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	<title>Hessen &#8211; Deutsche Sagen-Sammlung</title>
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	<description>Die Sagas und Epen aus den deutschen Ländern</description>
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		<title>Sagen rund um Fulda</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jul 2021 07:58:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&#160;Das Wahrzeichen der Stadt Fulda Als Wahrzeichen der alten Stadt Fulda gilt die symbolische Arabeske am St. Paulitor. Man sieht dort eingehauen in Stein ein jugendliches Gesicht und ein altes daneben, welches gleichsam durch Schmerz verzerrt ist. Ueber beiden Köpfen liegt ein Geier, der dem jugendlichen Kopf in die Stirne beißt. Zwischen den Flügeln des ... <p class="read-more-container"><a title="Sagen rund um Fulda" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/sagen-rund-um-fulda/#more-671" aria-label="Mehr Informationen über Sagen rund um Fulda">Continue</a></p>]]></description>
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<h2 class="gb-headline gb-headline-5ca4eff6 gb-headline-text">&nbsp;Das Wahrzeichen der Stadt Fulda</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Wahrzeichen der alten Stadt Fulda gilt die symbolische Arabeske am St. Paulitor. Man sieht dort eingehauen in Stein ein jugendliches Gesicht und ein altes daneben, welches gleichsam durch Schmerz verzerrt ist. Ueber beiden Köpfen liegt ein Geier, der dem jugendlichen Kopf in die Stirne beißt. Zwischen den Flügeln des Geiers bemerkt man ein Kind, welches gleichsam in einem Neste ruht. Vermutlich soll dies den Gedanken versinnlichen, daß man im Alter bitter zu bereuen hat, was man einst im Leichtsinn des Jugendalters verbrochen hatte.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-080eca99 gb-headline-text">Das Gnadenbild unter dem Schultor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Man sagt, daß jede Nacht um zwölf Uhr ein schwarzgekleideter Kriegsmann auf schwarzem Roß, einen Trauerflor am Helme tragend, mit rostigem Schwert und Feuergewehr nach dem Schultor gesprengt kommt, sobald er aber das im Thorweg hängende Gnadenbild erblickt, schnell wieder umdreht und davonjagt. Das Volk erzählt sich, es sei einst in der Kriegszeit des 30jährigen Krieges ein trunkener Reitersmann gerade um die Mitternachtsstunde zu diesem Tor angesprengt gekommen und habe Oeffnung verlangt. Da ihn aber Niemand hörte, so habe er fürchterlich zu fluchen begonnen, mit seinem Säbel nach dem Bilde gehauen und sogar Feuer auf dasselbe gegeben, allein das Pferd sei darüber scheu geworden, habe sich gebäumt und überschlagen und er sei dann am andern Morgen mit gebrochenem Genicke&nbsp;unter der Leiche seines Pferdes hervorgezogen worden; zur Strafe seines Frevels müsse er nun jede Nacht ruhelos von seinem Grabhügel aus den schauerlichen Ritt nach jenem Tor tun.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-eb15c1f9 gb-headline-text">Das goldene Rad im Dome zu Fulda</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den vielen Heiden, welche der Apostel der Deutschen, Bonifacius, der zu Fulda ruht, dem Christentum zuführte, war auch eine vornehme Frau aus England, die früherhin in ihrer Heimath einen goldenen Stern als ihren Gott angebetet hatte. Aus Dankbarkeit und zum ewigen Andenken an ihre Bekehrung ließ dieselbe aber in der von Bonifacius erbauten Kirche zu Fulda einen goldenen Stern, mit unzähligen Glöckchen besetzt, aufhängen, der bei feierlichen Anlässen gedreht wurde, damit das helle Glöckchenspiel in das feierliche Klingen der Kirchenglocken harmonisch hineintöne. Dieser goldene Stern ist aber im Laufe der Jahrhunderte abhanden gekommen und an seiner Stelle ein eiserner aufgehängt worden, bis am Pfingsttage des Jahres 1781 auch dieser von der Decke des Doms herabstürzte und seit dieser Zeit ist selbiger nicht wieder aufgehängt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man erzählt hiervon aber noch eine andere Sage, welche also lautet. Es sei einst ein deutscher Kaiser sammt seiner Gemahlin vom Papste in den Bann getan worden und flüchtig herumgeirrt, da wären sie denn auch eines Tages todmüde vor die Pforte des Klosters zu Fulda gekommen, allein hier habe der Pförtner, der in ihnen Excommunicirte erkannt, ihnen dieselbe vor den Augen zugemacht. Darauf hätten sie sich nach dem Dome gewendet und um Einlaß gebeten, damit sie an St. Winfrieds Grabe Buße tun könnten. Aber auch hier schloß man ihnen die Pforte und rief hinaus: »Kein Gebannter darf dies Heiligthum betreten und kein Weib diese Stätte beschreiten.« Da rief die Kaiserin im Zorn und Hohn: »Gut denn, das eben will ich, ich werde in die Kirche reiten!« Kaum aber war sie in frevelhaftem Übermut zur Kirchentür hineingeritten, da schlugen Flammen aus der Erde, die ganze Kirche schien in Feuer zu stehen und das Kirchengewölbe zitterte, als wolle es zusammenbrechen. Da gelobte die Kaiserin in Todesangst, so sie gerettet werde, wolle sie die Kirche mit allem ihrem Reichtum schmücken. Da erloschen die Flammen, und die Kaiserin ließ das Innere wieder aufs Beste herstellen und an der Decke ein goldenes Rad aufhängen, dessen zahllose Glöckchen, wenn sie bewegt wurden, liebliche Melodien erschallen ließen. Sie selbst aber zu Roß ist am Grabgewölbe Winfrieds in Stein ausgehauen zu sehen.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-f8930abd gb-headline-text">St. Bonifacius Grab</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als der h. Bonifacius im Lande der Friesen durch Mörderhand gefallen und sein Leichnam den Rhein hinauf nach Mainz geschwommen war, da beschloß der dortige Bischof, obwohl der fromme Märtyrer im Leben den Wunsch ausgesprochen hatte, einst zu Fulda bestattet zu werden, ihn im Dome zu Mainz zu begraben und ließ ihn feierlich in die dortige Gruft&nbsp;hinabsenken. Allein als der nächste Morgen herangebrochen war, da stand von keines Menschen Hand berührt der Sarg oben in der Kirche neben der Gruft, in welche man ihn hinabgelassen hatte. Da erkannte der Bischof, daß der Heilige hier nicht ruhen wolle, man setzte also den Leichenschrein auf einen mit zwei Kühen bespannten Wagen und ließ dieselben nach einer ihnen beliebigen Richtung ziehen. Diese lenkten aber das Wägelchen dem Rheine zu, gingen in das Wasser hinein und schwammen mit ihrem kostbaren Gute unversehrt hindurch bis ans andere Ufer, dort hielten sie sich aber nicht auf, sondern sie richteten ihre Schritte gen Fulda und nachdem sie Tag und Nacht ohne Unterbrechung gefahren waren, langten sie endlich hier an und als sie hier an heiliger Stelle ankamen, da erklangen die Glocken von selbst, ohne daß sie Jemand in Bewegung gesetzt hätte, und der heilige Leichnam sank hinab in das selbst gewählte Grab, wo er noch ist.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-bf18e06b gb-headline-text">Der Bonifaciusbrunnen zu Horas</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bonifacius befand sich einst bei Fulda in der Gegend, wo jetzt Horas steht. Während er dem frommen Gebete oblag, kam aber die Mittagsstunde heran, die Sonne warf ihre glühenden Strahlen senkrecht auf ihn herab und es dürstete ihn sehr. Da aber nirgends in der Nähe ein Brunnen zu sehen war, so mußte er sich entschließen, nach einem ziemlich weit entfernten Bache zu gehen. Ermattet griff er nach seinem Stabe, den er neben sich in die Erde gestoßen hatte, allein als er ihn herauszog, sprang ein silberheller Quell aus der Erde hervor, Bonifacius beugte sich voll innigen Dankgefühles nieder, netzte sein heißes Antlitz und trank das kühle Wasser, und von dieser Stunde an ist auch der Bonifaciusbrunnen der ganzen Umgegend ein Labsal geblieben, in Fulda aber erzählen sich die Kinder, daß alle neugeborenen Knaben und Mädchen aus diesem Brunnen herauskommen.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-02778f9f gb-headline-text">St. Bonifacius Fußtritt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der merkwürdigste Theil des Burgwaldes ist der hohe Christenberg, von dem mancherlei wunderliche Sagen gehen. Er soll früher Cester- oder Castorberg geheißen haben nach einem Tempel, den hier ein heidnischer Götze Namens Castor gehabt habe. Diesen Tempel hätte aber Karl Martell zerstört und durch den h. Bonifacius sei er in eine christliche Kapelle verwandelt worden. Jetzt steht ein kleines Kirchlein oben, zu dem früher sehr stark gewallfahret ward. Zweihundert Schritte davon zeigt man noch heute einen Fußtritt in einem Steine, der von Bonifacius herrühren soll, als derselbe einst im heiligen Eifer hier mit dem Fuße gestampft habe.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-7aaa5802 gb-headline-text">Der weiße Teufel im Dom&nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Teufel sah, wie sich der Dom zu Fulda so schön erhob und er aller der Seelen gedachte, die er durch diesen Bau verlieren werde, verlor&nbsp;er vor Aerger die Farbe und wurde kreideweiß. So sieht man ihn noch heute in der Kuppel des Doms, wo ihn St. Michael bewacht, und hier ist er ein Wahrzeichen der Stadt.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-1b532d89 gb-headline-text">Die Rathhaustreppe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am Rathhausbrunnen in Fulda halten die Mägde ihre Klatschgesellschaften und bis spät am Abend sind hier ihre bösen Zungen in Tätigkeit. Diejenigen aber, welche ihre Verläumdungen nicht widerrufen, müssen nach ihrem Tode mit ihrer Zunge die Rathhaustreppe scheuern, wozu ihnen der Teufel leuchtet. Um&#8217;s aber recht sauber zu machen, nehmen sie zuvor am Brunnen das Maul voll Wasser. Daher kommt es auch, daß man oft Morgens die Treppe ganz feucht sieht und dies gilt stets als ein sicheres Zeichen, daß wieder ein böses Maul büßen mußte.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-c2f51fb2 gb-headline-text">Die Severus-Kapelle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am Wollenwebersgraben in Fulda steht die Severuskapelle, die einzige Kirche der Stadt, in welcher noch zur Reformationszeit katholischer Gottesdienst gehalten wurde und worin nie Geistliche anderer Confession predigten. Man sagt nun, daß man oft um Mitternacht die Kapelle hell erleuchtet sieht, und wenn man durch&#8217;s Fenster hineinlauscht, so erblickt man den Priester vor dem Altar, der das h. Sacrament ausspendet. Das ist eine Geistermesse, welche von Priestern gelesen wird, die im Leben eid- und treubrüchig gewesen sind.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-0e46bda3 gb-headline-text">Der lange Hannes</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der Zeit zwischen Fasten und Ostern kommt jede Nacht ein Geist vom Petersberg bei Fulda bis an die St. Nicolaikirche gegangen, dort dreht er aber um und geht denselben Weg wieder zurück. Dieses Gespenst nennt man den langen Hannes. Es soll dieser der Diener eines Propstes auf dem Petersberge gewesen sein, der alles Geld, welches er von seinem Herrn für die Armen erhielt, unterschlug und vergrub. Zur Strafe muß er ruhelos umgehen. Er geht aber bis an die Nicolaikirche, wo das Armenhaus liegt, um zu sehen, ob sein Schatz gefunden und den Armen zu Gute gekommen ist.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-b0e5eb62 gb-headline-text">Feierabend</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als einmal die Brunnenherrenzeche in Fulda recht lustig im Gange war, da überhörten Alle den Schlag der Mitternachtsglocke. Auf einmal erschien eine fremde geisterhafte Gestalt in dem Saale, packte einen der Gäste und riß ihn mit sich im Wirbeltanz im Saale herum. Dies war der Geist eines Brunnenherrn, der sehr liderlich und schlecht gelebt hatte, und als er eines Abends betrunken aus dem Wirthshause kam, es versah, in die Ohm fiel und ertrank. Seit dieser Zeit macht man bei der Brunnenzeche Feierabend, ehe die Mitternacht kommt.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-09527500 gb-headline-text">Die Weides</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einst hatte der Gefährte des h. Bonifacius, der erste Abt von Fulda, der h. Sturmius, sich vor Ermüdung bei der Erbauung des Klosters in dem sogenannten Eichloch bei Fulda an einem Bächlein niedergeworfen, um etwas auszuruhen, da sah er im Traume, wie in dem Hofe des Klosters ein weißes Lämmchen, welches ein Fähnlein auf dem Rücken trug, grasete und wie oben herab eine Stimme rief: »Weid&#8216; es! weid&#8216; es!« Er aber schlief fort und das Lämmchen ging nun wie zu seinem Pferch nach der Tür der Kirche und immerfort rief die Stimme: »Weid&#8216; es!« Dies bedeutete, daß Sturmius der Hirte der jungen Christenheerde zu Fulda sein sollte. Seit dieser Zeit heißt aber der Bach: »Die Weides.«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Original: <strong>Johann Georg Theodor Grässe</strong>, Sagenbuch des preußischen Staates</p>



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		<title>Sagen rund um Frankfurt</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jul 2021 07:53:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Frankfurts Gründung Karl der Große führte viele Kriege mit dem mächtigen Sachsenvolke, welches er durchaus zum Christenthum bekehren wollte, allein dieselben wehrten sich tapfer und ob er gleich zuletzt ihrer Herr ward, so brachten sie ihm doch mehr als einmal bedeutende Niederlagen bei. Einst hatte er auch sich mit ihnen geschlagen und mußte vor ihrer ... <p class="read-more-container"><a title="Sagen rund um Frankfurt" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/sagen-rund-um-frankfurt/#more-668" aria-label="Mehr Informationen über Sagen rund um Frankfurt">Continue</a></p>]]></description>
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<h2 class="gb-headline gb-headline-4e403ac5 gb-headline-text">Frankfurts Gründung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Karl der Große führte viele Kriege mit dem mächtigen Sachsenvolke, welches er durchaus zum Christenthum bekehren wollte, allein dieselben wehrten sich tapfer und ob er gleich zuletzt ihrer Herr ward, so brachten sie ihm doch mehr als einmal bedeutende Niederlagen bei. Einst hatte er auch sich mit ihnen geschlagen und mußte vor ihrer Uebermacht fliehen. Da kam er bei Nacht und Nebel denn auch an den Fluß Main, den er aber nicht überschreiten konnte und doch waren die Sachsen hinter ihm und groß war die Noth. Da betete der Kaiser zu Gott und that ein Gelübde, wenn ihn Gott sicher über den Strom führe, wolle er drüben zur Ehre des Herrn eine Stadt gründen. Auf einmal zerteilte sich der Nebel und die Franken sahen eine weiße Hirschkuh mit ihren Jungen durch das Wasser gehen bis an das jenseitige Ufer. Sie folgten ihr nach durch die Furt und kamen wohlbehalten an das andere Ufer, die Sachsen aber konnten den Uebergangspunkt nicht wiederfinden, denn der Nebel hatte sich wieder gesenkt. Als der Kaiser aber drüben wieder seine Krieger beisammen sah, da rief er fröhlich aus: »Hier wollen wir eine Stadt bauen, die soll Franken Furt heißen, dort drüben aber sollen die Sachsenhausen!« und bis auf den heutigen Tag nennt man die Stadt am Main: »Frankfurt und Sachsenhausen«, und auf der Sachsenhäuser Brücke, nicht weit von der Stelle, an der die Furt war, steht das Denkmal des Kaisers, des Gründers der alten Mainstadt. Etwas anders erzählt die Gründung der Stadt die alte Sachsenchronik unter der Aufschrift: »Sunte hulpen barch (mit einem Holzschnitt, darauf ein kahler hoher Berg, auf welchem ein großes Kreuz)« und zwar also.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaiser Karl zog mit einem großen Heere gegen die Sachsen, diese waren aber noch stärker und drängten ihn so hart, daß er auf einen hohen Berg floh, der nun der heilige Hülfsberg heißt. Er führte aber allezeit ein Kreuz mit sich, wenn er in den Streit zog, und da er auf diesen Berg floh, setzte er das Kreuz nieder und rief die Hülfe Gottes an, welche ihm auch zu Theil ward, und er ließ das Kreuz auf dem Berge. Darnach ward hier eine Kapelle gebaut, genannt St. Hülfsberg. Während aber der Kaiser auf dem Berge war, floh sein Volk über das Wasser, das da heißt der Main. Da kehrten die Sachsen wieder und riefen: »Franke fort, Franke fort!« Dann bauten sie dort eine Veste und hießen sie Sachsenhausen, in der Meinung, daß sie da hausen wollten. Allein Gott half dem Kaiser, daß er wieder zu seinem Volke kam, er zog wieder gegen die Sachsen und verjagte sie aus der Veste, die sie gebaut und Sachsenhausen genannt hatten und baute auf der andern Seite des Wassers, wo die Sachsen gestanden und gerufen hatten: »Franke fort, Franke fort!« auch eine Veste und nannte sie den Sachsen zum Spott nach den Worten, die sie gerufen hatten: »Frankfort.« Daraus ist dann die alte Kaiser- und berühmte Kaufstadt geworden, die von der andern, von Sachsenhausen, durch das Wasser des Mains geschieden wird.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-906e73b2 gb-headline-text">Der verteufelte Königssohn</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Karls des Großen Tode gingen die Karolinger mit dem großen Kaiserreiche um genau als wäre es ein Gemüsegärtlein. Da wurden die Beete geteilt, dann wieder vereinigt und nochmals geteilt und abermals geteilt, also daß keiner mehr recht wußte, wem das Stück Krautland gehörte und dort das Stück Rübenfeld. Dabei war aber auch noch Zwist zwischen Vätern und Söhnen und Brüdern und Enkeln, so daß man nicht anders denken konnte, als daß der Teufel zwischen sie Zwietracht gesäet habe und dem war auch so. Da wollte Karls Sohn, König Ludwig der Deutsche, wieder Ordnung herstellen und zeigen, wer Herr im deutschen Reiche sei. Er ließ also seine aufrührerischen Söhne Ludwig und Karl nach Frankfurt kommen, denn er war dorthin gezogen um in seinem Palaste das Weihnachtsfest zu feiern, und da sollten seine Söhne bereuen und sich wieder mit ihrem Vater aussöhnen. Sie kamen auch, allein der Teufel war auch da. Als nun der Kaiser ihnen manches harte Wort über ihren Ungehorsam gesagt hatte, da ward es namentlich seinem Sohne Karl leid, daß er gekommen war. Siehe da verwandelte sich der Teufel in einen Engel des Lichts, trat hin zu Karl und sagte ihm ins Ohr: »Sei ruhig, Männlein, und bleibe, denn Du bekommst doch Alles, freilich will es Dein Vater dem Andern geben, aber das wird der Herr des Himmels nicht zugeben!« Da stieg aber dem Karl die Nachricht ins Gehirn, daß er rasend wurde vor Freude und wie besessen in die nächste Kirche rannte, der Teufel aber ließ nicht ab von ihm, sondern folgte ihm auch dorthin und sagte: »Warum stellst Du Dich wie toll bei so erfreulicher Kunde und weshalb<a href="http://www.zeno.org/Literatur/L/Gr%C3%A4sse-Preu%C3%9Fen+Bd.+2">[677]</a> fliehst Du mich? Dürfte ich Dir denn an diese heilige Stätte folgen, wenn ich nicht ein Gesandter des Himmels wäre, denn wäre ich ein Geist der Hölle, so wäre mir doch hier der Eingang verschlossen!« So glaubte denn Karl dem Versucher, und dieser reichte ihm sogar das heilige Abendmahl mit eigener Hand, allein mit dem Genuß der Hostie fuhr aber auch der Teufel mit in ihn hinein und so hatte Karl wirklich den Teufel im Leibe. Da kamen sein Vater und die Großen des Reichs und die Bischöfe und viele andere Leute um ihn zu suchen, allein er brüllte laut wie ein Thier und schäumte in teuflischer Wuth, schlug um sich und verfluchte sich und alle Uebrigen und wollte Alles zerschlagen. Sechs Männer konnten ihn kaum halten, er riß Wehrgehenk, Schwert, Gürtel und Kleider vom Leibe und warf sie auf den Boden und der Teufel schüttelte ihn immer heftiger und ob auch der Erzbischof zu ihm trat und eine lateinische Messe las, er kam nicht zur Besinnung, sondern schrie immerfort: »Wehe! Wehe!« Da sprach sein Vater Ludwig zu ihm: »Siehst Du nun, mit wem Du Dich verbunden hast, und wie Alles an den Tag kommt, bekenne Dein Verbrechen, ich will Dir vergeben und Gott wird es auch tun!« Als aber der Teufel Gottes Namen Deutsch hörte, da rüttelte er Karl zum letzten Male heftig und fuhr aus. Karl erkannte sein Unrecht und nannte später die Kirche dem Erlöser zu Ehren Salvatorskirche, weil er darin vom Teufel erlöst worden war.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-64487c8e gb-headline-text"> Warum in Frankfurt kein Kind sich ohne Willen seiner Eltern verheiraten dürfe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sonst ist in allen deutschen Städten die Gewohnheit gewesen, daß wenn ein Kaiser oder König in eine solche kam, und einer der bei ihm befindlichen Hofbedienten eine schöne und reiche Bürgerstochter sah, und solche zur Ehe haben wollte, konnte er auf diese Art ohne die Eltern und die Weibsperson selbst darum zu begrüßen sie erlangen, er begrüßte nur den Kaiser darum und dieser schickte seinen Marschall vor ihre Wohnung und ließ durch diesen Folgendes ausrufen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Höret zu Ihr Herren überall</p><p>Was gebeut der König und Marschall</p><p>Was er gebeut und das muß sein</p><p>Hier ruf ich aus N.N. mit N.N.</p><p>Heut zum Lehen, morgen zur Ehen</p><p>Ueber ein Jahr zu einem Paar.</p></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Nun war unter des Kaisers Hofbedienten auch einer, der sich in des Johann von Goldstein Tochter verliebte und sie zu ehelichen verlangte, welche dann der König auf obgedachte Weise belangen ließ. Da nun der von Goldstein seine Tochter nicht gern von sich gab, trat er selbst vor den König Heinrich, brachte durch verständige Gründe zu Wege, daß ihn der König in Bezug dieser gezwungenen Ehe mit seinem Hofbedienten nicht allein gänzlich absolvirte, sondern auch den vier Wetterauischen Städten deswegen unter dem 14. Januar 1232 das Privilegium erteilte, daß hinführo alle Eltern von dergleichen gezwungenen Ehen ihrer Kinder befreit sein sollten. Von dieser Verordnung rührte aber in Frankfurt noch die im 18. Jhdt. Gebräuchliche Gewohnheit her, daß die Kinder am ersten Tage des Monat Mai in einem grünen Wäglein von Haus zu Haus herum fuhren und mit heller Stimme die obgedachten Verse ausriefen</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-ebf690e4 gb-headline-text">Der Faulbrunnen und der Grindbrunnen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Frankfurt a.M. ist ein Faulbrunn von starkem Geruch und Geschmack, so daß einer einen Abscheu davon bekommen kann. Gleichwohl kann man dieses Wasser bei allen hitzigen Krankheiten ohne Schaden nach Lust trinken. Wenn nun einer, der in demselben Jahre sterben muß, an diesen Brunnen kommt, so wird sein Wasser trübe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht weit von der Stadt ist ein zweiter merkwürdiger Brunnen, dessen Wasser einen unangenehmen Geschmack hat und oben nicht anders anzusehen ist, als ob er mit Grindsuppe bedeckt sei. Doch weiß man aus Erfahrung, daß gerade sein Wasser ein Hauptmittel gegen Grind ist. Darum heißt er der Grindbrunnen (eine Schwefelquelle).</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-e8145c23 gb-headline-text">Der Hahn auf der Sachsenhäuser Brücke</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der Mitte der Sachsenhäuser Brücke sind zwei Bogen oben zum Theil nur mit Holz zugelegt, damit dies in Kriegszeiten weggenommen und die Verbindung leicht, ohne etwas zu sprengen, gehemmt werden kann. Davon giebt es folgende Sage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Baumeister hatte sich verbindlich gemacht, die Brücke bis zu einer bestimmten Zeit zu vollenden. Als diese herannahte, sah er, daß es unmöglich war, und wie nur noch zwei Tage übrig waren, rief er in der Angst den Teufel an und bat um seinen Beistand. Der Teufel erschien und erbot sich, die Brücke in der letzten Nacht fertig zu bauen, wenn ihm der Baumeister dafür das erste lebende Wesen, welches über die Brücke gehen werde, überliefern wolle. Der Vertrag wurde geschlossen und der Teufel baute in der letzten Nacht, ohne daß ein Menschenauge in der Finsterniß sehen konnte, wie es zuging, die Brücke ganz richtig fertig. Als nun der erste Morgen anbrach, kam der Baumeister und trieb einen Hahn über die Brücke vor sich her und überlieferte ihn dem Teufel. Dieser aber hatte eine menschliche Seele gewollt und wie er sich also betrogen sah, packte er zornig den Hahn, zerriß ihn und warf ihn durch die Brücke, wovon die zwei Löcher entstanden sind, die bis auf den heutigen Tag nicht können zugemauert werden, weil Alles in der Nacht wieder zusammenfällt, was Tags daran gearbeitet ist. Ein goldener Hahn auf einer Eisenstange steht aber noch jetzt zum Wahrzeichen auf der Brücke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem im Jahre 1635 in der Vitzthumschen Belagerung dieser Hahn abgeschossen worden ist, ist an dessen Statt ein anderer aufgesteckt und in denselben folgende Verse auf Pergament geschrieben inwendig hineingetan worden.<a href="http://www.zeno.org/Literatur/L/Gr%C3%A4sse-Preu%C3%9Fen+Bd.+2">[679]</a></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Und war ihm da sein letzter Lohn</p><p>Daß ihm die Schwedisch Garnison</p><p>Zu Sachshausen damals logirend,</p><p>Und die Inwohner wohl vexirend,</p><p>Nachdem er lang am Main gewacht</p><p>Durch einen Schuß herunterbracht</p><p>Dardurch er ins Wasser baden ging</p><p>War vorhin nicht gewohnet der Ding</p><p>Da man einen neuen gesetzt hat</p><p>Der nun vertritt des alten Statt.</p><p>Inskünftig auch der kann zeigen an</p><p>Wie&#8217;s gegangen ist dem alten Hahn.</p><p>Der neue Hahn ward aufgesetzet hier</p><p>Den eilsten Tag Januarij</p><p>Des nächst darauf folgenden Jahr</p><p>Als eben damals Bauherrn waren</p><p>Herr Hans Heinrich zum Jungen genannt</p><p>Herr Philips Leuthwein auch nach der Hand</p><p>Und endlich weiland Herr Hans Hammer</p><p>Der kurz zuvor aus diesem Jammer</p><p>Ist abgeschieden aus der Welt</p><p>Eh&#8216; der neu Hahn ward aufgestellt.</p><p>Der diesen Rhythmus machen thät</p><p>Heißt Johann Flitner ein Poet</p><p>In seiner Jugend coronirt</p><p>Und mit dem Lorbeerkranz geziert</p><p>War im Latein besser: ein Frank</p><p>Darum er auch den Wein gern trank.</p></blockquote>



<h2 class="gb-headline gb-headline-dd61f048 gb-headline-text">Der Rattenpfennig</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Ende des 15. Jhdts. hat es in Frankfurt a.M. sehr viele Ratten und Mäuse gegeben und in Folge davon ist der sogenannte Rattenpfennig aufgekommen, ist jedoch keine eigentliche Münze gewesen, sondern hat in einem bloßen Pfennig bestanden und wurde bezahlt aus der Strafkasse der Juden und zwar aus folgendem Grunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahre 1498 hat allhier zu Frankfurt der junge Landgraf Wilhelm zu Hessen mit Fräulein Elisabeth Pfalzgräfin, Tochter Philipps Herzogs in Baiern und Kurfürst am Rhein Beilager gehalten. Erst ist ein wunderbarliches Turnierrennen und Stechen gehalten, dann aber bis zu Mitternacht in einem aus vielen Bretern errichteten Hause ein schöner Tanz und Reigen aufgeführt worden, da ist einem Juden die Lust angekommen, den Tanz mit anzusehen, ist also in einem sammtnen Kleide aufs Herrlichste angetan hierhergekommen und unerkannt durch die wachhabenden Bürger eingelassen, letzlich aber doch erkannt, ergriffen und um eine stattliche Summe Geldes gestraft worden. Das Geld hat man in keiner andern Weise anzulegen gewußt, denn den Juden zu mehrerem Spott und Verkleinern jährlich dazu verordnet, dieweil aber dazumal sehr viele Ratten gewesen, so großen Schaden angerichtet, wer eine solche zwischen 11 und 12 Uhr auf der Brücke gewissen dazu verordneten Personen bringen werde, dem solle man einen Pfennig geben solches jüdischen Geldes, den Ratten aber ward der Schwanz abgehauen und in den Main geworfen, welcher Brauch noch einige Zeit gewährt hat. Im Jahre 1499 hat ein anderer Jude, Namens Gumprecht, einen andern Juden bezüchtigt, er hätte mit den Weibern zweier Christen Unzucht getrieben, weil er es aber nicht beweisen können, hat er 50 Gulden Strafe geben müssen, davon der Rattenpfennig entrichtet worden ist. Im Jahre 1553 ist ein getaufter Jude zu dem Amte, die Ratten anzunehmen, verordnet worden, indeß ist im Jahre 1569 das Rattenhäuslein auf der Brücke den Bürgern, so mit Pulver gehandelt, eingeräumt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichwohl sind die Ratten darum doch nicht vertilgt worden, denn bei dem großen Judenbrande im Jahre 1711 ist beobachtet worden, daß eine große Anzahl dergleichen Ungeziefers, viele tausend Ratten und Mäuse, die sich nicht zu retten gewußt und häufig gesehen wurden, verbrannt sind, wie denn deren in der Gasse alles voll gesteckt hat. Hierüber geht bei den Frankfurter Juden die Sage, daß der polnische Rabbiner Aharon Schmul Keidenauer, als er von hier, wo er Rabbiner gewesen, unwillig, weil ihm nicht genug Ehre erwiesen worden, hinweg und wieder nach Krakau gezogen, er dieses der Judengasse als Fluch gewünscht, daß sie von Ratten und Mäusen sollten geplagt werden.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-93b641d4 gb-headline-text">Der Schwedenschuß</h2>



<p class="wp-block-paragraph">An dem eisernen Kreuze auf der Sachsenhäuser Brücke hängt ein eisernes Christusbild, das in der rechten Wade eine tiefe Schußwunde hat. Darüber wird folgende Sage erzählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahre 1635 waren die Schweden in der Stadt und hatten mit den Frankfurter Schützen ein heißes Gefecht auf der Brücke. Da sah ein Schwede das eiserne Christusbild an dem Kreuze und in der Wuth darüber, daß seine Kameraden so tapfern Widerstand an den Frankfurtern fanden, legte er sein geladenes Gewehr an, zielte und schoß mit einem tüchtigen Fluche nach dem heiligen Bilde. Allein seine unheilige Rohheit ward sogleich bestraft. Die Kugel drang zwar einen halben Zoll tief in das eiserne Bild, prallte aber dennoch zurück und gerade in die Brust und das Herz des gottlosen Schweden, der demnach zum letzten Male geschossen hatte, die Vertiefung in der eisernen Wade aber ist noch heute zu sehen.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-a82b9b32 gb-headline-text">Das Fettmilchgäßchen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Geht man von dem Trierschen Plätzchen nach der Zeil zu und wendet sich in der Töngesgasse etwas links, so kommt man, ein Haus von der Hasengasse weiter links, auf ein Plätzchen, dem man ansieht, daß ursprünglich daselbst ein Haus gestanden hat. Dies war das Fettmilchgäßchen. Jetzt steht ein Brunnen da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es haben nämlich in den Jahren 1612 bis 1614 in Frankfurt die Bürger einen großen Aufruhr gegen den Stadtrath angesponnen, die Judengasse geplündert und gräßliche Unthaten verübt. Zuletzt sind aber die Rädelsführer dieses Aufruhrs zur Strafe gezogen worden, nachdem der Kaiser Matthias am 4. September des Jahres 1614 den Lebküchler Vincenz Fettmilch und seine Genossen Conrad Schoppe und Conrad Gerngroß in die Acht erklärt hatte. Ersterer stets mit Pistolen und Dolchen bewaffnet setzte sich heftig zur Wehre, wurde aber niedergeworfen und mit Stricken gebunden in den Turm geführt. Er rief seinen Anhängern zu: »Laßt mich nicht stecken«, und diese stürmten unter furchtbarem Tumulte den Turm und führten Fettmilch in großem Triumphe nach seiner Behausung in der Töngesgasse. Hier verschanzte er sich, befestigte es in allen drei Stockwerken bis unter das Dach, stellte an den Fenstern mehrere seiner Anhänger mit Musketen auf und an den Eingang seines Hauses vor der Stiege einen Mörser mit Pulver und Kugeln gefüllt. Am nächsten Morgen (28. November 1614) wurden die Stadttore geschlossen, in allen Gassen Ketten gespannt und die bewaffnete Mannschaft aller Quartiere kam nebst den Stadtsoldaten vor Fettmilchs Haus gezogen. Er ward wiederholt aufgefordert, sich zu ergeben, was er aber nicht that. Da wurden die Zimmerleute beordert, die Hauptpfosten des Hauses einzuschlagen, und bei längerer Weigerung Fettmilchs sollte das Haus mit Kanonen zusammengeschossen werden. Fettmilch ließ sich mehrmals wohlgerüstet an der Haustüre sehen, aber erst nachdem der Sturm schon anbefohlen und bereits mehrere Schüsse von Seiten der Bürgerschaft auf das Haus geschehen waren, ergab er sich nebst seinen Anhängern gutwillig. Die vier Urheber dieses Aufstandes wurden auf dem Roßmarkt enthauptet und deren Häupter auf den Brückenthurm gesteckt, Vincenz Fettmilchs Wohnhaus in der Töngesgasse abgebrochen und zum Gedächtniß eine viereckige steinerne Säule mit einer doppelten Umschrift auf denselben Platz, der seit dieser Zeit das Vincenzplätzchen hieß, gesetzt. Dieselbe lautet: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>»<em>Vincentius Fettmilch Dulciarius Tribunus falsa spe litteris et sigillis seditiose motis, magistratu mutato Judaeis publicatis Principum Commissariorum Legatis derisis ipsaque Caesarea proscriptione occupato commeatu ac propugnaculis pertinaciter spreta, cum bonos in summam non semel trepidationem tam sponte quam corruptus adduxisset, pridie Cal. Mart.</em> MDCXVI <em>digitis perjuris capiteque ad pontem a Turri porrecto, plexus, corpore vero de quatuor furcis in diversas vias publicas suspenso, conjugi, liberisque exilium sibi domus dejectae loco cippum hunc infamem promeruit. Sempiternae Rebellionis memoriae.</em>«</p></blockquote>



<h5 class="wp-block-heading">Die deutsche Inschrift lautete:</h5>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Daß dieser Platz bleibt öd und wüst,</p><p>Dran Vincenz Fettmilch schuldig ist,</p><p>Welcher diß Stadt drei gantzer Jahr</p><p>Gebracht hat in manch groß Gefahr,</p><p>Dessen er endlich hat darvon</p><p>Getragen diesen bösen Lohn,</p><p>Daß er endlich an der Richtstatt</p><p>Sein zwey Finger verlohren hat,</p><p>Hernach den Kopf gevierteilt drauf</p><p>Und die vier Theil gehenkt auf,</p><p>An die vier Straßen dieser Stadt</p><p>Den Kopf man aufgestecket hat,</p><p>Am Brücken Turm auch Weib und Kind</p><p>Ewig des Lands verwiesen sind,</p><p>Das Haus geschleift das ich allhier</p><p>Zur treuen Warnung stehe dir.</p><p>XXVIII <em>Febr.</em> MDCXVI.</p></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die steinerne Schandsäule stand bis zum Jahre 1719, in welchem Jahre sie nach einer großen Feuersbrunst durch Einsturz einer Mauer zertrümmert ward. Von den vier auf der eisernen mit vier Spitzen versehenen Stange des Brückenthurms aufgesteckten Schädeln (d.V. Fettmilch, C. Gerngroß, C. Schoppe u. Georg Eibel) hatte sich einer noch bis zum Ende des 18. Jhdts., wo ihn Göthe noch gesehen hat, erhalten, bis der Brückenthurm selbst im Jahre 1801 eingerissen ward. Was übrigens die über diesen Köpfen unten am Boden des vorstehenden Zwerghauses angebrachte lange Tafel mit einem Gemälde, welches eine liegende nackte Figur in Lebensgröße vorstellte, mit der Umschrift <em>M. Manlius Oppugnator Patriae Libertatis</em> eigentlich bedeuten sollte, ist unsicher.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-a09d3382 gb-headline-text"> Der Frankfurter Messerschmiede Wappen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es hat der Kaiser Sigismund (in dem Jahre 1437) einmal gegen die Türken im Felde gelegen und ist genöthigt worden, in offener Feldschlacht gegen sie zu kämpfen, da ist ihm aber der Feind zu mächtig geworden und das kaiserliche Heer ist entweder in die Flucht geschlagen oder niedergemacht und gefangen genommen worden. Nun hat aber nach Gottes wunderbarer Schickung ein tapferer Kriegsmann mit Namen Georg Springenklech, seines Handwerks ein Messerschmied aus Frankfurt, gesehen, daß das Leben des Kaisers in den Händen der Feinde war. Er hat sich also hervorgemacht, sein Hemde in der Gefallenen Blut getunkt, solches auf eine lange Picke gesteckt und mit hellem Rufen und Geberden sich gestellt, als ob noch ein Hinterhalt von den Kaiserlichen vorhanden wäre und herbeikommen solle. Als nun die Feinde solches ersehen, indem noch etliche wenige Uebriggebliebene, so sich aus Furcht vor dem Feinde verborgen gehabt, zu diesem obgedachten Schmied gemacht, sind die Türken zurückgewichen, worauf dieser streitbare Held mit ernstem Muthe nachgedrängt und die Feinde zurückgetrieben hat. Als nun solches einige Kriegsknechte von der kaiserlichen Armada wahrgenommen, sind sie umgekehrt, den Feinden nachgejagt und haben also durch Gottes Hilfe des Feindes Macht total vernichtet und ist also nächst Gott durch diesen Helden die Schlacht erhalten worden. Nach erlangtem Siege wurde ein Gottes-Triumphfest gehalten und begehrte der Kaiser diesen tapfern Helden zu sehen, welcher ihm alsbald vorgestellt worden ist. Darauf hat ihm der Kaiser eine Krone als Siegeszeichen verehrt, hat ihn auch vor allen Fürsten und Herren, so zugegen gewesen, zum Ritter geschlagen und mit Schild und Helm begabt. Nach diesem begehrte der Kaiser von ihm, er solle sich von ihm etwas ausbitten, was er wolle, wofern es ihm möglich wäre zu tun, solle es ihm gewährt werden. Auf solches Anerbieten hat sich der Ritter bald bedacht und weil er keine Leibeserben gehabt, hat er nichts mehr begehrt, als daß ihm Se. Kaiserl. Majestät zulassen möchte, daß er und nach seinem Tode alle Messerschmiede und deren Kinder ein adeliges Wappen, nämlich die Kaiserliche Krone, durch welche drei Schwerter gehen, neben einem offenen Schild und Helm, wie auch an der Seite drei Greifen führen möchten. Welches ihm der Kaiser nicht allein vergünstigt, sondern mit allem Willen seinen Nachkommen kräftige Briefe und Siegel gegeben hat, welches noch vorhanden, wird auch noch in dem Petschaft des wohllöblichen Messerschmiedhandwerks geführt. Jener Messerschmiedgesell hatte nämlich neben seinem Handwerke auch die Fechtkunst erlernt und ist darin so wohl geübt gewesen, daß er bald zu einem Meister des langen Schwertes gemacht worden ist. Weil er aber ein muthiger Mensch gewesen, hat er Lust bekommen, sich in den Krieg zu begeben, in welchem er auch sein Schwert in die 17 Jahre geführt und manches Scharmützel, Sturm und Schlacht ausgestanden hat und ohne Schaden davongekommen ist, bis nach obgedachtem Siege er vom Kaiser zum Ritter geschlagen worden ist. In diesem Orden hat er auch sein Leben an des Kaisers Hof, weil er Alters halber des Krieges müde geworden, endlich beschlossen, und liegt zu Prag auf der Kleinseite in der St. Thomaskirche im Kreuzgange begraben, an welchem Ort denn auch heutigen Tages die Messerschmiede ihr Begräbniß haben, welches das Epitaphium aufweist, oben an der Wand in einer Kapelle, da der Messerschmiede Wappen steht.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-e165b4c8 gb-headline-text">Die letzte Kaisernische und der letzte Krönungsbeutel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Römer, dem Frankfurter Rathhaus, ist ein großer alterthümlicher Saal, der sogenannte Kaisersaal, an dessen hohen Fenstern sich der neugekrönte Kaiser dem auf dem Römerberge versammelten Volke in seiner Kaiserpracht zeigte und in dem dann die Majestäten speisten, bedient von Fürsten und Reichsgrafen. An den langen Seitenwänden dieses Saales sind Nischen, in Spitzbögen oben zulaufend angebracht. Dieselben sind schon seit Jahrhunderten zur Aufnahme der deutschen Kaiserbilder benutzt worden, in der neuesten Zeit aber wurden sie entfernt und sind durch Gemälde, welche die deutschen Kaiser von den Karolingern an bis auf Franz II. vorstellen, ersetzt worden. Als diese Nischen im 15. Jhdt. gebaut wurden, dachte man nicht daran, daß hier die Bilder der deutschen Kaiser aufgestellt werden sollten – Frankfurt, schon längst die deutsche Kaiserwahlstadt, ward im Jahre 1562 auch die deutsche Kaiserkrönungsstadt, was bisher Aachen gewesen war – oder wenigstens nicht, ob es mehr deutsche Kaiser oder mehr Nischen geben werde. Sonderbarer Weise ist die letzte Nische mit dem Bilde des letzten deutschen Kaisers, Franz II., voll geworden und obgleich die Deutschen im Jahre 1849 einen neuen Kaiser gewählt haben, so hat derselbe doch die Krone nicht angenommen und keine neue Nische ist nöthig gewesen. In Frankfurt aber geht die Sage, daß bei der Verkündigung dieser letzten Wahl, wo alle Glocken in diesem feierlichen Augenblick geläutet wurden, die große Karolusglocke auf dem Pfarrthurme, die zu Ehren Karls des Großen also heißt, einen gewaltigen Sprung bekam und daß in der Mondscheinnacht die Kaiser im Römersaal aus ihren Nischen hervorgetreten seien und in einer gespenstigen Rathssitzung beschlossen hätten, keinen neuen Kaiser mehr einzulassen, und so ist denn Deutschland kaiserlos geblieben seitdem bis auf den heutigen Tag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bekanntlich ward sonst bei jeder Kaiserkrönung ein Beutel voll goldner und silberner Krönungsmünzen unter das Volk geworfen, als nun die letzte Krönung d. 14. Juli 1792 stattfand und die Münzen unter die sich darum balgende und raufende Menge ausgestreut waren, flog auch zuletzt der Beutel, worin sie enthalten waren, durch die Luft zwischen die Menschenköpfe und einem Bäckergesellen gerade auf die Brust. Mit einem Freudenschrei kreuzte dieser hastig beide Arme über Brust und Beutel und wollte mit seiner Eroberung sich aus dem Staube machen, allein dies ging nicht so leicht, Mehrere hatten den Beutel fliegen sehen und wollten ihn nun seinem Besitzer entreißen. Darüber entspann sich nun ein heftiger Kampf, weil dieser sein Besitzthum männlich vertheidigte. So wälzte sich der um den Beutel kämpfende Haufe über den Römerberg in eine andere Gasse, woselbst ein Bürger Wache stand. Dieser glaubte, der Bäckergeselle habe den Beutel gestohlen und schlug ihn mit seinem Gewehrkolben zu Boden, der Beutel ward ihm entrissen und einer zerrte ihn nun dem andern aus den Händen, bis ihn endlich doch einer davontrug. Allein das Bäckerhandwerk nahm sich des Gesellen an, die richterliche Entscheidung erkannte denselben ihm auch zu und da man wußte, wer ihn hatte, so mußte ihn dieser wieder herausgeben. Als kostbares Besitzthum ward er von da an bis auf den heutigen Tag in der Gesellenlade aufbewahrt und bei Gesellengeboten und wenn ein Geselle zum Meister gemacht ward, legte man den Beutel auf den Deckel der aufgeschlagenen Lade gleich einem Heiligthum, welches an den Ernst und die Feierlichkeit des Augenblicks mahnte. Der Bäckergeselle ward in dem Spitale, wohin er in Folge jenes Schlages besinnungslos gebracht worden war, wieder gesund und hieß fernerhin spottweise das Krönungsköpfchen.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-448d2b50 gb-headline-text">Der Neuner in der Wetterfahne</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende der durch den dort stehenden ehemaligen Bundespalast berühmten Eschenheimer Gasse, an dem nach ihr sogenannten Eschenheimer Thor steht ein hoher runder Turm, der unter der Regierung Kaisers Ludwig des Baiern im Jahre 1346 gebaut ward und den man seiner Schönheit wegen stehen ließ, als die Festungswerke der alten Reichsstadt abgetragen wurden. Ganz oben auf der mittelsten und höchsten der fünf Turmspitzen ist eine Wetterfahne, wenn man diese recht genau ansieht, so erblickt man in derselben neun Löcher, die einen Neuner vorstellen und ihren Ursprung folgender Begebenheit verdanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hat einst in den Frankfurter Wäldern ein Wilddieb, Namens Hans Winkelsee, sein Wesen getrieben, ließ sich aber nicht fahen, so oft man auch auf ihn Jagd gemacht hat. Endlich hat man ihn aber doch gehascht und in sichern Gewahrsam in das Gefängniß gebracht, welches oben im Eschenheimer Turme für Leute seines Gelichters bestimmt war. Hier saß er denn auch neun Tage und neun Nächte und wartete auf den Richterspruch, von dem er sich aber nicht viel Erfreuliches versprach. Er horchte also den Kerkermeister aus und als er hörte, daß ihm der Galgen so gut als gewiß sei, so meinte er, wenn man ihn laufen lasse, wolle er einen Meisterschuß tun und zum Andenken an die neun Nächte, die er in dem Turme verlebt habe, mit neun Kugeln einen Neuner in das Wetterblech schießen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kerkermeister ging hinaus und schnurstracks zum Rath und erzählte, was Hans Winkelsee gesagt hatte. Die Rathsherrn trauten dem schlimmen Gesellen aber nicht und dachten ihn nun auf eine gute Art los zu werden. Sie ließen&#8217;s also gelten und dem Wilddieb sagen: »Es sei, geht aber auch nur eine einzige Kugel fehl, so mußt Du sogleich an den Galgen.« Um den Turm hatte sich nun am folgenden Tage eine große Menge Menschen versammelt um das Schützenschauspiel zu sehen, Schöffen, Räthe und Bürger drängten sich herzu, als Hans Winkelsee mit seiner Büchse erschien, geführt von dem Kerkermeister. Siegesbewußt schaute aber der verwegene Schütze zum Turme hinauf nach der Wetterfahne, nahm seine Büchse, legte an und schoß und traf: ein rundes Löchlein war in der Wetterfahne. Er schoß wieder: ein zweites Löchlein dicht neben dem ersten. Er schoß abermals und nochmals und als er neunmal geschossen, da stand richtig der schönste Neuner, aus lauter runden Löchern gebildet, Allen sichtbar in der Fahne. Da jubelte die Menschenmenge, die Räthe aber befiel ein Grausen, denn sie glaubten, daß hier der Böse mit im Spiele sei und waren fast froh, daß sie ihr Wort halten und den Wildschütz freilassen durften. Einer der Schöffen aber trat zu ihm und sprach: »Hans Winkelsee, Du hast durch Deine Schüsse Deine Unschuld klärlich bewiesen. Wir schenken Dir also die Freiheit, hin zu gehen, wohin Du nur willst, geben Dir aber den Rath, laß ab von Deinem gefährlichen Handwerk und werde ein ehrlicher Mann!« Jener aber lachte spöttisch, warf seine Büchse über die Schulter und ging auf und davon. Der alte Turm ist unten mit Epheu bekleidet, der sich immer höher hinaufrankt und es geht die Sage, daß von dem Turme, der schon gar oft abgerissen werden sollte, nicht eher ein Stein weggenommen werden könne, bis die Epheuranken an der geheimnißvollen Wetterfahne angelangt seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Schlußsteine des spitzen Thorbogens nach der Stadtseite hin befindet sich ein steinernes Menschenköpfchen, das plötzlich einmal da gewesen sein soll, ohne daß man wußte, woher es gekommen. Das soll Hans Winkelsee sein, der gefeite Schütze.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-921ef63b gb-headline-text">Der Lump</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahre 1471 ist zu Frankfurt ein Turnier gehalten worden, dem gar hohe Herrschaften und viele schöne Jungfrauen von den Balkonen aus zusahen. Die Ritter aber hatten gesucht, es einander an äußerer Pracht der Kleidung und Harnische zuvor zu tun, nur einer von ihnen hatte einen ganz unscheinbaren Harnisch, rostig und schmucklos, und gerade dieser rannte mit seiner Lanze alle zu Boden und so blieb er Sieger und Herr des Tages. Der Pfalzgraf aber, der das Turnier angeordnet hatte, ärgerte sich, daß ein so unscheinbarer Unbekannter den Preis über alle Ritter und Edeln davontragen sollte und frug: »Wer ist denn der Lump, der also tapfer ficht und sticht?« »Peter Marburg zum Paradies« war die Antwort. Davon ist ihm und seinem Sohne der Zuname »der Lump« geblieben.</p>



<h2 class="gb-headline gb-headline-b126b140 gb-headline-text">Die Turmkrone</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Dom oder die St. Bartholomäuskirche in Frankfurt a.M. ist diejenige Kirche, wo sonst die deutschen Kaiser gekrönt wurden; früher befand sich an der Stelle, wo sie jetzt steht, eine von Karl dem Großen erbaute Marienkapelle, die später hier errichtete Kirche nannte Karl der Dicke Salvatorskirche, nachdem aber im Jahre 1238 dieser Kirche die Hirnschale des h. Bartholomäus geschenkt worden war, hieß man sie Bartholomäuskirche. Ueber dieselbe erhebt sich ein 260 Fuß hoher Turm, der sogenannte Pfarrthurm, der aber keine Spitze hat, die er doch eigentlich hätte bekommen sollen. Der Grund, warum dies nicht geschehen ist, war folgender.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Baumeister des Pfarrthurms und der Baumeister der Sachsenhäuser Brücke wetteten mit einander um eine hohe Summe, wer sein Bauwerk zuerst fertig bekommen werde. Der Brückenbaumeister aber hatte das seinige schon vollendet, als der Turmbaumeister erst so weit gelangt war, wie der Turm gegenwärtig noch in die Höhe ragt. Da nun Letzterer nicht so viel Geld hatte um die verlorene Wette zu bezahlen, so stürzte er sich von der Höhe desselben herab und brach den Hals. Aus diesem Grunde ist er nun auch nicht fertig gebaut worden, sondern hat nur eine Kugel bekommen, die einer fest über den Kopf gezogenen Kappe oder einem einfachen Helme gleicht. Ob nun wohl im Jahre 1512 dieser Turm bis zur Schlußpyramide fertig war, und Maximilian II., der erste deutsche Kaiser, der hier gekrönt worden, dies erst im Jahre 1562 ward, so soll doch die Kappe, welche der Turm trägt, auf die Kaiserkappe des heiligen römischen Reiches hindeuten und die Kirche, welche die Krönungskirche sein sollte, gewissermaßen krönen. Leider ist im Jahre 1848 diese Kuppel durch jene ihr aufgesetzte häßliche riesige gläserne Laterne, welche so groß ist, daß mehrere Menschen darin Platz haben und dazu bestimmt ist, bei Aufruhr u. dergl. Feuersignale in die Ferne zu geben und vom Volke spottweise die Reichslaterne genannt ward, gänzlich verunziert worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Original: <strong>Johann Georg Theodor Grässe</strong>, Sagenbuch des preußischen Staates</p>



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		<title>Sagen zum Heiligen Winfried oder Bonifacius</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2021 16:53:42 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Bonifacius]]></category>
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					<description><![CDATA[Als der heil. Winfried, genannt Bonifacius, die Hessen bekehren wollte, kam er auf einen Berg, wo ein heidnisches Gotteshaus stand, das ließ er umreißen und die erste christliche Kirche bauen. Seitdem heißt der Berg&#160;Christenberg, (vier Stunden von Marburg) und zweihundert Schritte von der Kirche weisen die Leute noch heutigestags einen Fußtritt im Stein, der von ... <p class="read-more-container"><a title="Sagen zum Heiligen Winfried oder Bonifacius" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/sagen-zum-heiligen-winfried-oder-bonifacius/#more-499" aria-label="Mehr Informationen über Sagen zum Heiligen Winfried oder Bonifacius">Continue</a></p>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Als der heil. Winfried, genannt Bonifacius, die Hessen bekehren wollte, kam er auf einen Berg, wo ein heidnisches Gotteshaus stand, das ließ er umreißen und die erste christliche Kirche bauen. Seitdem heißt der Berg&nbsp;<em>Christenberg</em>, (vier Stunden von Marburg) und zweihundert Schritte von der Kirche weisen die Leute noch heutigestags einen Fußtritt im Stein, der von Bonifacius herrührt, als er vor heiligem Eifer&nbsp;auf den Boden stampfte. Wie er nach Thüringen kam, ließ er zu Großvargula eine Kirche bauen, die er selbst einweihen sollte. Da steckte er seinen dürren Stab in die Erde, trat in die Kirche und las die Messe; nach vollbrachtem Gottesdienst hatte der Stab gegrünt und Sprossen getrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Stunde von Wanfried liegt der Hülfenberg, auf diesen Berg befahl der heilige Bonifaz eine Capelle zu bauen. Unter dem Bauen kam nun oft ein Mann gegangen, der fragte: was es denn geben sollte? Die Zimmerleute antworteten immer: „ei, eine Scheuer solls geben.“ Da ging er wieder seiner Wege. Zuletzt aber wurde die Kirche immer mehr fertig und der Altar aufgebaut und das Creuz glücklich gesteckt. Wie nun der böse Feind wiederkam und das alles sehen mußte, ergrimmte er und fuhr aus, oben durch den Giebel; und das Loch, das er da gemacht, ist noch bis den heutigen Tag zu sehen und kann nimmer zugebaut werden. Auch ist er inwendig in den Berg gefahren und suchte die Kirche zu zertrümmern, es war aber eitel und vergebens. Das Loch, worin er verschwand, nennt man das&nbsp;<em>Stuffensloch</em>, (wie den ganzen Berg auch Stuffensberg) und es soll zu&nbsp;Zeiten daraus dampfen und Nebel aufsteigen. Von dieser Capelle wird weiter erzählt: sie sey einer Heiligen geweiht, rühre ein Kranker deren Gewand an, so genese er zur Stunde. Diese Heilige aber wäre vordem eine wunderschöne Prinzessin gewesen, in die sich ihr eigener Vater verliebt. In der Noth hätte sie aber zu Gott im Himmel um Beistand gebätet, da wäre ihr plötzlich ein Bart gewachsen und ihre irdische Schönheit zu Ende gegangen.</p>
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		<title>Der Blumenstein in Hessen</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2021 15:13:51 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als auf dem Blumenstein bei Rotenburg in Hessen noch Ritter lebten, wettete eines Abends ein junges, muthiges Bauernmädchen in dem benachbarten Dorf Höhnebach, daß es um Mitternacht bei Mondschein hinaus auf die furchtbare Burg gehen und ein Ziegelstück herabholen wollte. Sie wagte auch den Gang, holte das Wahrzeichen und wollte eben wieder zurückgehen, als ihr ... <p class="read-more-container"><a title="Der Blumenstein in Hessen" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/der-blumenstein-in-hessen/#more-472" aria-label="Mehr Informationen über Der Blumenstein in Hessen">Continue</a></p>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Als auf dem Blumenstein bei Rotenburg in Hessen noch Ritter lebten, wettete eines Abends ein junges, muthiges Bauernmädchen in dem benachbarten Dorf Höhnebach, daß es um Mitternacht bei Mondschein hinaus auf die furchtbare Burg gehen und ein Ziegelstück herabholen wollte. Sie wagte auch den Gang, holte das Wahrzeichen und wollte eben wieder zurückgehen, als ihr ein Hufschlag in der stillen Nacht entgegenklang. Schnell sprang sie unter die Zugbrücke und kaum stand sie darunter, so kam auch schon der Ritter herein und hatte eine schöne Jungfrau vor sich, die er geraubt und deren köstliche Kleidungsstücke er hinten aufgepackt hatte. Indem er über die Brücke ritt, fiel ein Bündel davon herab, den hob das Bauernmädchen auf und eilte schnell damit fort. Kaum aber hatte sie die Hälfte des Spisses, eines Berges, der zwischen Höhnebach und dem Blumenstein liegt, erstiegen, so hörte sie, wie der Ritter schon wieder über die Zugbrücke ausritt und wahrscheinlich den verlorenen Bündel suchen wollte. Da blieb ihr nichts übrig, als den Weg zu verlassen und sich in den dicken Wald zu verbergen, bis er vorüber war. Und so rettete es seine Beute und brachte das Wahrzeichen glücklich nach Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Original: <strong>Deutsche Sagen</strong> der Brüder Grimm von 1816</p>
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		<title>König Grünewald</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2021 12:34:25 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[König Grünewald]]></category>
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					<description><![CDATA[Auf dem Christenberg in Oberhessen wohnte vor Alters ein König und da stand auch sein Schloß. Er hatte auch eine einzige Tochter, auf die er gar viel hielt und die wunderbare Gaben besaß. Nun kam einmal sein Feind, ein König, der hieß Grünewald und belagerte ihn in seinem Schlosse, und als die Belagerung lange dauerte, so sprach dem ... <p class="read-more-container"><a title="König Grünewald" class="read-more button" href="https://www.deutschesagen.de/koenig-gruenewald/#more-441" aria-label="Mehr Informationen über König Grünewald">Continue</a></p>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Christenberg in Oberhessen wohnte vor Alters ein König und da stand auch sein Schloß. Er hatte auch eine einzige Tochter, auf die er gar viel hielt und die wunderbare Gaben besaß. Nun kam einmal sein Feind, ein König, der hieß <em>Grünewald</em> und belagerte ihn in seinem Schlosse, und als die Belagerung lange dauerte, so sprach dem König im Schlosse seine Tochter immer noch Mut zu. Das währte bis zum Maientag. Da sah auf einmal die Tochter, wie der Tag anbrach, das feindliche Heer herangezogen kommen mit grünen Bäumen. Da wurde es ihr angst und bang, denn sie wußte, daß alles verloren war und sagte ihrem Vater:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Vater gebt euch gefangen,<br>der grüne Wald kommt gegangen!</p></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Darauf schickte sie ihr Vater ins Lager König Grünewalds, bei dem sie ausmachte, daß sie selbst freien Abzug haben sollte und noch dazu mitnehmen dürfte, was sie auf einen Esel packen könnte. Da nahm sie ihren eigenen Vater, packte ihn drauf sammt ihren besten Schätzen und zog nun fort. Und als sie eine gute Strecke in einem fortgegangen waren, sprach die Königstochter: „hier <em>wollemer</em> ruhen!“ Daher hat ein Dorf den Namen, das dort liegt (Wollmar, eine Stunde vom Christenberg, in der Ebene). Bald zogen sie weiter durch Wildnisse hin ins Gebirg, bis sie endlich einen Flecken fanden; da sagte die Königstochter: „<em>hier hat’s Feld!</em>“ und da blieben sie und bauten ein Schloß und nannten es Hatsfeld. Dort sind noch bis auf den heutige« Tag die Ueberbleibsel und die Stadt dabei hat auch von der Burg den Namen. (Hatzfeld, ein Städtchen an der Eder, im Gebirg, gegen vier Stunden vom Christenberge westlich).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Original: <strong>Deutsche Sagen</strong> der Brüder Grimm von 1816</p>
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