem königlich dänischen, churfürstlich sächsischen und Stadtwappen und der Jahreszahl 1557 befand, und endlich daß im Rathhause vor der sogenannten Commisionsstube nach dem Markte zu in zwei Ecksteinen Kreutze eingehauen waren und Erz darin eingefaßt war. Endlich ist auch noch der viereckige breite Stein auf dem Markte zu Freiberg, der die Stelle bezeichnet, wo Kunz von Kaufungen hingerichtet ward, ein solches Zeichen. Dieser Raubritter soll nämlich unter dem steinernen Kopfe am Erker des Rathhauses, der sich durch eine schreckliche Physiognomie, Knebelbart, Sturmhaube und das Bild der Gerechtigkeit über sich auszeichnet, und gerade auf jenen im Jahre 1702 erneuerten Stein hinblickt, verstanden werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Teufel holt einen verliebten Cleriker zu Freiberg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es hat sich zu Freiberg ein geistlicher Scholar auf der dasigen Klosterschule heftig in eine schöne Jungfrau verliebt und, weil er sie nicht zu seinem Willen verführen können, Rath und Hilfe bei einem Schwarzkünstler gesucht. Der hat ihn in einen Kreis gezogen und seine gewöhnlichen Beschwörungen angefangen, da denn der Teufel, der sich zu solchem Spotte nicht lange bitten läßt, geschwind in Gestalt der Jungfrau erschienen ist und sich also geberdet hat, daß der von brennender Liebe halb unsinnige Jüngling nicht anders vermeinet, als daß es seine Liebste sei. Darum sprang er auf und reichte ihr aus dem Kreise heraus die Hand, aber zu seinem großen Unglück und Verderben, denn alsbald riß ihn der Teufel zu sich hin und warf ihn dermaßen gegen die Wand, daß er auf der Stelle todt blieb. Dabei hatte er aber auch den Schwarzkünstler nicht geschont, sondern er nahm den zerschmetterten Körper und warf ihn mit solcher Gewalt wider denselben in den Kreis hinein, daß derselbe davon erstarrt die ganze Nacht winselnd liegen blieb und am Morgen noch halb todt gefunden und nachmals zur gebührenden Strafe gezogen ward. Solches geschah im Jahre des Herrn 1260.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Wallfahrt zur schönen Marie in Freiberg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahre 1261 sind die Geißler in großer Zahl in das Land Meißen gekommen und auch in die Stadt Freiberg gezogen, wo damals stark zur sogenannten schönen Marie gewallfahret ward. Sie sind halb nackend zwei und zwei baarfuß in rothen offenen Mänteln, so spanisch Armilausen heißen, einhergeschritten, allein ob sie wohl sich gegeisselt und große Buße und Heiligkeit vorgegeben, hat sie Bischoff Albrecht zu Meißen doch nicht leiden wollen, weil sie eine neue Secte seien, und haben sie bald wieder aus der Stadt weichen müssen. Von jener Wallfahrt meldet aber ein Cellischer Mönch, so sich Conrad von Freiberg nennt, es sei diese zu einem Marienbilde, das von Wachs in menschlicher Größe schön und zierlich geformt gewesen und in einer besondern Kapelle (wahrscheinlich im Johannishospitale oder der Frauenkirche) gestanden habe, gegangen, dorthin wären Leute von allen Orten, gerade wie wenn sie bezaubert gewesen, in Haufen zusammengeströmt, und was ein Jeder, Mann oder Frau, von seiner Arbeit gerade in der Hand gehabt, wie ihn diese Tollheit ergriffen, das habe er mit sich genommen und allda gelassen, wie auch viele krumme, lahme und andere preßhafte Menschen, die sich zu diesem Bilde gewendet und Gelübde verrichtet, gesund worden und ohne Mangel wieder davon gegangen sein sollen. Diese Wallfahrt hat lange Zeit gewährt, bis man erfahren, daß unter dem Scheine der Heiligkeit ein böses sodomitisches Leben und viel Schande und Laster getrieben werde, worauf durch ein Fürstlich Edict dem Pilgern dahin und den unordentlichen Zusammenkünften gesteuert und solche mit Ernst abgeschafft worden sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung des Freiberger Gebäcks: Der Bauerhase.</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Markgraf Friedrich mit der gebissenen Wange liebte das zu seiner Zeit mächtig emporblühende Freiberg vor allen andern Städten seines Landes und pflegte dort häufig Hof zu halten. Zu dem Kreise, den er dort gern um sich versammelte, gehörte ein Caplan, der die Freuden der Tafel nicht verschmähte und ihm wegen seines muntern aufgeklärten Wesens besonders wert war. Eines Fastnacht-Dienstags hatten die Herrschaften bis nahe an Mitternacht getafelt, als der Markgraf seinem Koch, Namens Bauer, befahl, als nächsten Gang Hasenbraten auf den Tisch zu bringen. Der Caplan, welcher des Guten vielleicht bereits genug getan hatte, erhob jedoch hiergegen Einspruch und erklärte es im Hinblick auf die mit Mitternacht anhebende Fastenzeit für Sünde, nach der letzteren Beginn noch eine Fleischspeise zu sich zu nehmen. Während der Markgraf nun hierüber mit dem Caplan in einen Wortstreit sich einließ, war der Koch, ein lustiger Patron, nachdem er verheißen, beiden Parteien alsbald gerecht werden zu wollen, in seine Küche gegangen, hatte von seinem Teig einen Hasen geformt, denselben mit Mandeln wohl bespickt, und offerierte dieses Gebäck alsbald dem Markgrafen und seinen Gästen mit dem Bemerken, daß dergleichen Hasen wohl auch in der Fastenzeit mit Fug und Recht gegessen werden könnten. Der Caplan, den diese neue Speise reizte, erklärte dieselbe sofort für zulässig und der Markgraf, mit seinem Koch höchlich zufrieden, befahl, daß das neue Gebäck, dem er, seinem Erfinder zu Ehren, den Namen »Bauerhase« beilegte, in Zukunft stets seine Tafel während der Fastenzeit ziere.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem Freudigen das Leben</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahre 1305 ist der Kaiser Albrecht nach Altenburg gekommen und hat Markgraf Friedrich den Freudigen zu sich entbieten lassen, ihn auch sehr freundlich aufgenommen und zu seiner Tafel gezogen, allein heimlich hat er einen Meuchelmörder bestellt gehabt, der plötzlich in&#8217;s Tafelzimmer hineinsprang und einen Stoß auf den Markgraf führte. Als dieses seine Diener sahen, ist der eine, so ein Bürger von Freiberg<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Gr%C3%A4sse,+Johann+Georg+Theodor/Sagen/Der+Sagenschatz+des+K%C3%B6nigreichs+Sachsen/Erster+Band/274.+Ein+Freiberger+B%C3%BCrger+rettet+Markgraf+Friedrich#fn1">1</a> gewesen, ihm in den Stoß gefallen, dabei aber tödlich verletzt worden, die andern aber haben zu ihrer Wehr gegriffen und teils den Täter in Stücke gehauen, teils ihren Herrn aus der Gefahr vom Schlosse hinweg und am folgenden Tage in fremden Kleidern aus der Stadt gebracht, worauf er sich nach Pegau gerettet hat.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="543" height="750" src="https://www.deutschesagen.de/wp-content/uploads/2023/10/k0142.jpg" alt="Meister der Liebesgärten, Ritterleben." class="wp-image-757" srcset="https://www.deutschesagen.de/wp-content/uploads/2023/10/k0142.jpg 543w, https://www.deutschesagen.de/wp-content/uploads/2023/10/k0142-217x300.jpg 217w" sizes="(max-width: 543px) 100vw, 543px" /><figcaption class="wp-element-caption">Meister der Liebesgärten, Ritterleben.</figcaption></figure>
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<h3 class="wp-block-heading">Die Mordgrube zu Freiberg.</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als um die Mitte des 14. Jahrhunderts das Bergwerk zu Freiberg im höchsten Flor war, trug es sich zu, daß, indem es gewöhnlich war, daß an Feiertagen gewisse Zusammenkünfte und gemeine Tänze bei Zechenhäusern gehalten wurden, auch in einer sehr berühmten Bergzeche zwischen Berthelsdorf und Erbißdorf ein solcher öffentlicher Reigentanz gehalten ward (1360). Da ist gerade ein katholischer Priester mit einer Monstranz vorübergegangen, um einen Kranken zu beichten, und der Glöckner hat nun zwar das gewöhnliche Zeichen mit dem Glöcklein gegeben, allein keiner der Tanzenden oder Zuschauer hat darauf geachtet, mit Ausnahme des Fiedlers, der zum Tanze aufspielte, welcher sich auf die Kniee niederließ, um dem heiligen Sacrament die Ehre zu erweisen. Da hat sich alsbald die Erde aufgethan, und die ganze anwesende Gesellschaft lebendig verschlungen, mit Ausnahme des Fiedlers, der sich auf einem kleinen Hügel so lange erhielt, bis man ihm zu Hülfe kam: dann ist aber der Hügel auch eingesunken, also daß man weder Tänzer noch Tänzerinnen wieder gesehen hat. Seit dieser Zeit hat sich aber an diesem Orte nie wieder irgend ein nützlicher Bau vornehmen lassen, man hat auch weder die Verfallenen, noch den Schmuck und das Geschmeide, so sie an und bei sich gehabt, wieder erlangen und retten können, denn ob man wohl oft geräumet und sonst viele Mühe deswegen angewendet, ist doch Alles, was man des Tages über bewältigt, des Nachts wieder eingegangen und hat daher diese Zeche noch bis heute den Namen Mordgrube behalten. Vor Zeiten ist die ganze Geschichte zu Erbißdorf in der dasigen Kirche abgemalt gewesen und im Jahre 1490 hat man an der Stelle jenes Ereignisses noch ein gewaltig rundes Loch, so groß wie der halbe Markt zu Freiberg sehen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der große Brand zu Freiberg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den 24. Juli des Jahres 1471 hat ein Bäcker zu Freiberg, Namens Werner Kühn, so sein Haus auf der Burggasse dem Oberthore gegenüber hatte, als das Holz bei Heizung des Backofens nicht gleich brennen wollte, solches in aller Teufel Namen brennen heißen. Darauf ist die Flamme zum Ofen herausgeschlagen, hat das Haus angezündet und also überhand genommen, daß kein Löschen mehr helfen wollen, also daß von der ganzen Stadt nur die Frauenkirche, die Meißner Gasse und die übrige Hälfte der Sechsstadt stehen blieb.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die schöne Polyxena zu Freiberg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Doctor des canonischen Rechts, Johann Gartewitz von Freiberg, († 1520) hat einige Zeit zu Rom gelebt und sich daselbst in den Stand der Ehe begeben, nach dem Tode seiner Frau aber ist er in den geistlichen Stand getreten, nach Freiberg zurückgekehrt und daselbst Canonicus geworden (1508). Er hat aber dahin seine in Rom gezeugte Tochter, die ihrer Schönheit wegen die schöne Polyxena genannt ward, mitgebracht, welche ein Brauherr auf der Meißner Gasse Andreas Behem (Böhme) geheißen zur Frau nahm. Diese hat ihrem Ehemann auf Anstiften eines Soldaten (Martin Krebs), mit dem sie Ehebruch getrieben, erst Gift beigebracht, und als dasselbe nicht nach Wunsch wirken wollen, denselben, ob er wohl bettlägerig und contract worden, doch um ihn los zu werden, des Nachts mit dem Brodmesser erstochen, vorgebend, als wenn er solches aus Schmerzen und Ungeduld selbst gethan. Sie ist aber, weil man Verdacht geschöpft, eingezogen und den 3. Septbr. 1522 enthauptet und alsdann aufs Rad gelegt worden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der ungeratene Sohn, der zu Freiberg drei Jahre auf einer Stelle gestanden hat</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahre 1545 hat ein Bürger zu Freiberg, Namens Lorenz Richter, seines Handwerks ein Leineweber, welcher auf der Weingasse gewohnt, seinem vierzehnjährigen Sohne etwas zu thun befohlen. Als dieser nun nicht alsobald den Befehl vollzogen, sondern in der Stube eine Zeit lang stehen blieb, hat er ihn aus zornigem, ergrimmten Gemüthe verwünscht und gesagt: ei so stehe, daß Du nimmermehr fortgehen könntest! Auf diesen Fluch und Verwünschung des Vaters ist der Knabe auch stracks stehen geblieben, daß er nicht von der Stelle kommen konnte, hat auch drei Jahre ganz auf derselben Stelle gestanden, also daß er eine tiefe Grube in die Diele getreten und man ihm des Nachts, wenn er schlafen wollte, ein Pult untersetzen mußte, damit er den Kopf und die Arme darauf legen und ein wenig ruhen konnte. Weil aber die Stelle, da er gestanden, nicht weit von der Stubenthüre beim Ofen, und den Leuten, die in die Stube gegangen, gleich im Anlaufe gewesen, so haben die Geistlichen bei der Stadt auf ihr vorhergehendes fleißiges Gebet ihn von dem Orte aufgehoben und gegenüber in den andern Winkel der Stube glücklich und ohne Schaden, wiewohl mit großer Mühe gebracht, denn wenn man ihn sonst forttragen wollen, ist er alsbald mit unaussprechlichen Schmerzen befallen und ganz wie rasend worden. An diesem Orte, sobald man ihn wieder niedergesetzt, hat er ferner bis ins vierte Jahr gestanden und die Diele noch tiefer durchgetreten als zuvor, da man denn einen Vorhang um ihn geschlagen, daß ihn die Aus- und Eingehenden nicht so sehen können, welches auf seine Bitte geschehen, weil er am Liebsten allein gewesen und wegen steter Traurigkeit nicht gern viel geredet. Endlich hat der gütige Gott ihm die Strafe etwas gemildert, so daß er das letzte halbe Jahr sitzen, sich auch in&#8217;s Bette, so neben ihn hingestellt worden, legen können. Wenn ihn Jemand gefragt, was er mache, hat er gemeiniglich geantwortet, er werde von Gott dem Herrn seiner Sünden wegen gezüchtigt, setze Alles in dessen Willen und halte sich an das Verdienst seines Herrn Jesu Christi, auf welches er hoffe selig zu werden. Hat sonst ganz elend ausgesehen, ist blaß und bleich von Angesicht und hager und schmächtigen Leibes, auch sehr mäßig in Essen und Trinken gewesen, daß man ihm oft die Speisen einnöthigen müssen. Nach verflossenen sieben Jahren ist er dieses seines betrübten Zustandes den 11. Septbr. 1552 entbunden worden und im wahren Bekenntniß und Glauben an den Herrn Jesum Christum eines natürlichen vernünftigen Todes, nicht aber an der Pestseuche, wie Einige geschrieben, gestorben. Die Fußtapfen hat man nach langer Zeit an beiden Orten im gedachten Hause in der obern Stube, da sich die Geschichte begeben, die ersten beim Ofen, die andern in der daneben befindlichen Kammer, indem die Stube hernach kleiner gemacht und unterschieden worden, sehen können. Der Vater, von dem man gemeldet hat, daß man ihn wegen der erfolgten Wirkung seiner Verwünschung den himmlischen Vater genannt habe (dies ist unrichtig, sondern er erhielt den Namen, weil er in dem zu Pfingsten 1516 zu Freiberg auf dem Markte gehaltenen geistlichen Spiele den Gott Vater agirt hatte), hat besagte Fußtapfen in den Dielen alsbald nach des Sohnes Tode aussetzen lassen wollen, weil er sich wegen seines unbesonnenen Eifers und Fluchs geschämt, es hat ihm dies aber der Rath untersagt und geboten, daß er solche zum immerwährenden Gedächtniß stehen lassen mußte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Mönchskalb zu Freiberg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den 29. Juni 1523 ist zu Freiberg im öffentlichen Kuttelhofe in einer geschlachteten Kuh, so einem Bauer zu Klein-Waltersdorf zugehörte, das sogenannte Mönchskalb gefunden worden. Dieses Kalb hat einen runden ungestalteten Kopf gehabt und oben darauf eine Platte wie ein Pfaffe, sammt zwei großen Warzen wie kleine Hörner: mit dem Untermaule ist es einem Menschen, mit dem obern und der Nase einem Kalbe gleich, sonst aber ganz glatt am Leibe gewesen, es hat die Zunge lang aus dem Munde herausgestreckt; die Haut am Halse und Rücken herunter hat wie eine gewundene Mönchskutte ausgesehen, an den Seiten aber vorn und an den Beinen ist es voller Ritze und Schnitte gewesen, als wenn die Kutte zerhauen oder zerschnitten wäre. Solches Ungeheuer ist von<em> Dr.</em> M. Luther in seinen Schriften (Bd. IX. d. Witt. A. <em>f.</em> 187), wo es auch abgebildet wird, neben der Beschreibung des Papstesels, den man 1496 zu Rom gefangen, gedeutet worden, Melanchthon aber (<em>Epist. ad Camerarium p.</em> 22) meinte, daß durch dieses Kalb die Verderbniß der lutherischen Lehre in fleischliche und verderbliche Meinungen, wie sie zu selbiger Zeit im Schwunge gewesen, angezeigt worden, inmaßen auch bald hierauf ein Schwein zu Halle in den Osterfeiertagen ein Ferklein geworfen, welches einem Pfaffen in Gestalt des damaligen Habits ganz ähnlich gesehen. Es hat aber gedachtes Mönchskalb die Autorität der Geistlichen, so dem Papste zugethan gewesen, sehr verringert, also daß auch die Bergleute ein besonderes schimpfliches Lied davon gedichtet und dasselbe den Mönchen und Pfaffen zu Spott und Hohn lange Zeit allhier gesungen mit Bezug darauf, daß der Fleischer mit Vorbedacht und Willen das Fleisch von der Kuh, in welcher man das besagte Mönchskalb gefunden, Niemandem als den Canonicis, Mönchen und andern Geistlichen gelassen und solche dasselbe unbewußt verzehrt haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Affe mit dem Kinde zu Freiberg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Am 3. September des Jahres 1528 hat sich zu Freiberg ein Affe auf dem Schlosse losgerissen und ist durch das Hinterthor in ein nahe dabei stehendes Haus hineingeschlichen, wo er ein Kind, so noch in Windeln gewickelt gewesen, aus der Wiege genommen und damit fortgelaufen. Als man ihm nun nachgesetzt und die Gassen und Wege in der Stadt verlegt, daß er nicht weiter entwischen können, ist er mit dem Kinde auf ein Haus gesprungen, hat dasselbe oben auf der Dachrinne ausgewickelt, in die Vorderpfoten genommen und lange auf dem Dache mit demselben herumgegaukelt, also daß Jedermann gemeint, es werde um das Kind geschehen sein. Sobald jedoch sein Meister, der ihn im Schlosse erwartet, dazukam und ihm zurief, ist er wieder vom Dache herabgesprungen und hat demselben das Kind zwar ohne Windeln, doch unversehrt übergeben, worüber sich Jedermann gewundert und solches Gottes sonderbarer Güte und Bewahrung, so er dem Kinde erzeigt, zugeschrieben hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Teufel hört einen Bergmann beichten</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahre 1537 ist ein alter ehrlicher Bergmann zu Freiberg, Namens Benedix Reisiger, der auf der Viehgasse vor dem Petersthore wohnte, sehr krank gewesen. Zu diesem ist der Satan vor Aller Augen mit einem langen Papier (und in Gestalt und Kleidung eines Geistlichen, wie Manlius sagt), fast einer Kuhhaut gleich, gekommen und hat ihm gesagt, er sei als ein Notarius abgefertigt, alle seine Sünden, die er begangen, aufzuzeichnen, hat sich auch bei seinem Bette niedergesetzt, Feder und Tinte zur Hand genommen und den Bergmann solche zu erzählen ernstlich vermahnt. Wiewohl nun dieser anfangs sehr erschrocken ist, hat er doch bald wieder Muth gefaßt, sich des Herrn Christi getröstet und geantwortet: »ich bin ein armer Sünder, willst Du meine Sünden ja aufschreiben und bist deswegen hergekommen, so schreibe oben an: des Weibes Samen Christus Jesus hat der Schlange den Kopf zertreten.« Wie solches der Satan gehört, ist er alsbald mit Papier und Tinte verschwunden, daß nichts von ihm als ein übler und abscheulicher Gestank zurückgeblieben ist, der Bergmann aber ist in festem Glauben an das Verdienst Christi kurz darauf sanft und selig verstorben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Satan setzt einem Bergmann hart zu</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den 26. Februar des Jahres 1607 hat ein Bergmann, welcher sonst seines stillen und eingezogenen Wandels halber gutes Lob gehabt, in der Fastnachtszeche von Andern angehetzt, allerhand Ueppigkeit getrieben und etliche leichtfertige Reden von Gott und göttlichen Sachen geführt, unter andern vorgegeben, daß, ob er schon in die Hölle käme, doch gute Gesellen genug darin anzutreffen sein würden. Als dieser nun Abends heimgehen wollte, ist ihm der Satan in schrecklicher Gestalt erschienen und hat ihm heftig zugesetzt und gedroht, mit Vermelden, daß, so er rechte Macht über ihn hätte, wollte er ihn bald an den Ort führen, dahin er zu guten Gesellen begehre, ist auch hernach eine Zeitlang neben ihm in und aus der Grube gefahren, daß er nirgends Ruhe haben konnte, sondern überall hart angefochten und geplagt ward, bis er endlich Trost bei seinem Beichtvater suchte, das heilige Abendmahl nahm, ein gottesfürchtiges Leben versprach und böse Gesellschaft gemieden hat, worauf der Satan ausblieb und sich nicht ferner sehen ließ.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" width="499" height="398" src="https://www.deutschesagen.de/wp-content/uploads/2023/10/k0383.jpg" alt="Baugerüst. Mittelalter" class="wp-image-756" srcset="https://www.deutschesagen.de/wp-content/uploads/2023/10/k0383.jpg 499w, https://www.deutschesagen.de/wp-content/uploads/2023/10/k0383-300x239.jpg 300w" sizes="(max-width: 499px) 100vw, 499px" /><figcaption class="wp-element-caption">Baugerüst. Mittelalter</figcaption></figure>
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<h3 class="wp-block-heading">Der Donatsthurm zu Freiberg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem sogenannten Donatsthore zu Freiberg befindet sich ein runder und sehr starker Thurm, dessen Mauern 9 Ellen stark sind und den angeblich die Bergleute, so jeder nur einen Pfennig von ihrem Solde abgegeben, haben erbauen lassen. Wenn man nun um die Stadt Freiberg herumgeht, so sieht man, wenn man vom Erbischen Thore nach dem Donatthor zugeht, einen kleinen viereckigen Wachtthurm, hinter den sich, sobald man demselben gleichsteht, der große Donatthorthurm verkriecht, also daß man von solchem nichts mehr als den Knopf von der oben darauf stehenden Fahne sehen kann, trotzdem daß der große Thurm noch mehr als einmal so hoch ist, als der nächst vorstehende Wachtthurm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Donat Spath, im Bereiche der Elisabethen Fundgrube zu Freiberg sieht man in der Nähe eines alten Schachtes den Namen <em>Hans</em> in Stein gehauen und deutet ihn als das Erinnerungszeichen an einen hier verunglückten Bergmann dieses Namens. Die Sage erzählt hierüber Folgendes.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Berggeist am Donat zu Freiberg.</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es hat einmal am Donat ein armer Bergmann, Namens Hans, gearbeitet, der so in Dürftigkeit schmachtete, daß er oft in der Grube mit Thränen laut über seine Noth jammerte. Da zertheilte sich einmal plötzlich der Felsen und aus dem steinernen Thore trat ein kleines Männchen hervor. Das war der Berggeist. Der sprach zu ihm: »Hans, ich will Dir helfen, aber Du mußt mir jede Schicht dafür ein Pfennigbrod und ein Pfenniglicht geben und keinem Menschen etwas davon sagen.« Hans erschrak zwar, allein da er sah, daß derselbe guter Laune sei, so versprach er Alles. Der Berggeist verschwand und ließ ihm viel Silber zurück, Hans aber hatte nun immer Ueberfluß an Geld, ließ tüchtig aufgehen, hütete sich aber wohl, irgend Jemandem etwas von seiner Geldquelle zu sagen. Da kam das Stollnbier, an welchem die Bergleute gewöhnlich etwas über die Schnur zu hauen pflegen. Dies that leider auch Hans, und nicht lange dauerte es, so war er schwarz, vergaß sein dem Berggeist gegebenes Versprechen und erzählte seinen Genossen, was ihm begegnet war. Am andern Tage, als er nüchtern geworden, erinnerte er sich freilich an sein Geschwätz, allein er konnte das Gesagte nicht wieder zurücknehmen und fuhr mit Zittern und Zagen an. Sein Geschäft war aber, den Knechten, welche am Haspel standen, das Zeichen zu geben, allein dasselbe ließ an diesem Tage lange auf sich warten, man rief ihn zwar, aber es erfolgte keine Antwort. Plötzlich zuckte es am Seile, ein helles Licht erglänzte in der Teufe, und die Haspelknechte, die freilich nicht wußten, was das zu bedeuten haben könne, drehten gleichwohl geschwind den Rundbaum und bald war der Kübel zu Tage gefördert. Allein statt des Erzes lag in demselben der Bergmann Hans todt mit blauem Gesichte wie ein Erwürgter, auf ihm das letzte Pfennigbrod und rings um den Kübel brannten die Pfenniglichter, die er dem Berggeist geopfert hatte und die dieser jetzt samt dem todten Geber zurückgab.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sprüche von der Stadt Freiberg.</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt Freiberg ist nicht blos durch ihren reichen Bergsegen, sondern auch durch die Schönheit ihrer Lage berühmt gewesen; davon sagt ein altes Sprichwort (bei Knauth, <em>Prodr. Misn.</em> S. 172): wenn Leipzig mein wäre, wollte ich es in Freiberg verzehren. Obgleich das Freiberger Bier zwar keinen besondern Namen hatte, wie es im 16. und 17. Jahrhundert Mode war<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Gr%C3%A4sse,+Johann+Georg+Theodor/Sagen/Der+Sagenschatz+des+K%C3%B6nigreichs+Sachsen/Erster+Band/289.+Spr%C3%BCche+von+der+Stadt+Freiberg#fn1">1</a>, gab es doch zu einem andern Sprichworte Gelegenheit. Dieses hieß: es kitzelt einem in der Nase, wie das Freiberger Bier. Ein anderes Sprüchlein, daß sich zugleich mit auf zwei andere Städte Sachsens bezieht und deren Untergang prophezeit, lautet traurig genug also:<a href="http://www.zeno.org/Literatur/L/Gr%C3%A4sse-Sachsen+Bd.+1">[</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Meißen wird ertrinken,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Freiberg wird versinken,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dresen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wird man zusammenkehren mit Besen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">allein glücklicher Weise ist diese böse Prophezeihung noch bei keinem der genannten Orte wahr geworden, wiewohl das theilweise Eintreffen derselben bei dem fast ganz durch den Bergbau unterminirten Freiberg nicht gerade zu den Unmöglichkeiten gehören würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Original: <strong>Johann Georg Theodor Grässe</strong>, Sagenbuch des preußischen Staates</p>



<p class="wp-block-paragraph"><p data-sourcepos="5:1-5:152" style="margin: 24px 0px; word-break: break-word; color: rgb(31, 31, 31); font-family: &quot;Google Sans&quot;, &quot;Helvetica Neue&quot;, sans-serif; font-size: 16px;"></p><p data-sourcepos="5:1-5:152" style="margin: 24px 0px; word-break: break-word; color: rgb(31, 31, 31); font-family: &quot;Google Sans&quot;, &quot;Helvetica Neue&quot;, sans-serif; font-size: 16px;"></p></p>



<p class="wp-block-paragraph"><p data-sourcepos="5:1-5:152" style="margin: 24px 0px; word-break: break-word; color: rgb(31, 31, 31); font-family: &quot;Google Sans&quot;, &quot;Helvetica Neue&quot;, sans-serif; font-size: 16px;"></p></p>
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		<title>Sagen rund um Gotha</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Sep 2021 15:54:46 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Schloss Friedenstein]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Herr Augustin Zu Gotha am Jakobsplatz steht ein steinern Haus mit einem Steingebilde, darauf ist ein Mann zu erblicken, der zweien Kindlein Brötchen darreicht, und stellt solches Bild den Herrn Augustin vor, welcher ein absonderlicher Kinderfreund war. Stets beschenkte er arme Kinder, ging niemals aus ohne die Taschen voll Gaben, und es war, als ob ... <p class="read-more-container"><a title="Sagen rund um Gotha" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/sagen-rund-um-gotha/#more-740" aria-label="Mehr Informationen über Sagen rund um Gotha">Continue</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="gb-headline gb-headline-8ea05108 gb-headline-text">Der Herr Augustin</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Gotha am Jakobsplatz steht ein steinern Haus mit einem Steingebilde, darauf ist ein Mann zu erblicken, der zweien Kindlein Brötchen darreicht, und stellt solches Bild den Herrn Augustin vor, welcher ein absonderlicher Kinderfreund war. Stets beschenkte er arme Kinder, ging niemals aus ohne die Taschen voll Gaben, und es war, als ob es aus sotanen Taschen quölle und sie nimmer leer würden. Selbiger Herr Augustin wurde achtzig Jahre alt unter solcher Liebe zu den Kindern und der Kinder zu ihm, und da es mit ihm zum Sterben gedieh, hat man zwei Knäblein an seinem Lager sitzen sehen, welche ihm die Augen schlossen, und auf seinem Grabe ist drei Tage lang ein Knäblein sitzend gesehen worden, niemand aber hat dasselbe gekannt.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-71ca17dd gb-headline-text">Der Schatz auf dem Schlosse Friedenstein</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Schlosse Friedenstein zu Gotha, darinnen die Ahnfrau des herzoglichen Hauses umwandelt, war ein Mann vom Soldatenstande des Namens Eckart Hofverwalter, und pflegte bisweilen in der Hofstube auf einer Bank die Nacht hinzubringen, besonders dann, wenn langanhaltende Festlichkeiten bei Hofe seinen Dienst bis in die späte Nacht erfordert hatten. Der erblickte einst in dieser Stube einen Geist, der ihm zu folgen winkte. Eckart nahm das noch brennende Licht und ging ohne Furcht dem Geist nach. Dieser führte ihn durch mehrere Gänge in ein Gewölbe, da stand ein großer Kessel ganz voll Goldstücke, und der Geist bedeutete dem Mann, er solle zugreifen und den Schatz heben. Aber es kam ihm Grauen und Entsetzen an, und er wich nach der Hofstube zurück. Der Geist folgte ihm und suchte ihn unter beweglichen Gebärden zu vermögen, umzukehren. Er solle nur ein Drittel des Schatzes für sich nehmen und die beiden andern Dritteile der Landesherrschaft geben, aber Eckart ließ sich nicht darauf ein. Am folgenden Morgen eröffnete er den Vorgang seinem Herrn, dem Herzog Friedrich II., und bat um Verhaltungsbefehle in dieser Sache. Der Herzog sprach, er befehle ihm hierin nichts, wolle er fürder mit dem Geist gehen, so möge er es auf eigene Gefahr tun. Nach einiger Zeit fand man die Hofstube verschlossen, und der Hofverwalter war nicht zu sehen. Man klopfte und rief, so stark man konnte, und endlich ward die Türe aufgebrochen. Der Hofverwalter lag fast leblos mit dem Kopfe auf dem Tische; er wurde zwar wieder zu sich gebracht, doch war nichts aus ihm herauszubringen. Nur einem Geistlichen hat er hernachmals offenbart, daß der Geist ihm abermals erschienen und gar wehmütig gefleht, gleich wie das Gespenst bei der Edelfrau zu Gehofen, doch den ihm bescherten Schatz zu heben. Er solle sich nur nicht fürchten; es werde zwar eine Geistesgestalt wie ein welscher Hahn ihm zwischen den Beinen hindurchfahren, doch ohne Schaden, und der Wert des Schatzes betrage vierzigtausend Taler. Er, der Hofverwalter, habe aber gesagt, er tue es nicht, er liebe und lobe sich die welschen Hahnen gebraten vor ihm in der Schüssel und nicht also, wie der Geist zu verstehen gegeben, da habe der letztere schrecklich wehmütige und entsetzliche Gebärden gemacht, so daß er, Eckart, darüber ganz die Besinnung verloren habe. Der Geistliche gab den Rat, nicht mehr in der Hofstube zu schlafen, sich einen fetten Konsistorialvogel braten zu lassen und zur Stärkung eine Flasche Wein dazu zu trinken, wobei er ihm auf Verlangen Gesellschaft zu leisten gern erbötig; selbiges hat Eckart getan und ist nachher von dem Geist unbeschwert geblieben, sonach dürfte der Schatz noch zu heben sein, wenn der Geist nicht einen andern Mann gefunden hat. Eckart hat nachher noch manchen welschen Hahnen vor sich erscheinen lassen, dabei zum öftern sein Erlebnis erzählt und ist als herzoglicher Major zu Gotha nach einem löblichen Leben seliglich verstorben.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-8f34e6e1 gb-headline-text">Thüringen Fluten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Große und greuliche Wasserfluten haben oft das Thüringerland heimgesucht. Eine der schrecklichsten war die am 17. Maimond 1558; die Erde erbebte, und die Schleusen des Himmels gossen stromgleiche Fluten auf die Fluren zwischen Gotha und Langensalza nieder. Im Orte der Grafen von Gleichen, Burgtonna, wurden fast vierzig Häuser und Scheunen zumal und von Grund aus verwüstet, daß man hernach nicht mehr sah, wo Haus oder Scheuer gestanden. Starke Bäume wurden mit den Wurzeln ausgerissen und davongeführt, sechsundvierzig Personen fanden nur allein in Burgtonna ihren Tod. In einem der hinweggerissenen Häuser, des Hirten Wohnung, lag eine Wöchnerin, die Tags vorher geboren hatte. Das Kindlein lag in einer Mulde, das Haus stürzte zusammen, die Mutter verdarb, das Neugeborene schwamm in seiner Mulde unversehrt neunzig Schritte weit davon, blieb im Gezweig eines Apfelbaumes hangen und ward gefunden lebend und ohne Leid. An manchen Stellen im Dorfe hat das Wasser dreier Männer Höhe übereinander erreicht. Ein Mann sang noch im Untersinken: Nun bitten wir den Heiligen Geist; ein anderer reckte seine Hand im Sinken aus dem Wasser und segnete die, so noch lebendig. Ein Knabe, ein Knecht und ein Futterschneider gewannen einen hohen Birnbaum, die erhielten ihr Leben. Ein im Lande umwandernder Buchträger, heutzutage neumodisch Kolporteur genannt, kam auf einen Balken rittlings zu sitzen, schwemmte fünf Ackerlängen hinweg und brachte sich und seinen Bücherranzen glücklich und unversehrt ins Trockne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war aber alles nichts gegen eine Flut, dergleichen nie vorher und nie nachher erhöret worden im Thüringer Lande, die geschahe am 29. Mai 1613. Da kamen Wetter von allen Seiten und standen viele Meilen in die Runde über dem Lande und tobten gegeneinander, daß alle Leute glaubten, der Erde jüngster und letzter Tag sei herbeigekommen, das reichte von der Saale bis zum Harz und von der Werra bis zur Elbe. Die Ilm überschwoll ihr Bette zehn bis zwölf Ellen hoch, riß in Weimar vierundvierzig Häuser und Scheuern weg, ertränkte vierundsiebzig Menschen und zweihundert Stück Vieh; noch ist am Kegeltor daselbst der schwarze Strich, das Wahrzeichen, wie hoch dort die Flut stand. In Oberweimar ertranken vierzehn Menschen, stürzten zweiundzwanzig Häuser ein; in Mellingen raffte die Flut zweiundzwanzig Menschen hinweg und zertrümmerte sechsunddreißig Häuser. Eines Hirten Weib ertrank mit zugleich vier Kindern; der Vater, der sich rettete, hörte noch, wie das jüngste, als seine kleine Lagerstätte schon schwamm, die Mutter fragte: Kommen wir auch in den Himmel, wenn wir ertrinken? – und als jene mit Ja! antwortete, hat das Kindlein gerufen: Ei, so will ich gern mit ertrinken! Gut Nacht, lieb Vater und Mutter! – Mehrere Dörfer wurden fast ganz hinweggerissen, so daß nur wenige Häuser stehenblieben. In Gotha blieb kaum ein Fenster ganz von den Schloßen, kein Halm auf den Äckern. Mühlhausen litt ungemein; der Schade, den Wetter und Flut in Langensalza tat, ward allein auf eine Tonne Goldes geschätzt, aber er ganze Schade im Thüringer Lande auf mehrere Millionen Taler. Nur allein zwischen Jena und Magdeburg ertranken über zweitausend Personen oder wurden von einstürzenden Häusern begraben. Diesen furchtbaren Wassererguß nannte man hernachmals die Thüringer Sündflut und erkannte in ihr ein strafendes Gottesurteil, um so mehr, als alle römischen Zahlbuchstaben dieses strafenden Jahres in einem einzigen Worte enthalten waren, und das war das Wort IVDICIVM (MDCXIII).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bechstein</p>



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		<title>Sagen rund um Arnstadt</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Sep 2021 15:50:17 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Arnstadt]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Jungfernsprung und die Böhlersmännchen Bei Arnstadt ist eine enge und tiefe Talrinne, das Jonastal; warum es diesen Namen führt, weiß niemand; im Tale aber ist eine senkrechte schroffe Felsenwand, die heißt der Jungfernsprung, dort sprang eine von einem Reiter verfolgte Jungfrau hinunter, indem sie sich den Engeln anbefahl; diese haben sie auch umfangen und ... <p class="read-more-container"><a title="Sagen rund um Arnstadt" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/sagen-rund-um-arnstadt/#more-735" aria-label="Mehr Informationen über Sagen rund um Arnstadt">Continue</a></p>]]></description>
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<h2 class="gb-headline gb-headline-591a2772 gb-headline-text">Der Jungfernsprung und die Böhlersmännchen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Arnstadt ist eine enge und tiefe Talrinne, das Jonastal; warum es diesen Namen führt, weiß niemand; im Tale aber ist eine senkrechte schroffe Felsenwand, die heißt der Jungfernsprung, dort sprang eine von einem Reiter verfolgte Jungfrau hinunter, indem sie sich den Engeln anbefahl; diese haben sie auch umfangen und sanft zu Boden getragen, der Reiter aber sprengte, da er sein Roß nicht mehr zu zügeln vermochte, ihr nach, und Mann und Roß zerschmetterten im tiefen Abgrund. Am Eingang dieses Tales liegt der Schöne Brunnen, der hat früher der Jungfernbrunnen geheißen. Vor ohngefähr fünfzig Jahren soll einmal ein kleiner Arnstädter Chorschüler hinauf auf den Jungfernsprungfels spazierengegangen sein, da habe ihn aber ein heftiger Sturmwind ergriffen, daß er sich nicht habe halten können, zumal der Wind in seinen Mantel wie ein Segel geblasen, und habe ihn in die Tiefe gerissen, aber im Heruntersinken sei der Chormantel dem Knaben zum Fallschirm geworden und jener ohne Verletzung davongekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Tiefe dieses Tales, weiter oben, ist ein Felsloch, das Böhlersloch genannt, darinnen wohnen Zwerge, die Böhlersmännchen genannt, gutartig und boshaft, nach der viel geschilderten Tückebolde Art. Sie gleichen den Nievelmännchen und Ouwelmännchen, von denen man zu Limburg an der Maas erzählt. Es ist in dieser Talrinne, die noch höher hinauf nach Espenfeld zu das Götzental heißt, gar nicht geheuer; nächtlichen Wanderern hocken sich Gespenster auf den Rücken und lassen sich eine gute Strecke huckepack tragen. Das ist schon manchem geschehen, der spät von Schönbrunnen, allwo es gutes Weizenbier zu trinken gibt, jenen Weg ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An vielen andern Orten in Thüringen gibt es noch Zwerghöhlen und werden da und dort Wichtleinslöcher und Wichtleinshöhlen genannt, so bei Buffart an der Ilm, bei Salzmünde, bei Meiningen, bei Dillstädt und Wichtshausen, und geht an manchen Orten die Sage, daß zur Zeit der Hunneneinfälle die Menschen sich vor den schrecklichen Heunen gleich als kleine furchtsame Wichtlein in diese Löcher verkrochen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die verschiedenen Türme</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Von der Liebfrauenkirche zu Arnstadt gehen viele Sagen. Dieselbe hat außer dem großen Glockenturm zu Seiten des westlichen Portales zwei Türme, von denen ist einer im byzantinischen, der andere im gotischen Baustile aufgeführt und soll den einen der Meister, den andern sein Geselle allein erbaut haben. Da nun der Turm des Gesellen als der schönere und zierlichere allgemein gepriesen worden, sei des Meisters Eifersucht erwacht, und er habe den Gesellen unversehens von seinem Turme herabgeworfen; da sei dem Gesellen dessen treuer Hund nachgesprungen und hernachmals als ein Steinbild zur Zier und zum Andenken am Turme angebracht worden, wie noch heute zu sehen. In der öden Liebfrauenkirche ist es nicht geheuer, Geister halten darinnen um Mitternacht ihre Metten. Von den Türmen zu Naumburg und vielen andern geht ganz dieselbe oder eine doch wenig unterschiedene Sage. Innen über einer Türe hängt auch eine Riesenrippe; dieses Riesen Grab ist unterm Walperberge, und am Wege nach Haarhausen hat derselbige seinen Löffel in die Erde gesteckt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Voll Maß! Voll Maß!</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Arnstadt liegt ein schöner kräuterreicher Bergwald, das Walperholz, so geheißen, weil auf der Höhe in alten Zeiten ein Kloster zur heiligen Walpurgis gestanden hat. Dort ist eine Waldecke, wo man es nennt an den hohen Buchen, und steht auch eine sogenannte Jagdbuche dort. An dieser Buche befindet ich ein runder Platz, darauf nie Rasen wächst, auch sonst kein Gras und kein Kraut. Dorthin ist gebannt der ruhelose Geist einer Bierzapferin, weil sie bei ihrem Leben zu geringes Maß gegeben hat, deren Name ist Frau Holle. Zuzeiten sieht man sie in altväterischer Tracht rastlos um die Jagdbuche wandern und hört einen kläglichen Ruf, den sie fort und fort ausstößt: Voll Maß, voll Maß!</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Sage ist sicher der mythische Name Frau Holle auf den des gebannten Geistes übertragen worden; sie erinnert an die Wandlerin unterm reißenden Stein bei Mehlis, welche die Kunden vervorteilte und gebannt wurde und immer ruft: Drei Quärtchen für eine Kanne! Drei Viertel für ein Pfund!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bechstein</p>



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		<title>Sagen rund um Meißen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jul 2021 10:04:45 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Meissen]]></category>
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					<description><![CDATA[Bischoff Ido zu Meißen Der fromme Bischoff Ido oder Eicho, ein geborener Graf zu Rochlitz, starb auf der Rückreise aus Polen, wohin er zur Bekehrung der Heiden gezogen war, zu Leipzig (1016). Er hatte seinen Tod vorausgesagt und verlangt, man solle ihn nicht zu Meißen beerdigen, weil die Stadt noch ganz zerstört werden würde. Gleichwohl ... <p class="read-more-container"><a title="Sagen rund um Meißen" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/sagen-rund-um-meissen/#more-701" aria-label="Mehr Informationen über Sagen rund um Meißen">Continue</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="gb-headline gb-headline-e5887723 gb-headline-text">Bischoff Ido zu Meißen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der fromme Bischoff Ido oder Eicho, ein geborener Graf zu Rochlitz, starb auf der Rückreise aus Polen, wohin er zur Bekehrung der Heiden gezogen war, zu Leipzig (1016). Er hatte seinen Tod vorausgesagt und verlangt, man solle ihn nicht zu Meißen beerdigen, weil die Stadt noch ganz zerstört werden würde. Gleichwohl hat ihn Markgraf Eckhard dort begraben lassen in der Hoffnung, dadurch das Unglück abzuwenden. Doch ist sein Leichnam von seinem Vetter Graf Hermann von Rochlitz nach wenigen Jahren gen Colditz gebracht und dort in der St. Magnus-Kirche beigesetzt worden. Darauf ist 1020 die Pest nach Meißen gekommen und hat schrecklich gewütet.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-04eab7e2 gb-headline-text">Vom heiligen Beneda</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem Schlosse Meißen hatte im Jahre 1088 der Böhmenkönig Wratislaus I. eine Gegenfestung angelegt, Guozedek genannt, nachdem das Land durch Kaiser Heinrich IV. mit Böhmen vereinigt worden war. Da kam ein böhmischer Edler, Namens Beneda, der aus seinem Vaterlande verbannt war, zum h. Benno und bat ihn um Aufnahme, die dieser ihm auch gewährte. Der Böhmenkönig aber ließ ihn auffordern unter sicherem Geleite auf Burg Guozedek zu kommen, was jener auch that, allein als dieser sich von dem König mit glatten Worten verleiten ließ, Mantel und Schwert abzulegen, da wollte dieser ihn greifen lassen, Beneda aber entriß einem Kämmerling sein Schwert und hieb diesen zuerst nieder. Da nun der König allein war, so versprach er ihm Gnade, wenn er einhalten wollte: Beneda that auch dieses, da drang der König, der mittlerweile sich wieder gefaßt&nbsp;hatte, selbst auf ihn, wäre aber von ihm getötet worden, wäre nicht die Wache herbeigeeilt und hätte Beneda nach tapferer Gegenwehr überwältigt. Hierauf ist dieser mit vier Pferden zerrissen und sein Körper am 11ten Juli vor dem Eingange zur Domkirche, wo sein Grabstein noch jetzt ist, beerdigt worden; das Grab umgab aber ein Heiligenschein, er machte Tote lebendig, Blinde sehend, Taube hörend, Stumme redend und Aussätzige heil, worauf man seinen Leichnam ausgrub, zusammensetzte und in die Kirche nahm, wo er dann unter die Heiligen versetzt ward.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-2fcd51a3 gb-headline-text">Wunderbares Gelüste einer Frau</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahre 1506 hat eine hochschwangere Frau auf dem Marktplatze zu Meißen einen Tuchknappen mit bloßen Beinen stehen sehen, da hat es ihr gelüstet, drei Bisse in seine Waden zu tun, welches er zweimal geschehen lassen, aber das dritte Mal nicht, darauf sie von drei Söhnen genesen, mit zwei lebendigen und einem toten.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-4920744d gb-headline-text">Wunderbare Errettung eines Kindes</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahre 1565 hat eine Jungfrau ein dreijähriges Mädchen aus der Stadt Meißen entführt, als sie nun an das angeschwollene Flüßchen Triebisch kam, hat sie es entkleidet, nackt durchgeführt und dann wieder angezogen, aber trotz Regens und Sturms auf der Erde liegen lassen und ist davon gegangen. Hier ist es erst am Mittage des folgenden Tages von einem Landmann auf dem Gesichte liegend, aber unversehrt gefunden worden, und als die bekümmerten Eltern das wiedergefundene Kind gefragt, wer bei ihnen gewesen, antwortete es, weiße Hundchen hätten es bewacht.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-13b98dbc gb-headline-text">Der Grabstein des Wolfgang von Schleinitz in der St. Afrakirch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wolfgang von Schleinitz, ein sehr schöner Mann, soll verordnet haben, man solle ihn nicht, wie er bei seinem Tode aussehe, in Stein abbilden, sondern erst, wenn er einige Wochen in der Erde gelegen, ausgraben und was er dann für eine Gestalt habe, die solle man auf einem Steine abbilden. Solches Bild des den 4. Oktober 1523 gestorbenen Ritters ist heute noch in der St. Afrakirche zu schauen, nämlich ein Totengerippe, dem am Halse eine Schlange hängt, während Arme und Beine von Schlangen durchzogen sind.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-ca2ee152 gb-headline-text">&nbsp;Die Meißner Hungerrosen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Stadt Meißen hat man etliche Male auf Weidenbäumen ein sonderbares Gewächs gefunden, eine Art Blumen an einem langen Stiele, holzfarbig und so hart wie ein Hobelspan. Weil nun jedes Mal, wenn man solches gefunden, ein schweres theures Jahr folgte, hat man jenes die Hungerrosen genannt. Zu Porten bei Dresden und Höllendorf bei Königstein sind im Jahre 1759, dort auf einer Linde, hier auf einer Weide solche Rosen gewachsen, und hat man dies als eine Vorbedeutung langen Friedens angesehen.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-abf1f5b1 gb-headline-text">Die tapferen Weiber von Meißen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 13ten September des Jahres 1015 hat Mesico, des Herzogs Boleslai in Polen Sohn, die Stadt Meißen belagert, da gleich Niemand unter den Markgrafen daheim&nbsp;gewesen. Damals haben die Feinde der Stadt am heftigsten bei der Wasserburg zugesetzt und daselbst allbereit zwei Türme angezündet gehabt, welche die Weiber in Eil und in Mangel des Wassers mit Meth gelöschet. Da nun Mesico von einem nahen Berge gesehen, daß sich die Bürger so tapfer gewehrt, auch daß viele von den seinen umgekommen, hat er sie vom Belagern und Stürmen wieder abgerufen: darauf ist die Elbe des Nachts so sehr gewachsen, daß sich die Polen besorget, sie möchten das Ihre ober dem Wasser verlieren, sich derowegen davon gemacht. Wegen dieser Geschichte und wunderlichen Errettung der Stadt Meißen hat man hernach jährlich den Tag Mariä Geburt feierlich begangen, bis zu Mannes Gedenken, daß nämlich die Mannspersonen alle aufs Rathhaus, die Weiber aber ins Bürgermeisters Haus zusammenkommen, von dannen sie miteinander in die Kirche gegangen sind und Gott und nach derselben Zeit Gebrauch unserer lieben Frau für solche gnädige Abwendung der Feinde Gewalt gedanket und um ferneren Schutz gebeten haben. Mit den ersten Jahren der Reformation hat jedoch diese Prozession wieder aufgehört.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-01e0da8c gb-headline-text">Die Bettelmannskirche</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der südöstlichen Seite von Meißen erhebt sich ziemlich steil der sogenannte Plossenberg, dessen westlich vorspringender Theil jedoch den Namen Martinsberg von der diese Höhe krönenden, 1570 zum Kloster St. Afra gehörigen Begräbnißkirche zu St. Martini (für die Bewohner der Dörfer Bockwein und Lerche) hat. Die Entstehung derselben wird verschieden erzählt. Nach einigen soll nämlich ein Ritter auf Schloß Siebeneichen bei Meißen sieben Söhne gehabt haben, deren einer Namens Martin ins gelobte Land zog, um für die von seinen Vorfahren begangenen Unthaten am Grabe&nbsp;des Erlösers Verzeihung zu erflehen. Nach langem Herumirren in der Fremde kehrte er endlich in sein Vaterland zurück und soll auf dem genannten Berge ein Pilgerhaus zur Aufnahme für Arme und Kranke gestiftet haben, welches, freilich in ausgearteter Gestalt – es war zu einer Freistätte für alles liederliche Gesindel geworden – bis zum J. 1520, unter dem Namen »der elende Kretscham (d.h. Herberge für elende Pilger)« am Fuße des Berges (zwischen der Salzniederlage und dem jetzigen Gasthof zum goldenen Schiff, welcher um 1531 die Gastgerechtigkeit von ihm erhielt) bestand. Mit diesem war aber eine Kapelle vereinigt worden, welche dem h. Martin geweiht war, der auch auf einem alten Altargemälde darin abgebildet war, wie er seine Kleider (nach der Legende) zerreißt und unter die Armen verteilt. – Einer anderen Ursache schreibt aber eine von der eben mitgeteilten abweichende Sage die Entstehung der Kapelle zu. Es lebte nämlich in der zweiten Hälfte des 15ten Jahrhunderts zu Meißen ein wackerer Bürgersmann, Namens Martin, seines Zeichens ein Maurer, der fast allen seinen Verdienst zur Unterstützung der Armen verwendete. Derselbe war auch mit unter den von dem Baumeister Arnold von Westphalen zur Erbauung der Albrechtsburg (1471-83) verwendeten Werkleuten, stürzte aber eines Tags von einem Gerüste herunter und ward in Folge dieses Falles, der ihn lange an&#8217;s Krankenbett fesselte, zum Bettler, da er alle seine früheren Kräfte verloren hatte und contract geworden war. In Folge davon mußte er betteln gehen, und so floß denn, wenn er auf den Stufen des Doms, auf Krücken gestützt, die in&#8217;s Gotteshaus Eilenden um Almosen anflehte, manche reichliche Gabe in seinen Bettlerhut. Siehe da kam die Pest mit ihren Schrecken, und Vater Martin ging nun in den angesteckten Häusern herum und brachte den Kranken, welche oft ihre eigenen Verwandten mieden, Trost, Abwartung und Hilfe, so daß manches Menschenleben lediglich durch seine Tätigkeit gerettet ward. Nachdem nun die Krankheit gewichen war, da schossen Rath und Bürgerschaft eine erkleckliche Summe zusammen, um ihm der Stadt Dankbarkeit zu beweisen. Martin aber lebte als Bettler fort und erbaute von dem ihm geschenkten Reichtum die Martinskirche, welche nach ihrem Erbauer auch die Bettelmannskirche genannt ward, und zum Andenken wurden in einem Steine im Innern der Kirche zwei Krücken&nbsp;eingehauen, welche für ewige Zeit an ihren Träger erinnern sollten und noch zu sehen sind.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-db721923 gb-headline-text">Der Dombrand</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 25sten April des Jahres 1547 stimmten die Domherrn zu Meißen wegen der Gefangennehmung des unglücklichen Kurfürst Johann Friedrich zu Mühlberg den Ambrosianischen Lobgesang bei voller Musik und unter Läutung aller Glocken an. Da schlug bei völlig wolkenleerem Himmel der Blitz in die Domkirche. Der zündende Blitzstrahl fuhr in die vordersten drei hohen prächtigen Haupttürme, durch das Gewölbe der Kirche in die Orgel, von da in die fürstliche Begräbnißkapelle und hier wieder heraus auf des Domherrn&nbsp;<em>Dr.</em>&nbsp;Hildebrand Günthers, eines berühmten Arztes († 1483) Grab, wo er durch die linke Achsel des auf der messingenen Platte befindlichen Bildnisses eine Oeffnung von Speciesthalergröße machte und hier erlosch. Nichtsdestoweniger brannten die Türme zusammen, stürzten neben dem Gewölbe herab, zertrümmerten viele der alten Monumente, die Glocken und die Orgelpfeifen zerschmolzen und auch das Kirchdach ging in Feuer auf. Daher kommt es, daß jetzt nur noch ein höckriger Turm statt dreien übrig ist, in den es übrigens, trotzdem daß er ganz durchsichtig ist, nie regnet,&nbsp;denn das Wasser läuft aus den Rachen der Hunde, welche an den Ecken des Turmes stehen, heraus, ohne in den Turm zu fallen.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-88cf797b gb-headline-text">&nbsp;Das böse&nbsp;<em>Quiproquo</em>&nbsp;im Schlosse zu Meißen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sonst befand sich, wenn man die Treppe in der Albrechtsburg heraufkam, eine sonderbare Historie in die Wand eingehauen. Es war einmal eine Markgräfin, welche nichts lieber sah, als blaue Violen, und demjenigen, so ihr im Frühjahr die erste zeigen konnte, eine schöne Verehrung gab: es ward auch dieses freudige Ereigniß allemal mit Trompeten- und Paukenschall bekannt gemacht. Als nun einstmals ihr Hofmeister die erste Viole erblickte, deckte er im Garten seinen Hut darüber, ging zur Markgräfin, dieselbe mit ihrem Frauenzimmer hineinzuführen und ihr das Violblümlein zu überliefern. Unterdessen hatte ihm aber der Hofnarr das Spiel verdorben und zu seinem Schimpf und Spott eine ganz andere Blume unter den Hut gelegt. Diese Geschichte hörte hier zu Meißen schon im 16. Jhrh. ein gewisser Philipp Hainhofer (s. Hormayr&#8217;s Taschenb. 1838. S. 256.) Sie ist auch dramatisch in dem altdeutschen Nithardspiele bei Keller, Fastnachtspiele Bd. I. S. 411 etc. und von Hans Sachs in einem Fastnachtsspiele (W. Bd. IV. Th. III.) behandelt worden.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-da4a09d9 gb-headline-text">Woher der Name: Der dumme Junge von Meißen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man früher Fremden die Porzellanfabrik zu Meißen zeigte, so führte man sie auch in ein übrigens ganz leeres Zimmer, in dessen Winkel eine Porzellanfigur stand, welche einen 12-14jährigen Knaben in natürlicher Größe darstellte. Trat man nun aber auf eine gewisse Diele, unter der eine Feder war, welche mit jener Figur in Verbindung&nbsp;stand, so steckte jener Knabe die Zunge heraus, wie es die chinesischen Porzellanpagoden noch jetzt machen, wenn man ihren in einem Gewichte gehenden Kopf in Bewegung setzt. Diesen Porzellanjungen, von dem ein zweites Exemplar auch auf dem Schlosse Hubertusburg stand, nannte man den dummen Jungen von Meißen. Gleichwohl ist dieser Spottname wahrscheinlich weit älter und bezeichnet den bekannten Judenkopf im Wappen der meißnischen Markgrafen. Hier kommt derselbe ohngefähr erst seit 1349 vor, wo dieselben die Belehnung mit dem Judenschutz vom Kaiser erhielten. Das Volk, welches die Bedeutung des Judengesichts mit der Schellenkappe nicht begriff, legte der Figur jenen Beinamen bei, und so entstand aus dem dummen Juden von Meißen ein dummer Junge von Meißen. Sonderbarer Weise haben aber die Juden jetzt noch ein freilich entgegengesetztes Sprichwort von den Weisen zu Meißen, welches sich auf den Sanhedrin, den sie früher hier besessen haben sollen, bezieht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Rätsel der Stadt Meißen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Von den Merkwürdigkeiten der guten Stadt Meißen existiren verschiedene Gedächtnißverse in lateinischer und deutscher Sprache. Wir setzen hierher als Probe des Meißner Poeten Johann Gottlob Kittel Reime, die freilich schlecht genug sind. Sie lauten also:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Schloß, Dom, Turm und Fürsten-Gräber, Porcellan, Gewölbe, Wein,</p><p>Schule, Brücke, guter Brunnen, Frösche, die verstummet sein,</p><p>Die elf Stücke schreibt von Meissen Fama selbst in Marmor ein.</p><p>Es giebt aber auch einige Rätsel von der Stadt selbst; das erste heißt:</p><p>Wo ist der Berg, darauf drei Schlösser stehen</p><p>Und nebenher drei Wässer gehen?</p></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die drei Flüsse nämlich sollen die Elbe, die Meiße, von der ganz Meißen den Namen haben soll, ob sie gleich sehr klein&nbsp;ist, und die Triebisch sein. Die drei Schlösser sind die noch vorhandene Albrechtsburg, das burggräfliche, welches durch die Zeit, und das bischöfliche, das durch Brand zerstört ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderes Rätsel lautet: Wo sind drei Schlösser auf einem Berge? ein Dörflein in einem Graben? und eine Brücke, die höher ist, als die Türme in der Stadt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist Meißen, denn auf dem Berge liegen die drei schon erwähnten Schlösser, das Dorf ist hier in dem Stadtgraben erbaut, und die Brücke auf der Albrechtsburg, welche den Schloßberg und den St. Afraberg verbindet und unter der der Weg nach Lommatsch und Freiberg geht, liegt höher als der Turm der Stadtkirche.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Götterfelsen bei Meißen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der angenehmsten Spaziergänge der Bewohner der Stadt Meißen führt nach dem Buschbade im Triebischthale. Hoch über dem Thalgrunde, der hier förmlich zum Kessel wird, erhebt sich ein Fels, dessen höchste, steil abfallende Kuppe ein hohes eisernes Kreuz ziert. Diesen nennt man den Götterfelsen (Götterberg). Dieser Fels soll seinen Namen davon haben, daß die Hermundurer auf ihm ihre Opferfeste hielten, und wahrscheinlich haben hier die Sorben ihren guten Gott, den Dobribog verehrt, wofür der Name des nahe gelegenen Dorfes Dobritz spricht.</p>



<p class="has-background wp-block-paragraph" style="background-color:#e3e3e3"><strong>HINWEIS: </strong>Die Sagen rund um den heiligen Bischof Benno zu Meißen sind hier zu finden: <a href="https://www.deutschesagen.de/sagen-vom-bischof-benno-von-meissen/" data-type="post" data-id="606">Benno von Meißen &#8211; Sagen und Geschichten</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



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		<title>Sagen rund um Dresden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jul 2021 08:28:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Dresden]]></category>
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					<description><![CDATA[Name und Ursprung der Stadt Dresden Dresden soll von einer römischen Colonie herrühren, die Drusus Germanicus auf dem Taschenberg, damals einem durch Kunst gemachten Hügel, von dem noch jetzt das von der Schloßgasse nach dem Zwinger führende Gäßchen den Namen hat, angelegt habe. Sein Name soll entweder aus den Worten Tropaea Drusi (die Siegeszeichen des Drusus) oder ... <p class="read-more-container"><a title="Sagen rund um Dresden" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/sagen-rund-um-dresden/#more-693" aria-label="Mehr Informationen über Sagen rund um Dresden">Continue</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="gb-headline gb-headline-33e7ec40 gb-headline-text">Name und Ursprung der Stadt Dresden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dresden soll von einer römischen Colonie herrühren, die Drusus Germanicus auf dem Taschenberg, damals einem durch Kunst gemachten Hügel, von dem noch jetzt das von der Schloßgasse nach dem Zwinger führende Gäßchen den Namen hat, angelegt habe. Sein Name soll entweder aus den Worten <em>Tropaea Drusi</em> (die Siegeszeichen des Drusus) oder den drei Seen, welche früher hier waren, nämlich dem Jüdenteich, der Entenpfütze und dem eigentlich so genannten, später völlig ausgeschütteten See, der sich in einen Ober- und Untersee teilte und von dem noch die Seegasse, die große und kleine Oberseergasse und die sogenannte Gasse am See ihren Namen haben, benannt worden sein.</p>



<p class="has-background wp-block-paragraph" style="background-color:#f1f1f1">Schäfer, Städtewahrzeichen (Lpzg. 1858) Bd. I. S. 65. leitet den Namen mit Recht aus den Slavischen<em> Trasi</em> Fähre oder <em>Drazdonedz</em> Steuererhebeort her, s.a. Obermüller, Kelt. Wtbch. Bd. I. S. 405.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-fdfe5173 gb-headline-text">Ein Priester zu Dresden hat ein Gesicht.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein gewisser Presbyter zu Dresden, wahrscheinlich Albert, Pleban der früher auf der Elbbrücke befindlichen Alexiuscapelle, sah in der Christnacht am Himmel den Mond wunderbar schön glänzen, und wie er ihn nun so bewunderte, da ward derselbe zu einem Fische, fiel vom Himmel herunter und verschwand. Darauf kam von Abend her ein neuer weit größerer Mond, der stand über Böhmen und Meißen und schien so herrlich und glänzend, daß die Bauern auf&#8217;s Feld zum Ackern und Pflügen hinaus fuhren. Dies bedeutete, daß das folgende Jahr Friede zwischen Wenzel III. von Böhmen und Kaiser Albrecht werden sollte (1305).</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-9ae075d7 gb-headline-text">Die Entstehung der Kreuzkapelle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahre 1236, als Markgraf Heinrich von Meißen die Herzogin Constanze von Oesterreich heirathete, brachte diese ein Stück des heiligen Kreuzes mit gen Dresden, wodurch Dresdens Volksmenge bedeutend wuchs und dasselbe, da auch bei der Marienkirche ein wächsernes wunderthätiges Marienbild viel Zulauf verursachte, ganz in den Geruch der Heiligkeit kam. Endlich ist 1299 ein hölzernes Kreuz auf der Elbe geschwommen gekommen und, als es hier gelandet, in jubelreicher Prozession in die Kreuzkirche getragen worden. Später hat die Jungfrau Maria hier unzählige Wunder getan und deshalb ist derselben vom Papst Bonifacius IX. ein 100tägiger Ablaß (1400) gewährt worden.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-e8f63fdf gb-headline-text">Der Hahn und die Oelgötzen an der Kreuzkirche</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Außer dem 1720 überweißten, in Fresco gemalten Großen Christoffel neben der erwähnten verteufelten Orgel gab es jedoch für die Handwerksburschen sonst noch zwei andere Wahrzeichen in der Kreuzkirche, nämlich den an dem sogenannten Wendelsteine, in einer runden Füllung an der Treppe zum Kreuzthurme ausgehauenen steinernen Hahn, dessen Schrei bekanntlich böse Geister verscheuchen soll, und den bis zum J. 1760 erhaltenen sogenannten Oelberg, der außerhalb der Kirche zwischen der großen Halle und dem Turme in einem steinernen mit Kupfer gedeckten, 4 Ellen langen und 2<sup>1</sup>/<sub>2</sub> Ellen tiefen Anbau aufgestellt war. Er enthielt die lebensgroßen Figuren Christi und der drei schlafenden Jünger bei der Oelkelter (Gethsemane); allein seit der Reformation nannte das Volk diese Figuren spottweise die Oelgötzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Uebrigens scheint es sonst überhaupt in der Kreuzkirche nicht geheuer gewesen zu sein, wenigstens finden sich im K.S. Hauptstaatsarchiv Registraturen »wegen desjenigem Weinens und Heulens, so den 21. Junius 1698 zu Abend in der Kreuzkirche allhier soll sein gehört worden.« Einer der Zuschauer will durch ein Fenster in die Kirche geblickt und ein großes weißes Ding, wie ein Rad gestaltet, sich aus dem Schiff nach dem Altar zu haben hinkollern sehen.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-56a08f48 gb-headline-text">Der heilige Benno löscht ein Feuer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahre 1487 ist in Dresden ein großes Feuer aufgegangen und haben schon 18 Häuser in Flammen gestanden, da hat eine rechtschaffene Frau aus der Nachbarschaft, deren Haus gerade hat anbrennen wollen, um Hilfe zum h. Benno gerufen, und siehe das Feuer blieb stehen und hörte auf zu wüten.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-76478bfa gb-headline-text">Vom Brückenmännchen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Baumeister der steinernen Elbbrücke zu Dresden, Matteo Foccio (um 1265) ein Italiener, vom Dresdner Volke Matz Votze genannt, hatte sich am fünften Pfeiler der Elbbrücke linker Hand in kauernder Stellung mit untergestemmten Armen und tief in die Augen gezogenem Mützchen abbilden lassen. Dies war das sogenannte Brückenmännchen, ein Wahrzeichen von Dresden. Es flog bei der Sprengung der Dresdner Brücke durch Davoust (19. März 1813) mit in die Luft, fand sich aber, nachdem man nach einer Zeichnung ein neues hatte machen und an die Stelle des alten setzen lassen, unter dem Schutte wieder, und man stellte es dann linker Hand in der Quermauer, da wo die Kaitzbach in die Elbe fällt, wieder auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Stein auf der Brücke</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man früher von Altstadt nach Neustadt ging, sah man rechter Hand einen 3 Ellen langen und 3<sup>1</sup>/<sub>4</sub> Elle breiten Stein, der auf einer runden Scheibe ein in der Mitte geteiltes Schild zeigte, in dessen oberem Theile ein Schneckenhaus, im untern aber zwei schräg gestellte Balken zu sehen waren, auf deren einem die Buchstaben <em>D.O.D.A.,</em> (d.h. ich gebe, gieb Du auch, oder: wie Du mir, so ich Dir) über dem Schilde die Buchstaben <em>M.H.L.,</em> über der Fläche des ganzen Steins aber in römischer Schrift: <em>Anno</em> MDXLVII und darunter mit etwas kleinerer Schrift die Worte:<em> Domus Amica Domus Optima</em> (das befreundete Haus die beste Wohnung) zu lesen waren. Die Buchstaben<em> M.H.L.,</em> bedeuteten den Namen des damaligen Brückenmeisters: »Martin Heußler,« Licentiat, welcher dieses Monument zum Andenken an die politischen Verhältnisse Sachsens in jener Zeit hatte setzen lassen.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-b88620f5 gb-headline-text">Kaplan Crosner prophezeit Emsern den Tod</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Herzog Georgs von Sachsen Hofkapellan Alexius Crosner, von seinem Geburtsort auch <em>M.</em> Colditz genannt, war bei seinem Herrn in Ungnade wegen seiner Zuneigung zum Lutheranismus gefallen und erhielt deshalb seinen Abschied (1526); da begegnete ihm, als er seine Bücher und Hausrath auflud, Luthers Todfeind, H. Emser zu Pferde und sprach zu ihm: diesen Tag sehe ich mit Freuden, ich habe Deiner ein Ende erlebt, Du mußt in Teufels Namen davon, ich bleibe hier. Alexius aber antwortete ihm freundlich: ei, Herr, in Gottes Namen wäre auch ein Wort, ich bin in Meißen gewesen eher als Ihr, werde auch drinnen bleiben, wenn Ihr weg seid. Siehe was geschieht! Als Emser des Abends ein Bankett hält und sich dabei etwas übernommen hat, setzt er sich plötzlich auf seinen Stuhl, macht schreckliche Geberden und stirbt dahin.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-7d76e0ef gb-headline-text">Woher die Martersäulen auf der Dresdner Brücke gekommen, und von andern ähnlichen Kreuzen in der Stadt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Früher standen auf der rechten Seite der großen Dresdner Brücke zwei steinerne Säulen, auf denen das Leiden Christi in Stein gehauen war. Von diesen war die eine, so 1515 gesetzt wurde, zum Andenken an einen dort umgekommenen Menschen aufgerichtet, die andere ältere (von 1499) zum Andenken an eine große Wasserfluth, bei der eine Karausche oder Barbe aus dem Wasser bis auf die Brücke gesprungen war. Selbige war auch auf der Säule auf einem Wappenschilde ausgehauen, wenn dieses nicht vielleicht das Wappen der Karrasse ist, das jenen Fisch führt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dergleichen Martersäulen gab es aber früher noch mehrere in Dresden, so eine bei der Frauenkirche, eine andere, wo später das schwarze Thor war, und drei auf dem sogenannten Sande an der Stolpner Straße, auf denen Christus und die zwei Schächer abgebildet waren und zu welchen von der Kreuzkirche aus gerechnet es genau dieselbe Entfernung des Weges sein sollte, welchen unser Heiland von dem Richthause des Pilatus bis nach Golgatha zu gehen gehabt.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-dd713620 gb-headline-text"><strong> Der Mönch auf dem Frauenkirchhof</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den Leichensteinen des alten Kirchhofs der Frauenkirche befand sich auch einer mit der Abbildung eines alten Klerikers von 1388, genannt der Mönchsstein, unter dem jener spukhafte Mönch gelegen haben mag, der noch in späterer Zeit in dem Garten des Palais des hochsel. Prinzen Max in der Ostraallee (in der Nähe des Vogelherds) und in dem sonst zur Johanniskirche gehörigen, jetzt säcularisirten und mit den Häusern des Johannisplatzes bebauten Kirchhofe, den Kopf unter dem Arme, herumgehen soll. Ob er aber gleichbedeutend mit dem gespenstigen Leichenbitter bei dem Kirchenborn in der Altstadt Dresden, mit dem nachher zu erwähnenden Dresdner Mönche und dem bei dem Keller des ehemaligen Augustinerklosters allda mit einer Kanne unter dem Arme und einem Schlüsselbunde in der Hand sich zeigenden Mönch ist, weiß ich nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Queckbrunnen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen der Gerbergasse und dem Eingang zur Grünen Gasse vor dem jetzigen katholischen Waisenhause befindet sich noch heute ein Brunnenhäuschen, dessen Spitze ein Klapperstorch ziert, und welches der Queckborn heißt, und von dem ein Sprichwort sagt, daß der Storch aus ihm die Kinder hole. Nach diesem ist schon um 1514 häufig gewallfahret worden, weil die Sage ging, daß, so eine unfruchtbare Frau von seinem Wasser tränke, diese durch die Gnade der h. Jungfrau mit Kindern gesegnet würde. Darum hat der Bischoff Johann von Meißen im J. 1512 die Erlaubniß zum Bau einer Wallfahrtscapelle zu Unserer lieben Frauen Queckborn erteilt, welche jedoch später wieder einging, insofern der Zudrang der Gläubigen dahin so stark war, daß die übrigen Kirchen, besonders die Kreuzkirche, weil ihre Einkünfte dadurch geschmälert wurden, zu Rom um Aufhebung derselben einkommen mußten. Der Name Queckborn bedeutet übrigens soviel, als Lebensborn (von Queck = lebendig), nicht aber Viehborn, wie man ihn der Nähe der frühern Viehweide (jetzt Schützenplatz genannt) wegen hat deuten wollen. Der Brunnen selbst ist übrigens jetzt noch gangbar.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-d45d1598 gb-headline-text">Eine Hexe wird zu Dresden verbrannt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 20. Julius des Jahres 1585 ist vor dem Wilsdruffer Tor zu Dresden eine Zauberin, Namens Helene Wiedemannin, verbrannt worden, welche vorher in der Tortur und auch sonst gütlich gestanden, wie sie in ihrer Jugend von einem Mönch zu Camenz die Zauberkunst gelernet und dieselbe 27 Jahre lang getrieben; unter andern hätte sie Hannsen von Taubenheim zu Noschkowitz, welcher bei Churfürst August, um des von seinem Weibe getriebenen unfertigen Wesens Willen, in Ungnade gekommen, durch Zauberei wieder zu Gnade zu bringen sich beflissen. Auch hätte sie bekannt, es wäre durch sie ein Weib zu Sebnitz, die Peter Hellin oder Strobischen genannt, geringer Ursachen und um Feindschaft wegen dermaßen bezaubert worden, daß sie vier stumme Kinder durch Gottes Verhängniß nach und nach zur Welt gebracht, wie sich es dann auch in der Erkundigung also befunden. (S. unten S. 124.)</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-928277a6 gb-headline-text">Die Gans auf der großen Brüdergasse</h2>



<p class="wp-block-paragraph">An dem zweiten Stocke des Eckhauses der großen Brüdergasse Nr. 7 ist eine fliegende Gans in Stein gehauen mit der angeblichen Unterschrift: <em>Diese Gans hat</em> VII <em>Personen getoedtet.</em> Man erzählt, daß eine Magd im 15. Jahrhundert eine zum Braten fertige und ausgenommene Gans in den Keller gesetzt, eine Kröte (oder Ratte) sei hineingekrochen und am andern Tage, ohne daß es Jemand bemerkt, mitgebraten worden. Die ganze Familie nebst der Magd hat nun davon gegessen und ist noch denselben Tag plötzlich gestorben. Man zeigte ehemals in der großen Halle der Sophienkirche ein sogenanntes Pöllnitzesches Grabmal in Form eines hohen steinernen Bettes, in dem zwei in Lebensgröße ausgehauene Personen lagen, und es berichtete die Sage, daß das Grabmal sich auf jene Familie, die den Namen Schwalbach geführt, bezogen habe. Indessen hat neuerdings Hr. Schäfer die Sache in Abrede gestellt und die Gans für einen Adler erklärt (!) und bemerkt, daß die um das Bild laufende Inschrift laute: <em>DER. ADLER &#8230;. GENIME &#8230;. DEM. HEBT. VND. IHN. IN. HIMEL. HINAVF. TRÆGT</em> MDLXIII.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Weiberregiment</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Früher stand in der Moritzstraße unten quer vor ein Haus, über dessen Tür in Stein gehauen zu sehen war ein Mann, der auf Händen und Füßen kroch; auf diesem saß ein junges, schönes Frauenzimmer, welche ihn durch einen ihm in den Mund gelegten Zaum lenkte und vermittelst einer Karbatsche antrieb. Es ist dies die bekannte mittelalterliche Geschichte vom Philosophen Aristoteles, die man sehr oft auf Elfenbein- und Holzschnitzwerken abgebildet findet. Bei Erneuerung des (Kreyßig&#8217;schen) Hauses (gr. Schießg.) Nr. 10 ward es abgebrochen und über den Eingang in den Voglerschen (v. Reibold&#8217;schen), jetzt mit Häusern bebauten Garten an der linken Ecke der Großen und Kleinen Ziegelgasse aufgestellt. Dieses Bild nannte man das Weiberregiment, allein seit 1756 ist es von da auch weggekommen, wohin, weiß man nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Franzose, der Trouvère Henri d&#8217;Andeli, dichtete sie um als&nbsp;<em>Lay d&#8217;Aristote</em>&nbsp;(bei&nbsp;<em>Méon, Fabl. T. III. p.</em>&nbsp;96 m. Abbild.), ebenso ein deutscher Minnesänger des 13. Jhdts. als »Aristoteles und Phyllis« (bei Hagen, Gesammtabenteuer Bd. I. S. 17). S.a. Dunlop, Gesch. d. Prosadicht. v. Liebrecht S. 483. Nr. 253) u. Hagen Bd. I. S. LXXV. Ich besitze einen alten italienischen Holzschnitt aus der ersten Hälfte des 16. Jhdts., darauf ist ein griechischer Krieger abgebildet, der auf allen Vieren kriecht, während eine mit einer Geisel (in griechischer Frauentracht) bewaffnete Frau, aus seinem besattelten Rücken sitzend, ihn mit dem aus seinem Munde gehenden Zaume regiert. In der Luft schwebt Amor, seinen Pfeil nach ihm zu schießend. Auf einer bandartigen Rolle über dem Bilde stehen folgende drei Verse:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Amor crudel con la sua uolia praua</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Fe adar istil portar freno e sella</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Et una gioueneta il caualcaua,</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">und unter dem Bilde der Reiterin ein vierter:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Pazz&#8217;e chi fuggir crede il crudo strale.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuweilen wird dieselbe Geschichte vom Hippokrates erzählt. Die älteste Quelle derselben ist die 6te Erzählung des IVten Buches des altindischen Sanskritmärchenbuches <em>Pantschatantra</em> (s. Bensey, Pantschatantra. Lpzg. 1859. Bd. I. S. 461 flgg.), welche wiederum ihren Ursprung auf eine chinesisch-buddhistische Legende zurückführt.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-ee302ad3 gb-headline-text">Der goldne Rabe auf der äußern Pirnaischen Gasse</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ueber der Tür des linker Hand auf der äußern Pirnaischen Gasse unter Nr. 18 befindlichen Hauses sieht man noch heute einen goldenen Raben, der einen Ring im Schnabel trägt. Nach Hasche (Beschr. v. Dresden Bd. I. S. 412) soll ein früherer Besitzer hiermit blos eine Anspielung auf seinen Namen beabsichtigt haben, allein das Volk erzählt sich, daß einst ein Unschuldiger wegen eines angeblich hier in diesem Hause begangenen Diebstahls eines Ringes ergriffen und hingerichtet worden sei, während sich doch später gefunden habe, daß der zahme Rabe des Eigenthümers der Urheber der Missethat gewesen: jener habe nun zur Erinnerung an diese traurige Begebenheit den Raben mit dem Ringe an seinem Hause abbilden lassen.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-6b8c010d gb-headline-text">Der wohlthätige Brunnen bei der heiligen Bartholomäuskapelle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Freiberger Platze befand sich früher ein Hospital für alte Weiber, genannt zum h. Geist oder h. Bartholomäus (neben dem Findelhaus), welches schon um 1337 bestanden haben muß. In dem dazu gehörigen Garten war ein Quell, der die Gicht heilen konnte: wenigstens soll ein gewisser Nicolaus (Plate), Titularbischoff von Constantz, früher Abt zu Zinna bei Jüterbogk, sich hier niedergelassen und den vollkommenen Gebrauch seiner Glieder, welchen er verloren hatte, blos durch den Gebrauch dieses Wassers wieder erlangt haben. Er ist hier 1391 begraben worden, ist jedoch nicht der Stifter des Hospitals gewesen, wie die Sage berichtet. Ueber dem steinernen Portale stand früher die Figur des h. Bartholomäus aus Sandstein, die, von den Hussiten herabgestürzt (1429), lange in einem Winkel der Kirche am Altare lehnte, von dort aber sich nicht wegbringen ließ, sondern immer wieder zurückkehrte. Es war dieses das sogenannte »Geestmännel«. Ein anderes Wahrzeichen hier war die an der Straßenmauer links vom Kirchlein stehende bedeckte Stein- oder Pestkanzel, auf der 1539 Luther gepredigt haben soll.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-121a98b5 gb-headline-text">Das Trompeterschlößchen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Dippoldiswaldaer Platz bildet die Ecke der großen Oberseergasse und Reitbahngasse ein Gasthof, genannt das Trompeterschlößchen, wo an der abgeschnittenen Ecke am zweiten Stock ein vergoldeter Trompeter zu Pferde abgebildet ist mit der Unterschrift:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Trompeterschlößchen nennt man mich,</p><p>Des Krieges Wuth empfand auch ich,</p><p>Es warf mich unverhofft ein tötend Feuer nieder,</p><p>Allein ich stehe nun durch Gottes Gnade wieder. 1764.</p></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Der Platz dieses Hauses war schon 1451 mit dem Jakobshospital überbaut, und später hielt die Garde du Corps hier ihre Fahnen- und Arrestantenwache. Indeß kann das Haus offenbar von diesen seinen frühern Bewohnern nicht erst den Namen Trompeterschlößchen erhalten haben, sondern derselbe muß älter sein, wie auch schon aus dem obenstehenden Reim hervorgeht. Die Sage erzählt uns also darüber folgende merkwürdige Geschichte.<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Gr%C3%A4sse,+Johann+Georg+Theodor/Sagen/Der+Sagenschatz+des+K%C3%B6nigreichs+Sachsen/Erster+Band/109.+Das+Trompeterschl%C3%B6%C3%9Fchen+zu+Dresden#fn1">1</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor langen Jahren lagen auf der Fläche, wo sich jetzt das herrliche Dresden an den beiden Ufern der Elbe ausbreitet, nur zwei kleine Dörfchen, deren Einwohner sich kümmerlich vom Fischfange nährten und von deren Dasein jetzt nur noch der Name der Fischergasse in der Altstadt und des sogenannten Fischerdorfs in der Wilsdruffer Vorstadt Zeugniß giebt. Rings um dieselben war sonst ein dichter Wald und Alles gehörte den mächtigen Burggrafen von Dohna, die hier auch ein Jagdschloß erbaut hatten, welches sie zuweilen zu bewohnen pflegten, um hier dem Waidwerk und<a href="http://www.zeno.org/Literatur/L/Gr%C3%A4sse-Sachsen+Bd.+1">[97]</a> andern Lustbarkeiten obzuliegen. Mit der Zeit wuchsen aber jene kleinen Dörfer so an Umfang, daß bald der ganze Raum, der früher zwischen ihnen und dem genannten Jagdschlosse existirt hatte, angebaut war. Aber auch die Burggrafen von Dohna waren immer mächtiger geworden, und so kam es, daß sie sich nicht mehr begnügten, mit ihren Nachbarn, deren keiner ihnen die Spitze bieten konnte, in ewigem Kampfe zu liegen, um sich durch deren Besitzungen zu bereichern, sondern sich sogar gegen ihren Lehnsherrn, den König Bogislaus (II.?) von Böhmen, auflehnten. Allein dies bekam ihnen schlecht, derselbe zog mit großer Heeresmacht gegen sie, schlug sie im offenen Felde, brach ihre Burgen und verteilte ihre Güter an seine Günstlinge und Vasallen. Seit dieser Zeit stand auch jenes Jagdschloß leer und ward, da Niemand sich um dasselbe zu kümmern schien, zur Ruine. Nun ging aber durch jene Dörfer eine sehr besuchte Heerstraße nach der hölzernen Elbbrücke, welche die Burggrafen von Dohna schon um 840 gebaut haben sollen, auch dort ihr Wappen, zwei über einander geschrenkte Hirschstangen aufgestellt hatten und einen Zoll von ihr erhoben, und so kam es, daß in den Dörfern viel Einkehr war, da viele Fuhrleute hier des Nachts rasteten und erst am andern Tage die Elbe überschritten. Da war auch besonders ein Wirth mit Gästen gesegnet, so daß sein Haus bald zu klein für die zahlreichen Besucher ward und er manchen Fremden, von dem er sich einen guten Gewinn versprach, abweisen mußte. Dies wurmte aber den habsüchtigen Schenkwirth sehr, und darum fand der Rath eines Nachbarn, er möge doch versuchen, das ihm gegenüberliegende, unbenutzt stehende, verfallende geräumige Jagdschloß von dem jetzigen Herrn des Waldes zu erwerben und seine Wirthschaft dahin zu verlegen, bei ihm günstiges Gehör. Er begab sich auch sofort nach Lohmen, wo derselbe hauste, erkaufte das Schloß für einen sehr billigen Preis, und rastete auch keinen Augenblick, bis dasselbe wieder in gutem Stande und zur Aufnahme möglichst vieler Gäste eingerichtet war, so daß er bald den Einzugsschmauß daselbst halten konnte. Den Tag vorher mußte er aber leider von dem boshaften Nachbar hören, daß er nur darum so billig zu dem Hause gekommen sei, weil es darin umgehe und Niemand von den bösen Geistern, die hier ihren Wohnsitz aufgeschlagen, gelitten werde. Indeß ließ sich der neue Eigenthümer das wenig anfechten, hielt seinen Einzugsschmauß und setzte sowohl hier, als in seiner alten Wirthschaft, die er zur Aushilfe ebenfalls beibehalten hatte, so viele Gäste als er nur konnte, und lange hörte man nichts von Spuk oder Gespenstern. Da trug es sich eines Tages zu, daß ein Ritter mit seinem Knappen noch Aufnahme verlangte, als beide Häuser schon völlig mit eingekehrten Fuhrleuten angefüllt waren. Unser Wirth erklärte ihm daher, er vermöge ihm kein besonderes Gemach mehr zu geben, es sei denn daß er in einem alten Saale bleiben wolle, der voll werthlosen Gerülles sei und zugleich als Getreideboden benutzt werde. Der Ritter, der bei sinkender Nacht nicht weiter wollte, auch froh war, ein Plätzchen zum Ausruhen von langer Reise zu finden, willigte ein, und so führte ihn denn sein Wirth, nachdem er ein gutes Abendbrod zu sich genommen, hinauf in den Saal, ließ ihm eine Lampe zurück und ging seines Wegs. Freilich gefiel dem Ritter jetzt das gewählte Schlafzimmer nicht besonders, allein was half&#8217;s, er mußte gute Miene zum bösen Spiele machen; er warf sich also auf das ihm bereitete Lager, ohne jedoch die Lampe auszulöschen, und schlief, da er nach verschlossener Thür vor jeder Störung sicher zu sein meinte, ruhig ein. Plötzlich wachte er von einem ihm unerklärlichen Lärmen auf, er vernahm ein Laufen, Scharren und Poltern auf der Treppe und an der Tür, daß es ihm ganz ängstlich zu Muthe ward und er sein Schwert ergriff, um jeden unberufenen Eindringling damit muthig zu bekämpfen. Siehe da stand plötzlich eine in ein Leichentuch gehüllte Gestalt vor ihm, die ihn mit hohler Stimme fragte, ob er zum Tanze aufspielen könne, und als der Ritter diese Frage für Spott haltend dem gespenstigen Besucher mit seinem Schwerte drohte, so berührte ihn dieser mit kalter schwerer Totenhand, daß er sich nicht rühren<a href="http://www.zeno.org/Literatur/L/Gr%C3%A4sse-Sachsen+Bd.+1">[99]</a> konnte, fragte ihn noch zum zweiten und dritten Male dasselbe, und als er endlich mit Nein antwortete, so ging der Geist traurig von dannen. Mittlerweile verlor sich zwar der Lärm und das Poltern, aber der Ritter hielt es auch keine Minute länger zwischen den vier unheimlichen kahlen Wänden des düstern Saales aus, er eilte die Treppe hinab, rief den Wirth und die schlafenden Gäste wach und erzählte, was ihm begegnet war. Nichts half es, daß jener betheuerte, noch nichts von solchem Spuk vernommen zu haben, alle seine Gäste brachen auf, und wollte er nicht allein in dem Gespensterschlosse bleiben, so mußte er ihnen wohl folgen. Er zog also wieder in sein altes Haus zurück und mußte froh sein, daß wenigstens hier noch der alte lebhafte Verkehr blieb, denn in das andere brachte er Niemand mehr, zumal da einige muthige Burschen, welche es über sich genommen hatten, das Schloß zu durchsuchen, ob nicht etwa lebendige Geister dasselbe bewohnten, als sie in einen unbenutzt gebliebenen Keller gekommen und darin eine bisher noch nicht gesehene Tür entdeckt hatten, die sich jedoch nicht öffnen ließ, zwar die Keckheit gehabt hatten, dieselbe einzuschlagen, aber auch, ehe sie noch in den von derselben verdeckten Raum eingetreten waren, eine schwarze Gestalt auf sich zukommen sahen, die ihnen bei ihrem Leben gebot, sich zu entfernen und nicht die Ruhe der hierher gebannten abgeschiedenen Seelen zu stören. So blieb das Spukhaus manches Jahr lang unbewohnt und verlassen stehen und sein Besitzer ärgerte sich, wenn er es ansah, denn Alles, was er für dasselbe gezahlt und hineingewendet hatte, war verloren, da Niemand es kaufen wollte und er selbst doch auch keinen Gebrauch davon machen konnte. Da begab es sich eines Tages, daß das Wirthshaus wieder von oben bis unten mit Gästen gefüllt war und der Wirth alle, die noch um Herberge baten, fortschicken mußte. Endlich kam auch ein Trompeter des Wegs geritten, der einsprechen wollte und sich nicht abweisen ließ, sondern für sich und sein totmüdes Roß Labung und Aufnahme verlangte. Nichts half es dem Wirth, daß er seinem neuen Gaste die Unmöglichkeit<a href="http://www.zeno.org/Literatur/L/Gr%C3%A4sse-Sachsen+Bd.+1">[100]</a> seines Verlangens vordemonstrirte, derselbe bestand darauf hier zu bleiben, und endlich meinte jener, er könne ihm wohl noch ein Plätzchen zum Ausruhen anbieten, allein dies sei im Spukhause; wenn er sich vor Geistern nicht fürchte, so möge er dort bleiben. Der muntere Trompeter ließ sich vorerst die ganze Geschichte erzählen, lachte sich eins und sagte zuletzt, an Geister glaube er nicht, die Toten kämen doch nicht wieder, und vor lebenden Störern solle ihn sein Schwert schützen, der Wirth möge ihm nur ein Fäßchen seines besten Bieres geben, ihm ein Lager zurecht machen lassen und mit Licht versehen, so sei er bereit, allein in dem öden Schlosse zu übernachten. Obwohl ihn nun der Wirth nochmals gewarnt und ihm zugleich auch die Versicherung gegeben hatte, daß, wenn er einmal das Schloß betreten habe, er auch vor Tagesanbruch nicht wieder herausdürfe, so ließ er sich doch nicht irre machen, sondern forderte den Wirth auf, ihm das Versprochene zu geben und ihn sodann in den gespenstigen Saal zu bringen. Jener ließ sich auch bereit finden, trug ihm ein bequemes Ruhebett, Bier und Licht hinüber, verschloß aber, nachdem er ihm gute Nacht gewünscht, das Schloß, und so sah sich der Trompeter bald allein. Nachdem er sich in dem Saale umgeschaut, die Türn, wie er meinte, fest verschlossen, ja zu besserer Sicherheit mit altem Gerülle, das er hier fand, verrammelt hatte, warf er sich auf sein Lager, um zu schlafen. Allein sei es, daß er zu ermüdet, oder doch etwas aufgeregt war, der Schlaf wollte nicht kommen, er mochte sich bald auf diese und bald auf jene Seite legen. Er stand also wieder auf und nahm seine Trompete zur Hand, um sich mit Blasen die Zeit zu vertreiben. So kam die Mitternacht heran, und noch hatte sich im ganzen Hause kein Laut hören lassen, siehe, da ertönte auf einmal mit dem Schlage zwölf von unten herauf ein immer lauter und näher kommendes Getöse, die Schritte vieler Personen schallten die Treppe herauf, lautes Geräusch ließ sich vor dem Saale hören, und wie der Trompeter eben aufspringen wollte, um dem Spuke entgegenzugehen, da sprangen die Türn von selbst auf, und herein traten zwölf Paare von Totengerippen, die Leichentücher um ihre nackten Gebeine geschlagen. Sie zogen hinter einander mehrmals in dem Saale herum und schienen sich zuweilen förmlich nach einem gewissen Tacte zu bewegen. Da ward dem Trompeter ganz ängstlich zu Muthe, er wußte nicht, was er machen sollte, griff fast unwillkürlich zu seinem Instrumente und begann ein lustiges Stücklein zu blasen. Das schien den unheimlichen Besuchern sehr zu gefallen, sie nickten ihm Beifall zu und begannen sich nach der Musik herum zu drehen. Der gezwungene Musiker blies nun wacker darauf los, aber je schneller er blies, desto rasender flog der gespenstige Reigen, und als er endlich erschöpft aufhören wollte, da machten ihm die höllischen Tänzer so drohende Zeichen, daß er alle Kräfte sammelte und ein Stück nach dem andern aufblies. Endlich, eben wie er daran war, vor Ermüdung umzusinken, da hörten die tollen Tänzer plötzlich von selbst auf, einer aus ihrer Mitte trat zu ihm heran und sprach: »Fremdling, wir danken Dir, Du hast durch Dein Blasen die Bedingung erfüllt, welche allein es uns gestattet, zum ewigem Schlaf einzugehen; von dieser Stunde an werden die Räume dieses Hauses von uns nicht mehr unsicher gemacht werden.« Bei diesen Worten schlug es Eins, und in demselben Augenblick stürzten auch sämmtliche Knöchler in Staub zusammen; aber auch der Trompeter verlor das Bewußtsein und erst das durch die Fenster dringende Sonnenlicht weckte ihn aus seiner Betäubung. Das Erste aber, was er that, als er wieder zu sich kam, war, daß er aus voller Brust zum geöffneten Fenster hinaus ein frommes Danklied zu dem hinaussendete, der ihn in dieser Nacht so wunderbar in seinen Schutz genommen. Das Trompetengeschmetter weckte aber den Wirth und seine Gäste im alten Hause aus dem Schlafe, Alle eilten herbei, um den von ihnen schon totgeglaubten Geisterverächter zu sehen, und als derselbe nun das Geschehene berichtet und das Häuflein Asche die Wahrheit der Erzählung bezeugt hatte, da wußte sich der Wirth vor Freude kaum zu lassen und bot dem Trompeter an, so lange er lebe, bei ihm zu bleiben und auf seine Kosten zu leben. Der aber nahm es nicht an, sondern beanspruchte nur sein Fäßlein Bier als sauer verdienten Lohn, der dankbare Wirth jedoch gab ihm nicht blos den versprochenen Preis, sondern auch noch ein tüchtig Stück Geld, damit er sich in seiner Heimath ein sorgenfreies Loos gründen könne. Zum Andenken aber ließ er das Bild des Trompeters in Stein hauen und in die obere Wand des nun wieder bewohnbaren Hauses setzen, welches von dieser Zeit an bis auf heute noch davon das Trompeterschlößchen genannt wird.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-5634c532 gb-headline-text"> Der Dresdner Mönch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die weiße Frau im Schlosse zu Berlin stets durch ihr Erscheinen den Tod eines Fürsten aus dem Hause Hohenzollern verkünden soll, so sollen sich nach der Volkssage auch ähnliche Vorbedeutungen bei einem dem sächsischen Fürstenhause drohenden Todesfalle zeigen. In Weimar erblicke man z.B., so berichten viele Schriftsteller, so oft jemand der durchlauchtigsten Fürsten aus dieser Linie das Zeitliche segnen wolle, ein Licht.<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Gr%C3%A4sse,+Johann+Georg+Theodor/Sagen/Der+Sagenschatz+des+K%C3%B6nigreichs+Sachsen/Erster+Band/110.+Der+Dresdner+M%C3%B6nch#fn1">1</a> In Dresden soll früher, so oft ein grauer Barfüßer-Mönch sein abgehauenes Haupt unter den Arm und eine brennende Laterne in der Hand tragend auf dem Walle der Dresdner Bastei und an derjenigen nach der Elbe gelegenen Stelle der frühern Festungswerke, welche die Jungfer oder das grüne Haus genannt ward, sich sehen ließ, dies den Tod eines Gliedes der churfürstlich sächsischen Linie angezeigt haben. Dieser Mönch war angeblich früher zweimal an dem obersten Simms des Hauptthurms der alten Kreuzkirche an den zwei Ecken der nach dem Walle zugehenden Seite in Stein gehauen; weil aber auf der nach der Seite der Stadt zugewendeten Ecke das Bildniß Christi angebracht war, so dachte man sich unter diesen beiden Mönchsgestalten auch den Teufel und seine Großmutter. Gewöhnlich kam er aus dem sogenannten Mönchsbrunnen auf dem Wilsdruffer Walle heraus, der bis 1726 gestanden hat. Den 22. April 1694 hat er sich auch im königlichen Schlosse als Anzeichen eines hohen Todesfalls sehen lassen (Johann Georg&#8217;s IV.); aber auch am 3. October 1698 hat er die Wachen an den Torn von Altdresden geplagt und erschreckt, so daß sie sich von allen Posten einander zu Hilfe riefen und ein Soldat sich nur dadurch mit Mühe von dem Herabgeworfenwerden in den Graben schützen konnte, daß er sich am Schilderhause festhielt. Den Lieutenant, der die Runde getan, hat er ebenfalls attakirt, dieser hat aber die Pike gefällt, worauf das Gespenst unsichtbar ward. Hierauf ist ein solcher Lärm entstanden, daß man die Trommel rühren und Niemand mehr die Wache verrichten wollte, wie aus den im Regimentshause an diesem Tage getanenen Aussagen hervorgeht. Das Volk erzählte sich damals, jener Mönch habe einst die beiden Brüder Churfürst Moritz und August an der Stelle, wo jetzt das Moritzmonument steht, und die davon früher die Horche hieß, behorcht und sei zur Strafe dafür geköpft worden; erscheine aber seitdem als ein der churfürstlichen Familie Unglück verkündender Spukgeist. Ja man dachte sich sogar unter dem Bilde des Gott Vater unter dem Architrav dieses 1553 von Churfürst August auf dem sogenannten Hasenberge errichteten allegorischen Monumentes jenen spukhaften Mönch. Nach einer andern Sage (b. Lothar, Volkssagen. Leipzig 1820 S. 87) wäre aber dieser (graue oder braune) Mönch, der klein von Gestalt und sehr friedsam gewesen, übrigens nur die, so ihn geneckt, bestraft hätte, auch zu andern Gelegenheiten häufig im königlichen Schloß sichtbar gewesen. So habe einst ein Churfürst einen Diener in ein bestimmtes Zimmer geschickt, um etwas zu holen, da habe dieser den grauen Mönch an einem Tische sitzen und schreiben sehen, erschrocken sei er zurückgeeilt und habe seinem Herrn, was er gesehen, gemeldet, der Churfürst sei schnell ohne Begleitung an denselben Ort gegangen, habe auch den Mönch noch schreibend gefunden und ihn gefragt: »was machst Du hier?« Der aber erwiderte: »ich schreibe Deine Sünden auf.« Da versetzte der wackere Fürst: »hat Dir Gott die Macht dazu gegeben, so thue es immerhin«, und begab sich, ohne andere Fragen zu tun, aus dem Zimmer. Mit diesem Gespenste darf jedoch das sogenannte weiße Gespenst nicht verwechselt werden. Dies war eine lange Frau in weißen Gewändern, welche nach der Volkssage sich früher ebenfalls sehen ließ, wenn ein Todesfall in der churfürstlichen Familie in der Nähe war: es zeigte sich besonders auf der Treppe der ersten zur zweiten Etage des ersten Turmes rechts im großen Schloßhofe, da wo früher ein geheimes Cabinet und die churfürstliche Handbibliothek war, und so soll dasselbe z.B. den Tod der Gemahlin des Kurfürst Johann Georg&#8217;s II. Magdalene Sybilla im Jahre 1687 angezeigt haben, wie Maurer (<em>Amph. Un.</em> S. 386) erzählt. Endlich soll es sonst auch noch auf dem vom Schlosse aus in die frühere, jetzt weggerissene, am Bärengarten befindliche Hofapotheke führenden Gange umgegangen sein, doch hat man eigentlich nie wirklich etwas gesehen, sondern furchtsame Personen erzählten nur, daß, wenn sie Abends diesen Gang betreten, es gerade so sei, als wenn ein großer weißer Ballen hinter ihnen her gewälzt werde. (S.a. oben S. 25. Nr. 22. u.S. 41. Nr. 29.) Ueber das im Winter 1865-66 in den Zimmern über dem Gr. Gewölbe gehörte Geräusch und Poltern ist keine Aufklärung erlangt worden.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-15a15387 gb-headline-text">Das Aber zu Dresden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Früher sagte man häufig von Personen, die schlecht bei Gelde waren: es fehlt ihm an dem Dresdnischen Aber. Der Ursprung dieses Sprichworts ist folgender. Im Jahre 1617 haben der Kaiser Matthias und der Erzherzog Ferdinand von Oesterreich den Kurfürst Johann Georg I. zu Dresden besucht und der Letztere hat ihnen unter anderen Merkwürdigkeiten seiner Residenz auch das mit Geschützen aller Art und andern zur Kriegsführung nöthigen Dingen vollständig ausgerüstete Zeughaus gezeigt. Als er nun den Kaiser fragte, wie ihm das Alles gefalle, so gab dieser zur Antwort: »das Zeughaus ist vortrefflich, aber!« Der Churfürst hat gleich gemerkt, diese abgebrochene Rede des Kaisers solle soviel sagen, als: es wären wohl Waffen und Vorräthe genug da, aber so viel Geld, als zur Erhaltung einer zu diesen im Verhältniß stehenden Armee nöthig wäre, sei nicht in Sachsen. Indeß hat er auf der Stelle nichts geantwortet, sondern den Kaiser weiter und endlich in die churfürstliche Schatzkammer gebracht, wo ihm eine so ungeheure Menge von daselbst befindlichen Silberplatten gezeigt ward, daß er sich nicht genug wundern konnte. Als er nun diese und andere hier nicht vermuthete Schätze staunend betrachtete, da sagte der Churfürst: »Allergnädigster Kaiser, hier ist das Aber!«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Original: <strong>Johann Georg Theodor Grässe</strong>, Sagenbuch des preußischen Staates</p>



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